Selbstmordrate bei US-Soldaten erreicht eine Rekordmarke

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Veröffentlicht: 10:57, 21. Feb. 2009 (CET)
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Washington D.C. (Vereinigte Staaten), 21.02.2009 – Im letzten Jahr haben sich so viele US-Soldaten das Leben genommen wie noch nie. Im vergangenen Monat hatte Heeresminister Preston M. Geren die entsprechenden Zahlen auf einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Demnach haben sich im Jahr 2008 bis zu 143 Angehörige der US-Armee dem Freitod gestellt. Im Januar 2009 betrug die Zahl der Selbstmorde Medienberichten zufolge 24. Damit starben in diesem Zeitraum mehr Soldaten durch Selbstmord als in Kampfhandlungen im Irak oder Afghanistan.

US-Heeresminister Preston „Pete“ Geren

Auf der Pressekonferenz hatte Preston M. Geren erklärt, er könne sich die stetig steigende Zahl an Selbstmorden nicht erklären. Laut Medienberichten wollen die Streitkräfte ab kommendem Monat mit einem Präventionsprogramm auf die Tendenz reagieren. Das Verteidigungsministerium weist in einer Pressemitteilung auf eine Hotline hin, an die sich Veteranen wenden können, die sich mit Selbstmordgedanken plagen. In der Pressemitteilung heißt es, dass durch die Beratung am Telefon mehr als 2.600 Veteranen „gerettet“ werden konnten. Das US-Verteidigungsministerium schätzt, dass jährlich rund 5.000 Veteranen Suizid begehen. Die Wahrscheinlichkeit sei bei denen, die im Irak oder in Afghanistan stationiert gewesen sind, um 35 Prozent höher als im Vergleich zur Normalbevölkerung.

„Democracy Now“ hat Mark Benjamin vom Internet-Magazin „Salon.com“, der sich umfassend mit der Thematik befasst hat, zur steigenden Selbstmordrate befragt. Ihm zufolge hätten die meisten Selbstmorde verhindert werden können. Aus Kriegsgebieten heimkehrende Soldaten würden vernachlässigt oder falsch behandelt, so ein von „Salon.com“ veröffentlichter Bericht. Laut Mark Benjamin litten viele Soldaten unter den klassischen Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung. Zu den Symptomen zählen Wutausbrüche, Selbstmord- und Amoklaufgedanken, Albträume, Flashbacks und Schlafstörungen. Darauf reagiere die Armee bis jetzt zumindest mit disziplinarischen Mitteln. Therapien blieben häufig aus, weshalb die Soldaten zur Selbstmedikation griffen.

In einem Kommentar der studentischen Nachrichtenwebsite „The News Record“ wird ähnlich argumentiert. Dort heißt es, die 15-monatige Stationierung im Irak und Afghanistan sei wahrscheinlich zu einem großen Teil für den Stress verantwortlich, dem Veteranen und diensthabende Soldaten ausgesetzt seien. „Wenn unsere Nation unsere Truppen unterstützen will, dann lasst uns damit aufhören, diese leere Parole zu benutzen und damit anfangen, sie wirklich zu unterstützen“, schreibt Jeremy Davis, in seinem Kommentar für „The News Record“.

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Quellen