Selbstmordattentäter in Afghanistan war offenbar Doppelagent

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Veröffentlicht: 16:54, 5. Jan. 2010 (CET)
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Die Provinz Waziristan im Grenzgebiet zu Afghanistan gilt als Rückzugsgebiet der Taliban
Vom US-Stützpunkt Chapman in der Provinz Khost im Osten Afghanistans werden Drohnenangriffe auf Taliban-Stellungen in Waziristan gestartet

Washington D.C. (Vereinigte Staaten), 05.01.2010 – Wie jetzt bekannt wurde, handelte es sich bei dem Selbstmordattentäter, der sich am 31. Dezember 2009 in einem US-Stützpunkt in der Nähe der pakistanischen Grenze in die Luft gesprengt und dabei sieben CIA-Agenten getötet hatte, möglicherweise um einen jordanischen „Doppelagenten“.

Der 36-jährige Humam Khalil Abu-Mulal al-Balawi war vom jordanischen Geheimdienst vor einem Jahr zunächst wegen seiner Verbindungen zu al-Qaida festgenommen worden. Der Geheimdienst war dann jedoch zu der Ansicht gekommen, der Mann sei erfolgreich „umgedreht“ worden und könnte für Geheimdienstaufträge im Umfeld der al-Qaida benutzt werden. Anderen Quellen zufolge hatte der Mann angegeben, selbst übergelaufen zu sein, um Informationen über den islamistischen Fundamentalisten und TOP-al-Qaida-Führer Aiman az-Zawahiri zu liefern. Jedenfalls war er dann als Undercover-Agent nach Pakistan und Afghanistan geschickt worden. Nach Angaben von dw-world.de soll er sogar selbst von der CIA zum Stützpunkt Chapman eingeladen worden sein. Hier sollte er das Terrornetzwerk al-Qaida infiltrieren und Informationen liefern. Das berichtet der US-Sender NBC sowie andere Medien unter Berufung auf US-Geheimdienstquellen.

Bei dem US-Stützpunkt Chapman nahe der pakistanischen Grenze (Provinz Khost), wo der Attentäter sieben CIA-Agenten tötete, indem er in einem Fitnessraum einen Sprengstoffgürtel zündete, handelt es sich um eine Militärbasis, von der in der Vergangenheit mehrfach Angriffe mit unbemannten Drohnen auf Talibanstellungen ausgegangen waren.

Der Tod dieser CIA-Agenten stellt nach Angaben der New York Times einen herben Verlust für die Stellung der CIA in der Region dar, da es sich bei den Agenten um ein „Elite-Team“ gehandelt habe. Die New York Times nimmt an, dass der Vorfall die traditionell guten Beziehungen zwischen dem jordanischen Geheimdienst und der CIA belasten könnte. Das Verhältnis sei bisher so gut gewesen, dass der angebliche Doppelagent ohne weitere Prüfung von der CIA übernommen wurde. Der jordanische Führungsoffizier des angeblichen Doppelagenten sei bei dem Selbstmordanschlag ebenfalls getötet worden, schreibt die New York Times. Die Zeitung gibt als Quelle der Informationen anonyme Mitarbeiter westlicher Regierungen an.


Hinweis: Weitere Hintergrundinformationen zu dem Attentat auf dem US-Stützpunkt Chapman liefert der Artikel der englischen Ausgabe der Wikipedia: „Forward Operating Base Chapman attack“.


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Quellen