Widersprüchliche Berichte über die Reise und den Aufenthalt von Kim Jong Il

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Artikelstatus: Fertig 07:06, 13. Jan. 2006 (CET)
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Pjöngjang (Nordkorea), 13.01.2006 – Seit Dienstag, den 10. Januar gibt es widersprüchliche Berichte über eine Reise von Kim Jong Il, dem Staatschef von Nordkorea.

Zunächst berichtete die Agentur Itar-Tass am frühen Morgen des 10. Januar, dass Kim Jong Il am gleichen Tage mit dem Zug über die Grenze zwischen Nordkorea und China gefahren sei. Als Quellen wurden Kreise des südkoreanischen Geheimdienstes und nicht näher spezifizierte Informationen aus China genannt. Das Ziel der Reise, so hieß es in dieser Meldung, sei unbekannt.

Am 11. Januar erschien darüber ein Bericht in der Washington Post, der sich auf eine Meldung von Reuters bezog, die die Meldung von Itar-Tass mit dem Hinweis ergänzte, dass der Zug auf dem Weg nach Russland sei. Bislang habe noch kein Treffen mit chinesischen Führern stattgefunden, aber möglicherweise geschehe dieses noch auf dem Rückweg von Russland. Der Washington Post sei es nicht gelungen, irgendwelche Bestätigungen für die Reise von nordkoreanischer oder offizieller chinesischer Seite einzuholen. Jedoch verfüge die Washington Post über eine Bestätigung für die Zugreise aus Dandong, der chinesischen Grenzstadt an der Grenze zu Nordkorea, nach der ein Zug unter Sicherheitsvorkehrungen die Grenze überquert habe.

Dieser Informationsstand floss offenbar in einen dpa-Bericht von Andreas Landwehr ein, der von der Online-Ausgabe von „Stern“ und anderen deutschen Medien übernommen wurde. Allerdings klang dies mit dem Titel „Nordkoreas Staatschef verschwunden“ fast schon so, als ob Kim Jong Il vermisst würde. Auch Wikinews informierte zunächst auf Basis dieser Meldungen.

Aber ebenfalls noch am 11. Januar erschien eine weitere Notiz von Itar-Tass, die auf Basis einer Meldung der südkoreanischen Yonhap-Agentur berichtete, dass Kim Jong Il nach Schanghai geflogen sei. Dies klang sehr ungewöhnlich, da Kim Jong Il bislang immer eine Flugangst nachgesagt worden war. Auch gab es Zweifel, weil gemäß dieser Meldung von Itar-Tass keine verschärften Sicherheitsvorkehrungen in Schanghai beobachtet worden seien.

Die aktuelle Meldung der Yonhap-Agentur bewog offenbar die Washington Post in Vorbereitung ihrer Ausgabe vom 12. Januar zu weiteren Nachforschungen. Entsprechend berichtete sie nun von einer dreitägigen Reise von Kim Jong Il in China und stellte fest, dass dies im Widerspruch zu den früheren Berichten stehe. Allerdings fügte die Washington Post hinzu, dass weiterhin Bestätigungen von offizieller Seite fehlten.

Somit scheint es bis zum aktuellen Zeitpunkt keine gesicherte Information über den Verbleib Kim Jong Ils zu geben. Die englischsprachige Zeitung „The Korea Herald“ verweist in ihrem Kommentar darauf, dass es solche Spekulationen und Widersprüche in der Vergangenheit mehrfach gegeben habe. Einer der hervorstechendsten Enten sei hier die Meldung einer führenden südkoreanischen Zeitung über den Tod von Kim Il-sung, dem Vater und Vorgänger von Kim Jong Il, im Jahr 1986 gewesen – acht Jahre vor seinem tatsächlichen Ableben.

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Quellen