Michail Gorbatschow in Moskau beerdigt

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Veröffentlicht: 15:37, 4. Sep. 2022 (CEST)
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Michail Gorbatschow (2010)

Moskau (Russland), 04.09.2022 – Am gestrigen Samstag wurde in Moskau Michail Gorbatschow auf dem Prominentenfriedhof am Neujungfrauenkloster neben seiner Frau Raissa beerdigt. Mehrere tausend Menschen nahmen Abschied von dem ehemaligen Präsidenten der Sowjetunion. Er war zuvor im Haus der Gewerkschaften im offenen Sarg aufgebahrt worden, von Ehrenwachen flankiert, wo viele Bürger am Sarg vorbeizogen und Blumen niederlegten. Gorbatschows Tochter Irina und seine beiden Enkeltöchter saßen neben dem Sarg. Bei der Bestattung wurde die russische Nationalhymne gespielt und Salutschüsse wurden abgegeben.

Der russische Präsident Wladimir Putin nahm nicht an der Trauerfeier teil, hatte aber am Donnerstag, den 1. September Blumen am Sarg niedergelegt, sich bekreuzigt und war nach knapp 40 Sekunden wieder gegangen. Dem Kreml zufolge soll der Terminkalender Putins voll gewesen sein, so dass er nicht habe an der Trauerfeier teilnehmen können. Der ungarische Präsident Viktor Orbán und der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew waren hingegen anwesend. Orbán war einer von wenigen ausländischen Politikern und der einzige EU- und auch der einzige NATO-Regierungschef, der der Trauerfeier beiwohnte. Viele westliche Staaten hatten nur Botschafter geschickt. Viele Politiker aus westlichen Staaten waren aufgrund von Sanktionen Russlands im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg mit Einreiseverboten belegt worden. Weiterhin war und ist der russische Luftraum für Flugzeuge aus „unfreundlichen EU-Staaten“ derzeit gesperrt.

Gorbatschow aufgebahrt im Säulensaal des Gewerkschaftshauses

Gorbatschow war am vergangenen Dienstag im Alter von 91 Jahren gestorben. Von 1985 bis 1991 war er der letzte Präsident der Sowjetunion. Er gilt als wichtiger Wegbereiter der deutschen Einheit. Mit seiner neuen Politik von „Glasnost“ (Offenheit) und „Perestroika“ (Umgestaltung) schaffte er die Voraussetzungen für das Ende des Kalten Krieges zwischen Ost und West und für den Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989.

Eines seiner wesentlichen Verdienste war der INF-Vertrag zur atomaren Abrüstung, den er mit US-Präsident Ronald Reagan auf den Weg brachte.

Im Jahr 1990 erhielt Gorbatschow den Friedensnobelpreis.

Vor allem in Deutschland ist Gorbatschow hoch angesehen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte ihm in einem Brief zum 30-jährigen Fall der Mauer im Jahre 2019 mit den folgenden Worten gedankt: „Wir werden nicht vergessen, dass das Wunder der friedlichen Wiedervereinigung meines Landes und das Ende der Teilung Europas nicht möglich gewesen wäre ohne die mutigen und menschlichen Entscheidungen, die Sie damals persönlich getroffen haben.“ Gorbatschow konnte damals aus Krankheitsgründen nicht an den Jubiläumsfeierlichkeiten teilnehmen. In einigen Bundesländern wurde nun zu seinem Tod Trauerbeflaggung angeordnet. Vor dem Kanzleramt hingen die Bundesflagge und die Europafahne auf Halbmast.

In Russland wird Gorbatschow hingegen von vielen Leuten für den Zerfall der Sowjetunion verantwortlich gemacht. Es gab im Gegensatz zur Beerdigung des ersten Präsidenten Russlands nach dem Zerfall der Sowjetunion, Boris Jelzin, keinen nationalen Trauertag, und einige Russen vermuten, dass die Feier vom russischen Staat absichtlich klein gehalten wurde.

In den letzten Jahren war Gorbatschow vor allem noch als Buchautor aktiv.


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Quellen[Bearbeiten]