Zum Inhalt springen

Folgt auf Amoklauf ein PC-Spiele-Verbot?

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Artikelstatus: Fertig 17:45, 25. Nov. 2006 (CET)
Bitte keine weiteren inhaltlichen Veränderungen vornehmen, sondern einen Folgeartikel schreiben.

Emsdetten / Düsseldorf / Erfurt (Deutschland), 25.11.2006 – Am vergangenen Montag verübte ein 18-jähriger junger Mann ein Attentat in einer nordrhein-westfälischen Realschule. Kurz darauf wurde bekannt, dass der Täter auch schon mal Ego-Shooter gespielt hatte. Vor diesem Hintergrund gab es in Deutschland wieder eine intensive Diskussion über Pro und Contra einer Verbannung dieser Spiele aus deutschen Kinderzimmern.

Nachdem bekannt geworden ist, dass der ehemalige Schüler gewalttätige Spiele gespielt hatte, fordern nun Politiker aus CDU und SPD öffentlich ein Verbot dieser Spiele für Kinder. Unterdessen hält die Diskussion über die tatsächlichen Ursachen des Blutbads an der Schule an. Die Lebensgeschichte des 18-Jährigen wurde von allen Seiten beleuchtet.

Der Schüler, der hier zum Amokläufer wurde, war bereits zweimal sitzen geblieben und hatte dadurch anscheinend den sozialen Kontakt zu seiner neuen Klasse verloren, da der Altersunterschied zu groß geworden war. Er bezeichnete seine Klassenkameraden in einem Hilferuf vor zwei Jahren als „kindisch oder halbstark“. Hinzu kamen die pubertären Probleme eines Jungen, wie der anfänglich schwerere Umgang mit Mädchen, der ihm anscheinend Schwierigkeiten bereitete. Durch eine zunehmende Bindungsstörung hatte sich der Teenager zunehmend isoliert und sich eine neue virtuelle Welt in Gewaltspielen und dem Internet gesucht. Aus der Isolation entstand wahrscheinlich auch seine Vorliebe für Waffen, die er nicht nur virtuell besaß.

Wie wird in diesem Zusammenhang die Rolle von Computerspielen beurteilt? Auf den ersten Blick scheinen eher die psychischen Probleme und die nicht gehörten, verstandenen oder ernstgenommenen Hilferufe des jungen Mannes die Ursache für seinen Amoklauf zu sein. Schwierigkeiten bereitete die Beantwortung der Frage, wie er auf die Idee zu dem Blutbad kam und die Idee entwickelte, seinen mutmaßlichen Peinigern mit einer Waffe entgegentreten zu wollen. Computerspiele suggerieren eine Welt, in der es nur Gewinner und Verlierer gibt. Gewinner ist derjenige mit der schnelleren Reaktion und dem besseren Waffenarsenal. Der Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, beschrieb es so: „Brutale Computerspiele und Videofilme gaukeln Jugendlichen den schnellen Sieg des Stärkeren vor. Auswege für den Verlierer bieten sie nicht.“

Die Forderung nach einem Verbot, wie es die neue Bundesinitiative vorsieht, wurde vor dem Hintergrund dieser Diskussion problematisiert. Es gibt Stimmen, die dies verneinen. Zum Einen führen sie die wachsende Attraktivität an, die im Verbot selbst liegt, zum anderen auch das Problem des Alleinelassens der Jugendlichen. Die Liberalen (FDP) und die Grünen wollen lieber mehr Medienaufklärung. So forderte Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck (Die Grünen) daher, nicht „einfältig“ nach einem Verbot der so genannten „Killerspiele“ zu rufen, sondern die „Medienkompetenz und eine sinnvolle Computernutzung“ zu fördern.

Durch die Diskussion fühlten sich viele an einen ähnlichen Fall erinnert: das Massaker am 26. April 2002 am Gutenberggymnasium in Erfurt. Zwar fand es in einem anderen Bundesland und auch an einer anderen Schulform statt, dennoch waren auch damals Ego-Shooter mit im Spiel gewesen, und es wurde nach einem Verbot dieser Spiele gerufen. Auch der damalige Täter hatte Ego-Shooter gespielt und war auch im realen Leben ein Waffennarr. Er hatte Probleme, die Schule geschwänzt und wurde deshalb von ihr verwiesen. Er war jedoch nicht sozial isoliert gewesen. Kontakte innerhalb der Familie und auch zu Freunden bestanden. Er konnte jedoch seine Probleme, noch nicht einmal seinen nicht erreichbaren schulischen Ausschluss, niemandem anvertrauen. Er gaukelte bis zum Schluss seinen Eltern vor, er würde die Abiturprüfung ablegen und später eine schon bestätigte Zivildienststelle antreten. Im Gegensatz zur Tat in Emsdetten scheint die Tat in Erfurt aber nicht geplant gewesen zu sein, denn es gab zuvor keine Ankündigungen. Darin zeigt das Attentat in Emsdetten eine neue Dimension. Denn hier wurde der Amoklauf nicht nur vorher angekündigt, der Täter bereitete sogar Sprengladungen vor, die er sich um den Körper schnallte.

Themenverwandte Artikel

Quellen