Trotz Vermittlungsbemühungen weiter Kämpfe im Gazastreifen – Demonstrationen für und gegen den Krieg

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Veröffentlicht: 20:06, 11. Jan. 2009 (CET)
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Gaza-Stadt (Gazastreifen) / Tel Aviv (Israel), 11.01.2009 – Auch in der Nacht auf Sonntag, den 11. Januar 2009 hat es im Gazastreifen weitere Kämpfe und ein Vordringen der israelischen Bodentruppen gegeben. Deutlich wurde dies unter anderem an Live-Bildern, die der arabische Fernsehsender Al-Dschasira ausstrahlte.

Außerdem meldete sich ein Bewohner von Gaza-Stadt telefonisch und bestätigte die heftigen Kämpfe. Panzer und gepanzerte Fahrzeuge sind etwa einen Kilometer weit im Süden der Stadt vorgedrungen. In einem Stadtviertel nahe der Küste bekämpften sich beide Parteien heftig. Eine Journalistin des arabischen Fernsehsendern meldete am frühen Morgen Luftangriffe und Explosionen, die sie beobachtet hätte. Schüsse seien auch von der israelischen Marine abgegeben worden. Die Zahl der Opfer habe sich um weitere elf Menschen erhöht. Bislang wurden auf palästinensischer Seite seit dem 27. Dezember mehr als 820 Personen getötet. Auf israelischer Seite starben vier Zivilpersonen durch Qassamraketen und neun Soldaten in den Kämpfen.

Reichweite der Raketen, die aus dem Gaza-Streifen abgefeuert werden

Die israelischen Streitkräfte gaben unterdessen bekannt, dass in der dritten Phase der Operation Gegossenes Blei israelische Einheiten tiefer in den Gazastreifen eindringen sollen. Die israelische Luftwaffe warf Flugblätter ab, die eine Eskalation der Offensive ankündigten und die Bewohner des Gazastreifens aufforderte, sich von Hamas und seinen Mitgliedern fern zu halten.

Am Samstag, den 10.01.2009 – zwei Wochen nach Beginn der Offensive – wurden aus dem Gazastreifen mehr als 15 Qassamraketen auf Israel abgefeuert. Israelische Kampfflugzeuge flogen Angriffe, bei denen 15 Militante getötet sein sollen. Palästinensische Berichte, nach denen bei einem israelischen Angriff in Dschebalija neun Zivilisten getötet wurden, hat die israelische Armee dementiert, da in dem Gebiet zum fraglichen Zeitpunkt nicht gekämpft worden sei.

Der scheidende US-Präsident George W. Bush hat sich in die diplomatischen Bemühungen eingeschaltet. In Telefongesprächen mit dem derzeitigen EU-Ratspräsidenten Mirek Topolánek und dem türkischen Präsidenten Abdullah Gül machte Bush deutlich, dass die Beendigung des Raketenbeschusses durch die Hamas eine Bedingung für den Waffenstillstand seien, auch müsse humanitäre Hilfe möglich sein. Frank-Walter Steinmeier (SPD) begrüßte die UN-Resolution 1860 als „wichtiger Schritt auf dem Weg, die Waffen zum Schweigen zu bringen“.

Israel bezeichnete die Resolution als nicht durchführbar. Ein Sprecher von Hamas, Sami Abu Zuhri, erklärte im Nachrichtensender Al-Dschasira, dass die Resolution das Interesse der Palästinenser nicht berücksichtige. Hamas-Führer Chalid Maschal lehnte den EU-Vorschlag ab, dass innerhalb des Gazastreifens internationale Beobachter stationiert werden sollen. Ägypten lehnte inzwischen die Stationierung von Blauhelmen an seiner Grenze zum Gazastreifen ab.

Im Februar sollen in Israel Parlamentswahlen stattfinden. Der bisherige Kriegsverlauf lässt die Umfrageergebnisse für Außenministerin Tzipi Livni und Verteidigungsminister Ehud Barak steigen. Livni, die die Nachfolge von Ministerpräsident Ehud Olmert antreten will, gehört wie Barak zu den israelischen Politikern, die Territorium gegen Frieden eintauschen wollen.

Zehntausende demonstrierten in mehreren Staaten Europas gegen Israels Feldzug, so etwa in Berlin, Paris und London. Auch in der libanesischen Stadt Nabatije nahmen etwa 20.000 an einer von der Hisbollah organisierten Demonstration teil.

Etwas weniger Menschen beteiligten sich am heutigen Sonntag an Solidaritätskundgebungen für Israel. Demonstrationen gab es in London, Manchester, Berlin, Frankfurt am Main und München. Laut Polizei In versammelten sich in München und Frankfurt jeweils rund 1000 Menschen, in Berlin etwa 700. An einer Kundgebung am Londoner Trafalgar Square sollen nach Angaben der Veranstalter 20.000 menschen teilgenommen haben.

Auf Transparenten in London war unter anderem zu lesen „Stoppt den Hamas-Terror, Frieden für die Menschen in Israel und Gaza.“ Bei der Veranstaltung in München trat unter anderem die Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch als Rednerin auf. Sie verteidigte die israelische Offensive. „Die Regierung in Jerusalem habe sich nach jahrelangem Zögern endlich aufgerafft, ihre Bürger zu schützen und den terroristischen Beschuss aus dem Gazastreifen zu unterbinden. Ein Sturz der islamistischen Hamas liege auch im Interesse der überwiegenden Mehrheit der palästinensischen Zivilbevölkerung“, zitiert „tagesschau.de“ Charlotte Knobloch. Für diese Sichtweise hatte der Zentralrat Ende dieser Woche auch mit einer Anzeige in der Süddeutschen Zeitung geworben.

Die US-amerikanische Tageszeitung The New York Times berichtete, dass in dem auf engstem urbanen Raum geführten Krieg beide Seiten eine Reihe neuer Taktiken anwende. So postiere Hamas Zivilpersonen als menschliche Schutzschilde auf Dächern, um israelische Angriffe abzuhalten. Dagegen gehe die israelische Luftwaffe mit Raketen vor, die nicht explodieren, sondern die Bewohner der Häuser durch ihren Einschlag erschrecken sollen, sodass sie ihre Häuser verlassen.

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Quellen