Innenminister von Italien: Flüchtlinge sollen auch andere Häfen in der Europäischen Union ansteuern

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Veröffentlicht: 20:33, 2. Jul. 2017 (CEST)
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Ankommende Flüchtlinge in Griechenland

Rom (Italien), 02.07.2017 – Der italienische Innenminister Marco Minniti kritisierte vor einem Treffen mit seinem französischen und deutschen Amtskollegen Gérard Collomb und Thomas de Maizière die Europäische Union (EU) für die seiner Meinung nach mangelnde Unterstützung in der Flüchtlingskrise. Er fordert in einem Interview, dass gerettet Flüchtlinge auch andere europäische Häfen ansteuern sollen. „Wenn die einzigen Häfen, die Asylbewerber aufnehmen, in Italien liegen, stimmt etwas nicht“, so Minniti gegenüber der Zeitung „Il Messaggero“ am Sonntag. Als ein „Europafreund“ wäre er „stolz, wenn nur ein Schiff, statt nach Italien zu fahren, einen anderen europäischen Hafen ansteuern würde.“ Dies wäre zwar keine Lösung für „Italiens Probleme“, jedoch aber ein „außergewöhnliches Signal“ der Unterstützung.

Zuvor drohte die italienische Regierung in Rom der EU, ausländischen Schiffen mit geretteten Flüchtlingen künftig die Einfahrt in seine Häfen zu verweigern. Nach eigenen Angaben sieht sich das Land nicht mehr in der Lange, die Situation zu bewältigen. Daraufhin sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel dem südeuropäischen Land weitere Hilfe zu.

Karte des Mittelmeers. Der Stiefel ist Italien.

Seit Jahresbeginn sind in Italien nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) mehr als 83.000 Flüchtlinge angekommen. Das sind fast 20 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum vergangenes Jahr. In dem Interview sagt Minniti, dass Italien unter einem „gewaltigem Druck“ stehe. Neben der italienischen Küstenwache sind noch Schiffe der EU-Mission „Sophia“, der Grenzschutzagentur der Europäischen Union „Frontex“ und weitere internationale Hilfsorganisationen an den Rettungseinsätzen im Mittelmeer beteiligt. „Sie fahren unter der Flagge verschiedener europäischer Länder“, so Minniti.

Am Sonntagabend will sich Minniti mit de Mazière und Collomb in Paris treffen, um über Wege zur Unterstützung Italiens in der Flüchtlingskrise zu beraten. Des Weiteren wird bei dem Treffen der Flüchtlingskommissar der EU, Dimitris Avramopoulous, zu dem Gespräch erwartet. Nach Angaben der französischen Regierung ist ein „abgestimmtes Verfahren“ angesichts der steigenden Zahl an Flüchtlingen, die über das Mittelmeer nach Europa kommen, das Ziel.


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Quellen[Bearbeiten]