John McCain übt Kritik an Barack Obamas Deutschlandreise

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Veröffentlicht: 14:45, 30. Jul. 2008 (CEST)
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Washington D.C. (Vereinigte Staaten), 30.07.2008 – Der Präsidentschaftsbewerber der Republikanischen Partei, John McCain, und sein Wahlkampfteam haben Barack Obama wegen der Gestaltung seiner Deutschlandreise letzte Woche aggressiv kritisiert. Der Vorwurf lautet, Obama habe seinen ursprünglich im Rahmen der Reise geplanten Besuch bei verwundeten US-Soldaten abgesagt. Obama hatte diese Absage damit begründet, dass man sich seitens des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums sehr kritisch über eine solche Reise zu Soldaten im Rahmen einer politischen Kampagne geäußert habe. Mit dem Verzicht auf den Besuch – so hieß es aus Obamas Lager – wolle dieser einen Missbrauch der Streitkräfte zu politischen Zwecken verhindern.

Obama bei seiner von McCain stark kritisierten Rede in Berlin

McCain dagegen wies diese Darstellung zurück und argumentierte, ein Besuch wäre sicherlich möglich gewesen, auch wenn Obama dabei auf die Begleitung durch Medienvertreter hätte verzichten müssen. Damit impliziert er, dass Obama diesen Besuch vor allem in Hinblick auf sein Image angesetzt habe. McCain ließ auch verlautbaren, dass er es gar nicht zugelassen hätte, hätte man versucht, ihm den Zugang zu den Soldaten zu verwehren. Entsprechend verbreitet McCains Kampagne derzeit einen Werbespot, in dem hervorgehoben wird, dass McCain „immer für unsere Truppen“ da sei.

McCain (Archiv)

In den deutschen Medien hatte insbesondere die Wortwahl seitens der McCain-Kampagne für Aufsehen gesorgt. So hatte ein Sprecher McCains von „throngs of fawning Germans“ gesprochen, was man mit „einer Ansammlung von kriecherischen Deutschen“ übersetzen kann. Dabei bezog sich der Sprecher auf den überaus freundlichen, vielleicht gar euphorischen Empfang, den Obama in Berlin erleben konnte. So hatte das Berliner Publikum während dessen Rede sogar sein Wahlkampfmotto „Yes, we can“ skandiert.

Obamas Kampagne gab sich über diesen Angriff sehr enttäuscht. So zitiert washingtonpost.com einen Sprecher Obamas mit den Worten: „Ich denke, dass sich viele Menschen fragen, was aus der fairen Kampagne geworden ist, die McCain ursprünglich durchführen wollte.“ Damit bezieht dieser sich vermutlich auf den Vorwurf, McCain habe durch seine Attacke gegen Obama gerade das getan, was Obama verhindern wollte: die US-Streitkräfte für Wahlkampfzwecke zu nutzen.

Ein weiterer Vorwurf des besagten Werbespots ist, dass Obama seinen Positionen aus dem Vorwahlkampf, die ihm die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Demokraten sichern sollten, nun, nachdem diese feststehe, nicht treu bleibe. Dies ist nicht das erste Vorwurf seitens McCains, dass Obama seine Meinung schnell ändere. So wurde beispielsweise in einem im Internet verbreiteten Werbespot McCains der Vorwurf geäußert, Obama habe sein Versprechen gebrochen, zusammen mit McCain auf eine gemeinsame Lösung in Sachen Wahlkampffinanzierung hinzuarbeiten. (Wikinews berichtete).

Diese Art von Kampagne stößt allerdings auch im eigenen Lager von McCain auf kritische Stimmen. So sagte der Parteifreund McCains Chuck Hagel, Senator von Nebraska: „Ich bewundere und respektiere John McCain sehr. Er ist besser als das.“ Hagel nahm dabei ausdrücklich Obamas Entscheidung, auf den Truppenbesuch zu verzichten, in Schutz: „Es wäre für Obama völlig unangebracht gewesen, während einer Wahlkampfreise ein Millitärkrankenhaus zu besuchen und die Soldaten als Requisiten zu benutzen.“ Zu beachten ist in diesem Zusammenhang aber auch, dass Hagel ebenfalls als Vertrauter Obamas gilt und bereits als Verteidigungsminister unter einem Präsidenten Obama im Gespräch war. Er ist jedoch nicht der einzige, der solche Kritik übt. So heißt es, McCain sollte eine „positivere Botschaft“ aussenden, anstatt sich durch Ablehnung von Obama zu definieren.

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Quellen