Iran bestreitet Verantwortung für Tankerangriff im Golf von Oman

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Veröffentlicht: 17:09, 15. Jun. 2019 (CEST)
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  Washington D.C. (Vereinigte Staaten) / Berlin (Deutschland), 15.06.2019 – Der Iran hat Anschuldigungen des US-Außenministers Mike Pompeo „kategorisch zurückgewiesen“, das Land habe die Angriffe auf zwei Öltanker im Golf von Oman verübt. Die amerikanischen Vorwürfe seien „unbegründet“. Pompeo hatte den Iran für die „unprovozierten Angriffe“ verantwortlich gemacht. „Die USA und ihre regionalen Verbündeten müssen die Kriegshetze stoppen und die schädlichen Verschwörungen sowie die Operationen unter falscher Flagge in der Region beenden.“ Der Iran deutet damit an, dass die Vereinigten Staaten oder einer ihrer Verbündeten selbst für den Angriff verantwortlich sein könnten, um ihn dem Iran in die Schuhe zu schieben.

US-Außenminister Pompeo bei der Pressekonferenz am 13. Juni.
Foto: Michael Gross/State Department

„Es ist die Bewertung der Vereinigten Staaten, dass die Islamische Republik Iran für die Angriffe verantwortlich ist,“ hatte Pompeo am Donnerstag vor der Presse in Washington, D.C. gesagt. „Diese Bewertung basiert auf Geheimdiensterkenntnissen, den verwendeten Waffen, dem erforderlichen Niveau des Könnens, das zur Ausführung der Operation erforderlich ist, kürzlichen ähnlichen iranischen Angriffen auf die Schifffahrt und der Tatsache, dass keine in dem Gebiet tätige Stellvertetergruppe [des Iran] die Mittel und Fähigkeiten hat, mit einem derart hohen Grad an Raffinesse zu agieren.“

Pompeo legte zunächst keine Belege für seine Anschuldigungen vor. Doch binnen weniger Stunden nach dem iranischen Dementi veröffentlichte das Pentagon ein Video, das nach amerikanischen Angaben eine Einheit der iranischen Revolutionsgarden beim Entfernen einer nichtexplodierten Haftmine zeigen soll. In dem Schwarz-Weiß-Video sieht man ein Schnellboot an der Bordwand eines Schiffes. Personen auf diesem Schnellboot versuchen demnach, etwas von der Bordwand zu entfernen. Das Boot, bei dem es sich nach Mitteilung des United States Central Command um ein Schnellboot der iranischen Revolutionsgarden vom Typ „Gaschti“ handeln soll, ist dann wieder weggefahren.

Das Video der amerikanischen Marine zeigt angeblich iranische Soldaten bei der Entfernung einer Haftmine
Video: U.S. Central Command Public Affairs

Bei den Angriffen war niemand verletzt worden, doch die 44 Besatzungsmitglieder der beiden Schiffe mussten von Bord gehen und von anderen Schiffen übernommen werden. Bei den beiden Öltankern handelt es sich um die der norwegischen Reederei Frontline gehörende Front Altair und den von der deutschen Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) betriebenen Tanker Kokuka Courageous.

Es gibt widersprüchliche Angaben darüber, wer die von Bord gegangenen Besatzungsmitglieder aufgenomen hat. Iranische Medien berichteten, die 23 Besatzungsmitglieder der Front Altair seien an Bord eines iranischen Schiffes ans Festland gebracht worden. Unter ihnen seien zehn Männer und eine Frau, die russische Staatsbürger seien, hieß es von der russischen Botschaft in Teheran. Elf weitere Mitglieder der Crew stammen von den Philippinen und eines aus Georgien.

IRNA meldete, dass die iranische Marine 44 Personen in den Hafen der iranischen Stadt Bandar-e Dschas gebracht habe. Die Fünfte Flotte der United States Navy gab hingegen bekannt, dass die Besatzung der Kokuka Courageous zuerst von einem niederländischen Schlepper gerettet worden sei und danach vom US-Zerstörer USS Bainbridge übernommen wurde. Bei der Besatzung der unter der Flagge von Panama fahrenden Kokuka Courageous seien ausschließlich philippinische Seeleute, sagte ein Sprecher von BSM. Einer davon sei leicht verletzt worden. Das Schiff sei nach den Angaben des BSM-Sprechers etwa 14 Seemeilen entfernt von der iranischen Küste und in etwa 70 Seemeilen Entfernung vom arabischen Emirat Fudschairah angegriffen worden.

Ungefähre Position der beiden Schiffe am 13. Juni gegen 10:00 Uhr MESZ
Kartographie: OSM

Der Angriff auf die unter der Flagge der Marshallinseln fahrende Front Altair geschah am frühen Morgen. Der Zwischenfall ereignete sich nach Angaben der omanischen Küstenwache, die diese gegenüber der norwegischen Zeitung Dagbladet machte, in iranischen Gewässern. Der Öltanker hat eine Länge vonn 252 Metern und ist 44 Meter breit. Das 2016 gebaute Schiff gehört der Reederei Frontline des norwegischen-zyprischen Milliardärs John Fredriksen. Es war auf dem Weg von den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Taiwan.

