WWF: „Zusammenbruch der kommerziellen Fischerei bis 2050“

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Veröffentlicht: 23:43, 15. Dez. 2008 (CET)
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Tiefseerotbarsch auf einer Briefmarke der Faröer

Frankfurt am Main (Deutschland), 15.12.2008 – Die Naturschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF) schlägt – zum wiederholten Male – Alarm: Die Fischbestände der Weltmeere sind überfischt. Wenn die Entwicklung der letzten Jahre sich so fortsetzt, so prognostizieren Wissenschaftler, wird der kommerzielle Fischfang im Jahr 2050 nichts mehr zu fangen haben. In einer Studie zeichnet der WWF ein düsteres Bild von der gegenwärtigen Situation der Fischbestände und ihrer zukünftigen Entwicklung. Dabei legt die vom WWF Deutschland erstellte Studie besonderen Wert auf die Zusammenhänge zwischen den für die Fischbestände fatalen Konsumgewohnheiten, aus ökologischer Sicht verantwortungslosen Fangmethoden und den daraus folgenden sinkenden Zukunftschancen der Populationen der beliebtesten Speisefische der Deutschen.

Dornhai, zeichnerische Darstellung

Ein Fischkonsum der deutschen Bundesbürger von 16,4 Kilogramm Fisch pro Kopf und Jahr ist dabei ein Teil des Problems. Die Quantität des Fischkonsums als solche ist dabei aber nicht entscheidend, sondern ihre artenmäßige Zusammensetzung. So schlägt der WWF den Verbrauchern vor, auf den Konsum von Rotbarsch gänzlich zu verzichten. 32.600 Tonnen dieser einst als Edelfisch angesehenen Fischart gelangen in Deutschland jährlich auf den Teller. Warum ist der Verzehr dieser Fischart aus Sicht des WWF so problematisch? Der Grund liegt in den Fangmethoden. Die Nachfrage nach Rotbarsch führte zur explosiven Entwicklung der industriellen Tiefseefischerei. Diese gilt als ökologisch besonders bedenklich, weil durch die Schleppnetze die Laichgebiete vieler Fischarten nachhaltig zerstört werden. Zu Beginn war die Tiefseefischerei besonders lukrativ, weil kurzfristig hohe Fangquoten erzielt werden konnten. Die langsam wachsenden Bestände der Tiefsee erholen sich von solcher Überfischung jedoch nur sehr langsam, weil die Reproduktionsrate dieser Fischarten sehr niedrig ist. Viele Tiefseefischarten werden daher von Wissenschaftlern als eine „nicht erneuerbare Ressource“ angesehen. Ein anderes Beispiel: Schillerlocken. Dem Verbraucher ist häufig nicht bewusst, dass es sich bei „Schillerlocken“ um die Bauchlappen des Dornhais handelt. Dessen Bestände nähern sich seit Jahren kritischen Werten. Der Internationale Rat für Meeresforschung empfiehlt seit Jahren die Einstellung des Fangs von Dornhai. Im Nordostatlantik gilt der Dornhai bereits als vom Aussterben bedroht.

Tunfisch

Als dramatisch wird auch die Situation beim Tunfisch beschrieben, der in der Gunst der deutschen Fischesser auf Platz 4 steht. 90 Prozent der Tunfischbestände wurden in den letzten Jahren abgefischt. Fünf Tunfischarten stehen bereits auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Eine besondere Problematik bildet beim Tunfischfang der so genannte Beifang: 3,3 Millionen Haie verfangen sich in den Netzen der Tunfischtrawler, außerdem verenden so rund 300.000 Meeressäuger wie Wale und Delfine.

Die Liste bedrohter Fischarten durch den Raubbau an natürlichen Ressourcen ist lang. Der WWF stellt einige Forderungen auf, um einen schonenderen Umgang mit den Fischbeständen der Weltmeere zu ermöglichen. Erstens sollen die Seefangflotten auf die Verwendung selektiver Fanggeräte verpflichtet werden. Auf diese Weise könnte der Beifang, der wesentlich zur Überfischung der Meere beiträgt, eingeschränkt werden. Regionen, in den Jungfische heranwachsen, müssen zu Schutzgebieten erklärt werden, in denen kein Fischfang erlaubt ist. Für die Berechnung von Höchstfangquoten im Rahmen der Europäischen Union fordert der WWF die rechnerische Einbeziehung des Beifangs. Ähnlich wie in anderen Bereichen der Produktkennzeichnung muss nach Auffassung des WWF auch die Herkunft von Fisch im Kühlregal oder in der Ladentheke von Fischfachgeschäften zweifelsfrei zurück verfolgt werden können, um der „Fischpiraterie“, also der Umgehung der Fischfangquoten durch illegalen Fischfang, Einhalt zu gebieten. Den Verbrauchern empfiehlt der WWF, auf Zertifizierungssymbole zu achten. Der WWF befürwortet MSC-zertifizierte Fischereibetriebe und Bio-Produkte aus Zuchtbetrieben.

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Quellen