FÖS-Studie: Strom aus Wind- und Wasserkraft billiger als Atomstrom

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Veröffentlicht: 19:00, 17. Apr. 2011 (CEST)
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Hamburg (Deutschland), 17.04.2011 – Laut einer heute veröffentlichten Studie im Auftrag von Greenpeace Energy, eines Greenpeace-eigenen deutschen Anbieters für Ökostrom, ist Strom aus Wind- und Wasserkraft schon heute billiger als Atomstrom, wenn man in die Rechnung alle gesellschaftlichen Kosten einbezieht, die bei der Herstellung des Stroms entstehen.

Die Studie, die unter dem Titel „Was Strom wirklich kostet“ vom „Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft“ (FÖS), erarbeitet wurde, rechnet vor, welche staatlichen Förderungen und weitere Kosten eigentlich in den Strompreis eingerechnet werden müssten, um die tatsächlichen gesellschaftlichen Kosten der verschiedenen Energieformen zu kalkulieren. Grundlage der Modellrechnungen sind Aufzeichnungen über staatliche Fördermaßnahmen aus dem Zeitraum von 1970 bis 2010.

Demnach kostet eine Kilowattstunde Windstrom 7,6 Cent, Strom aus Wasserkraft 6,5 Cent. Eine Kilowattstunde Strom aus Braun- und Steinkohle kostet die Gesellschaft 12,1 Cent. An der Spitze der Liste steht Atomstrom mit 12,8 Cent je Kilowattstunde.

Die öffentliche Diskussion bezieht sich häufig auf Preiskalkulationen, die von Stromanbietern erstellt wurden und in die die von der Gesellschaft beziehungsweise vom Staat erbrachten Leistungen in Form von Subventionen oder Infrastrukturmaßnahmen nicht eingerechnet sind.

So flossen in die Gewinnung des Energieträgers Steinkohle staatliche Fördermittel in Höhe von 288 Milliarden Euro ein. In die Atomenergie flossen staatliche Subventionen von 196 Milliarden Euro. Bei der Braunkohle waren es 67 Milliarden Euro. Erneuerbare Energieträger profitieren erst in jüngster Zeit von staatlichen Förderprogrammen. In die erneuerbaren Energien wurden bisher 39 Milliarden Euro aus staatlichen Finanztöpfen investiert. Die einzelnen staatlichen Förderprogramme setzen sich dabei aus direkten Finanzhilfen, Steuervergünstigungen und anderen Förderwerten (Emissionshandel oder den Rückstellungen von Kernkraftwerken, die in die Endkalkulation des Endpreises einfließen) zusammen.

Die Autoren der Studie kommen rückblickend auf das System staatlicher Förderprogramme seit dem Beginn der staatlichen Förderung der Atomenergie in der Bundesrepublik Deutschland zu dem Schluss: „Hätten die AKW-Betreiber allerdings in der Aufbauphase auch nur einen relevanten Teil der Kosten selbst tragen müssen, wäre diese Technologie nie eingeführt worden. Die hohen vergangenen Förderungen haben die heutige Marktposition der Atomenergie überhaupt erst ermöglicht.“

Nur als grobe Annäherung in Anlehnung an die externen Kosten von Braunkohle (laut Umweltbundesamt in Höhe von 7,9 Cent pro Kilowattstunde) sind in die Kalkulation der gesamtwirtschaftlichen Kosten der Kernenergie als „Mindestwert der tatsächlichen externen Kosten von Atomenergie“ unter anderem die Kosten eingeflossen, die durch einen großen nuklearen Störfall entstehen würden. Auch die künftig noch entstehenden Kosten zur Sanierung alter Steinkohlebergwerke und Maßnahmen des Landschaftsschutzes nach dem Ende des Tagebaus in den Braunkohletagebaugebieten (als so genannte „externe Kosten“) flossen in die Rechnung ein. Die Kernkraftwerke werden auch nach ihrer Abschaltung erhebliche gesellschaftliche Folgekosten verursachen (zum Beispiel durch die Lagerung abgebrannter Brennelemente).

Vorerst noch teuer ist Strom auf der Basis der Photovoltaik-Technologie, der mit gesellschaftlichen Kosten von 46,5 Cent pro Kilowattstunde zu Buche schlägt. Bei dieser Form der Energiegewinnung aus Sonnenenergie vergleicht die Studie die jetzige Situation mit der Situation bei Einführung der Atomkraft in Deutschland, als der Staat den Atomstrom mit 60 Cent je Kilowattstunde förderte.

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Quellen