Barak: „Krieg bis zum bitteren Ende“ – Israelische Luftwaffe bombardierte weiter Ziele im Gazastreifen

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Veröffentlicht: 18:28, 29. Dez. 2008 (CET)
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Ehud Barak

Tel Aviv (Israel), 29.12.2008 – Der israelische Verteidigungsminister und Vorsitzende der Arbeitspartei, Ehud Barak, schloss heute Verhandlungen mit der Hamas aus und kündigte vor einem Ausschuss des israelischen Parlaments einen „Krieg bis zum bitteren Ende“ an. Unterdessen setzte die israelische Luftwaffe heute ihre Angriffe auf Ziele im Gazastreifen mit unverminderter Härte fort. Die seit Samstag andauernden Luftangriffe forderten bisher mehr als 320 Todesopfer. Die Angaben zur Zahl der Verletzten schwanken zwischen 800 und 1.000.

Die israelischen Kampfflugzeuge flogen heute früh, kurz nach Mitternacht, Angriffe auf das Innenministerium der Hamas und ein Laborgebäude der Islamischen Universität, in dem nach israelischen Angaben Sprengstoffe und Waffen entwickelt werden. Außerdem wurde ein Gästehaus der Hamas neben der Privatwohnung des Hamasführers Ismail Haniyya bombardiert. Am Sonntag waren mehr als 100 Ziele im Gazastreifen angegriffen worden, darunter 40 Geheimtunnel unter der Grenze vom Gazastreifen nach Ägypten, über die die Hamas von ägyptischer Seite mit Waffen versorgt wird.

Vor einem Parlamentsausschuss betonte der israelische Verteidigungsminister Barak: „Wir haben nichts gegen die Bewohner des Gaza-Streifens, aber wir führen einen gnadenlosen Krieg gegen die Hamas und ihre Verbündeten.“ Medienberichten zufolge sind die Äußerungen Baraks auch vor dem Hintergrund des Wahlkampfes in Israel zu interpretieren. Baraks Arbeitspartei steht laut Umfragen in der Gunst der Wähler auf verlorenem Posten. Als Verteidigungsminister und oberster Soldat Israels könnte Barak durch das jetzt verbreitete Image als „schlagkräftiger Anführer“ (Süddeutsche Zeitung) in der Wählergunst punkten.

Hamasführer drohten inzwischen mit Attentaten auf israelische Führungspersönlichkeiten, insbesondere die israelische Außenministerin Livni sowie Verteidigungsminister Barak wurden genannt. Außerdem wurden „Führer innerhalb der arabischen Welt, die gegen uns konspirierten“, bedroht, was laut Haaretz insbesondere als Drohung gegenüber der ägyptischen Führung und ihrem Präsidenten Mubarak aufgefasst werden könnte.

Die israelischen Luftangriffe konnten die Hamas bisher nicht daran hindern, israelische Siedlungen weiterhin mit Raketen zu beschießen. In der im Süden Israels gelegenen Stadt Askalon ging am Montag eine „Grad“-Rakete in einer Baustelle nieder und tötete dabei den 27-jährigen Bauarbeiter Hani al Mahdi aus dem Beduinendorf Aroer und verletzte weitere 14 Menschen. Nach Angaben der israelischen Zeitung Haaretz wurden am heutigen Montagmorgen bereits über 50 Raketen auf israelisches Gebiet geschossen. Davon trafen neun die Stadt Askalon, fünf detonierten in Sderot, vier weitere trafen verschiedene Orte in der westlichen Negev-Wüste. Am vergangenen Sonntag gingen in dieser Region mindestens 40 Raketen, vorwiegend vom Typ Katjuscha, nieder – zwei davon in einer Entfernung von 35 beziehungsweise 37 Kilometern vom Gazastreifen entfernt; laut Haaretz ist dies die größte Entfernung, die eine vom Gazastreifen abgeschossene Rakete bisher erreicht hat. Die maximale Reichweite dieser modernisierten Version palästinensischer Katjuscha-Raketen wird auf 40 Kilometer geschätzt.

Am Montag erklärte Israel das Grenzgebiet zum Gazastreifen in einer Breite von zwei bis vier Kilometern zum militärischen Sperrgebiet. Beobachter sehen darin einen weiteren Hinweis auf eine möglicherweise bevorstehende Bodenoffensive der israelischen Armee. Experten rechnen jedoch weiterhin nicht mit einer unmittelbar bevorstehenden Bodenoffensive.

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Quellen