Die Aufzeichnungen einer Schiffsverfolgungs-Website zeigen, dass die Front Altair gegen 5:20 Uhr MESZ deutlich an Fahrt verlor, sich dann um die eigene Achse drehte und dann im Golf von Oman trieb.

Nach Angaben der norwegischen Seeschifffahrtsbehörde hat es an Bord der Front Altair drei Explosionen gegeben. Der Tanker transportiere 75.000 Tonnen Methanol nach Taiwan, sagte Wu I-fang, der Sprecher der taiwanischen Ölgesellschaft CPC, die das Schiff gechartert hat. Frontline dementierte iranische Berichte darüber, dass das Schiff gesunken sei.

Die Kokuka Courageous wird von der BSM betrieben und fährt unter der Fahne Panamas. Das Schiff hatte den Hafen Al-Dschubail in Saudi-Arabien am 10. Juni mit dem Ziel Singapur verlassen. Es hielt einen südöstlichen Kurs, bis es etwa 30 Seemeilen südlich von Bandar-e Dschask zum Stillstand kam.

Infolge der Attacken sind die Ölpreise am Donnerstag um bis zu vier Prozent gestiegen. Im Vormittagshandel verteuerte sich ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent um 1,76 US-Dollar auf 61,73 US-Dollar, und die amerikanische Sorte West Texas Intermediate kostete mit 52,43 US-Dollar 1,28 US-Dollar mehr als am Vortag.

Der Angriff auf die beiden Tanker erfolgte einen Monat nach der Beschädigung von vier Öltankern vor den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die Beziehungen der Vereinigten Staaten haben sich in den letzten Monaten deutlich verschlechtert. 2018 hatten sich die Vereinigten Staaten vom Nuklearabkommen mit dem Iran zurückgezogen, und im Mai dieses Jahres hatte der amerikanische Präsident Donald Trump die Sanktionen verschärft und diese vor allem gegen die Ölwirtschaft des Iran gerichtet. Außerdem haben die Vereinigten Staaten ihre Militärpräsenz im Persischen Golf verstärkt. Nach Ansicht der weltgrößten Schifffahrtsorganisation BIMCO sind die Spannungen in der Region „nun so hoch, wie es gerade eben noch geht, ohne dass es sich um einen tatsächlichen bewaffneten Konflikt handelt“.

In der Nacht zum Donnerstag (MESZ) hat sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit der Lage im Golf von Oman befasst. In der Sitzung hat der stellvertretende amerikanische UN-Botschafter Jonathan Cohen die Vorwürfe der Vereinigten Staaten wiederholt. Doch der kuwaitische UN-Botschafter Mansur al-Otaibi sagte nach der Sitzung, konkrete Beweise seien nicht zur Sprache gekommen, und es seien auch keine konkreten Maßnahmen beschlossen worden.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte die Attacken verurteilt. Vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sagte Guterres, dass sich die Welt keine „große Konfrontation in der Golfregion leisten kann“. Der britische Außenminister Jeremy Hunt sagte, man werde selbst zu einer Bewerung kommen, aber „üblicherweise glauben wir unseren amerikanischen Verbündeten“. Wenn aber der Iran wirklich in den Zwischenfall verwickelt sein sollte, „ist es eine höchst unkluge Eskalation, die eine reale Gefahr für die Aussichten für Frieden und Stabilität in der Region darstellt“.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas nannte den Vorfall „außerordentlich beunruhigend“ und die Vorkommnisse eine Bedrohung für die freien Seehandel und „eine Bedrohung für den Frieden“. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini verlangte in Brüssel von allen Beteiligten äußerste Zurückhaltung und die Unterlassung jeglicher Provokationen. „Die Region braucht keine weiteren Elemente der Destabilisierung und keine weiteren Spannungen“, sagte Mogherini. Russland verlangte, vorschnelle Schuldzuweisungen und das Ausüben „psychologischen und militärischen Drucks auf Iran“ zu unterlassen.

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif twitterte, das zeitliche Zusammentreffen der Angriffe auf Tanker mit „Verbindungen zu Japan“ mit der Ankunft des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe in der iranischen Hauptstadt sei „äußerst verdächtig“. Abe hielt sich in Teheran auf, als sich die Angriffe ereigneten. Er traf dort mit dem geistlichen Oberhaupt Irans, Ali Khamenei, zusammen, um zwischen den Vereinigten Staaten und Iran im Atomstreit zu vermitteln. Die Führer der beiden Konflikt-Staaten lehnen direkte Verhandlungen derzeit ab. Auf Twitter drückte Trump seine Wertschätzung für Abes Bemühungen aus, aber er sei der Auffassung, „dass es zu früh ist, auch nur darüber nachzudenken, einen Deal zu machen“. In dem Tweet schrieb Trump auch, dass der Iran nicht dazu bereit sei, und die USA seien es auch nicht. Irans geistlicher Führer Khamenei wiederum sagte bei dem Treffen mit Abe, sein Land hätte bittere Erfahrungen mit den Amerikanern gemacht und wolle diese nicht wiederholen. „Der Iran vertraut den USA nicht“, sagte er.


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Quellen[Bearbeiten]