Huthi bekennen sich zu Drohnenangriff auf saudische Ölanlagen

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Veröffentlicht: 23:51, 19. Sep. 2019 (CEST)
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Die Karte zeigt die arabische Halbinsel mit den beiden Schauplätzen der Angriffe.
Kartographie: Voice of America (VOA)

Riad (Saudi-Arabien), 19.09.2019 – Zu zwei Drohnenangriffen auf das Ölfeld Churais und eine Ölverarbeitungslage in Abqaiq (östlich von Riad) am vergangenen Samstag (14. September) haben sich schiitische Huthi-Rebellen im Jemen bekannt. Der Angriff mit zehn Drohnen sei die Antwort auf die saudische Militär-Kampagne gegen die Huthi, sagte Jahia Saria. „Wir versprechen dem saudischen Regime, dass unsere nächste Operation größer und schmerzhafter sein wird“, ergänzte er.

Die Vereinigten Staaten halten den Iran für verantwortlich. US-Außenminister Mike Pompeo sagte, es gebe keinen Beweis, dass die Huthis den Angriff ausgeführt hätten. „Inmitten der Rufe nach Deeskalation hat der Iran jetzt einen beispiellosen Angriff auf die Weltenergieversorgung verübt“, ergänzte Pompeo. Die Vereinigten Staaten würden dafür Sorge tragen, dass der Iran für seine Aggression zur Verantwortung gezogen werde.

US-Präsident Donald Trump habe dem Kronprinzen Mohammad bin Salman „seine Unterstützung für Saudi-Arabiens Selbstverteidigung“ angeboten, teilte das Weiße Haus mit. Die amerikanische Regierung würde darauf hinarbeiten, dass die globalen Ölmärkte ausreichend versorgt und stabil bleiben würden. Das Unternehmen Saudi Aramco, dem die angegriffenen Ölanlagen gehören, nahm keine Stellung. Das Unternehmen ist auf dem Weg zu seinem Börsengang.

Saudi-Arabien führt im Jemen einen Stellvertreterkrieg gegen den Iran. Die Huthi-Rebellen halten weite Teile Nordjemens und kontrollieren auch die Hauptstadt Sanaa. Sie haben in den letzten Monaten mehrere Drohnenangriffe auf saudiarabische Infrastruktur ausgeführt.

Die USA glauben, dass die Angriffe viel zu koordiniert abgelaufen seien, als dass sie von den Huthi-Rebellen ausgeführt worden sein könnten. Am Dienstag (17. September) sagte ein Regierungsvertreter unter der Bedingung, dass sein Name nicht genannt wird, der Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP), es seien bei dem Angriff auch Marschflugkörper zum Einsatz gekommen und der Angriff sei definitiv von iranischem Staatsgebiet aus durchgeführt worden. Dafür gebe es gesicherte Erkenntnisse. Das „Wall Street Journal“ berichtete, die USA hätten geheimdienstliche Informationen an Saudi-Arabien übermittelt. Demnach seien aus dem Iran „mehr als 20 Drohnen und mindestens zwölf Raketen“ auf die Aramco-Einrichtungen abgeschossen worden.

Die „New York Times“ berichtete unter Berufung auf nicht namentlich genannte Beamte der US-Regierung, mit denen die Zeitung ein Hintergrundgespräch geführt hat, dass die Kombination vieler Drohnen und Raketen Präzision und Finesse erfordere, die den Huthi-Rebellen nicht zur Verfügung stünden. Die von der US-Regierung veröffentlichen DigitalGlobe-Satellitenbilder zeigten mindestens 17 Einschläge, die allesamt aus nördlicher oder nordwestlicher Richtung erfolgt seien, also aus dem nördlichen Persischen Golf, dem Irak oder dem Iran und nicht aus dem südlich gelegenen Jemen.

US-Energieminister Rick Perry hatte am Montag (16. September) bei einem Treffen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien den Iran direkt beschuldigt. „Das war ein vorsätzlicher Angriff auf die Weltwirtschaft und den globalen Energiemarkt“, sagte Perry. Der Iran bestreitet eine Beteiligung. Saudi-Arabien hat den Iran bislang nicht direkt für die Angriffe verantwortlich gemacht.

Durch die Angriffe ging die tägliche Rohproduktion in Saudi-Arabien um 5,7 Millionen Barrel zurück. Damit ist mehr als die Hälfte der saudischen Produktionskapazität betroffen. Die Dauer des Ausfalls dürfte mehrere Wochen betragen; eine genaue Einschätzung war noch nicht möglich. In der Nacht zum Montag stiegen deswegen die Rohölpreise um ein Fünftel. Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg von 60 auf rund 72 US-Dollar pro Barrel (das sind 159 Liter). Der Preis ging zwar im Tagesverlauf auf 66 US-Dollar pro Barell zurück, doch dürfte der Ölpreis deutlich steigen, wenn der Ausfall den Anlagen mehr als sechs Wochen anhält. Goldman Sachs erwartet in dem Fall einen Preis von 75 US-Dollar pro Barell, S&P Platts geht von einem Preis im Bereich der „hohen 70er“ aus.

Die bisherigen Zwischenfälle am Persischen Golf, etwa die Angriffe auf Tankschiffe und die Festsetzung eines britischen Öltankers hatten sich bisher nicht auf die Ölpreisentwicklung niedergeschlagen, doch das ist nun anders. Helima Croft, eine Expertin für die OPEC bei RBC Capital Markets, sagte dem „Handelsblatt“: „Die Attacke ist eine extrem dramatische Eskalation der Irankrise.“ Nach Angaben der Internationalen Energieagentur in Paris handelt es sich um den größten Ausfall von Produktionskapazitäten in der Geschichte.

Lieferengpässe sind vorerst nicht zu erwarten. Per Ende Juni dieses Jahres hatte Saudi-Arabien in den Niederlanden, in Ägypten und in Japan 188 Millionen Barrel Rohöl auf Lager, was rechnerisch ausreicht, um den Produktionsausfall für etwa einen Monat auszugleichen. Der deutsche Energiemarkt ist nur gering von Saudi-Arabien abhängig, weswegen nach Angaben des deutschen Bundeswirtschaftsministeriums wohl keine Freigabe der Ölreserven erfolgen wird. Die Vereinigten Staaten erwägen allerdings, einen Teil ihrer 645 Millionen Barrel umfassenden strategischen Ölreserve freizugeben. US-Präsident Donald Trump schrieb am Sonntag, 15. September, auf Twitter: „Weil die Angriffe in Saudi Arabien einen Einfluss auf die Ölpreise haben könnten, habe ich bewilligt, dass bei Bedarf Öl aus der strategischen Reserve abgegeben werden kann, in einer noch zu bestimmenden Menge, um das Angebot auf den Märkten aufrecht zu erhalten.”


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Quellen[Bearbeiten]