Begräbnis in Jüterbog

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Artikelstatus: Fertig 1. Jan. 2005 (CET)
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Jüterbog

Jüterbog (Deutschland), 01.01.2005 – In Jüterbog fand gestern Mittag die Aktion „Begräbnis des Sozialstaats“ statt. Es fanden sich über 200 Teilnehmer, überwiegend aus dem Kreis der Montagsdemonstranten, ein. Auch zwei Vertreter mit Gewerkschaftsfahnen von der IG Metall und AUB waren vertreten.

Sabine Hilber begrüßte die Teilnehmer und eröffnete das „Begräbnis“. Steffen Marsch, Michael Maurer, Rainer Weigl und Maritta Böttcher hielten die Nachrufe. Unter den Klängen des „Gefangenenchores“ aus der Oper Nabucco tauchte der Sarg, auf dem ein Kreuz befestigt war, von vier Sargträgern getragen und angeführt von Anton Gorisek, auf. Die versammelten Trauernden schlossen sich spontan dem Zug an, welcher einen großen Halbkreis auf dem Jüterboger Marktplatz beschrieb. Am Endpunkt angekommen, setzten die Träger den Sarg feierlich ab, verharrten noch einige Zeit, bis sich die Trauernden wieder auf ihren Plätzen eingefunden hatten. Anschließend verbeugten sie sich und die Musik klang aus.

Steffen Marsch verband seinen Nachruf mit einem Seitenhieb auf ein in der Landespolitik gescheitertes Jüterboger SPD-Mitglied, das sich in der Lokalpresse abfällig über die Montagsdemonstranten geäußert hatte. Rainer Weigel hatte seinen Nachruf in Versform verpackt und schloss ihn mit einem Appell an die Anwesenden, nicht aufzugeben. Michael Maurer nahm seinen Nachruf zum Anlass, um auf die „schier unerträgliche Heuchelei“ hinzuweisen, die angesichts der offiziellen Verlautbarungen von Politikern und Medien zu der Naturkatastophe in Asien zu Tage trete: „Wer trauert um hingemordete Kinderseelen - Seelen zehnjähriger, zur Prostitution gezwungener Mädchen, um die von Sklavenarbeit für Konzerne zerstörten Seelen ganzer Familien und Generationen? Um die Seelen der in Verelendung Lebender? Milliarden Menschenleben auf dem Altar der Rentabilität und Gewinnmaximierung geopfert. - Gemordet -!“

Maritta Böttcher (PDS) erklärte in ihrem Nachruf Punkt für Punkt die Agenda 2010 noch einmal als das, was sie ihrer Meinung nach sei: „Keine Rettung oder Sicherung der Sozialsysteme, sondern Rettung und Sicherung der Profit-Systeme.“ Abschließend machte sie den Trauergästen Mut nicht nachzulassen und die Demonstrationen weiterzuführen und am 03.01.2005 um 08:00 Uhr vor dem Arbeitsamt in Luckenwalde zu erscheinen.

Anton Gorisek bat die Trauernden noch ein wenig bei einer Trauerminute inne zu halten und unter den Klängen des „Marche funèbre“ von Frédéric Chopin fand das Begräbnis ein nachdenkliches Ende.

Quellen