Siemens-Affäre: Ex-Vorstand Thomas Ganswindt in Haft

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Artikelstatus: Fertig 21:29, 13. Dez. 2006 (CET)
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München (Deutschland), 13.12.2006 – Die Siemensaffäre um Schmiergelder, Bestechung und schwarze Kassen geht weiter. Gestern wurde der ehemalige Siemens-Vorstand Thomas Ganswindt verhaftet. Die Polizei geht bei dem ehemaligen Manager von Fluchtgefahr aus. Laut „Welt“ soll er sich in der Justizvollzugsanstalt Landsberg befinden. Damit bewegen sich die Ermittlungen weiter in die Nähe des TOP-Managements von Siemens.

Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Klaus Kleinfeld, stellt sich ebenso wie andere Manager der Führungsetage bereits auf einen Prozess ein. Kleinfeld engagierte den Strafrechtler Klaus Volk, der auch den Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, im Mannesmann-Prozess vertreten hatte, als seinen juristischen Beistand. Der Siemens-Aufsichtsratsvorsitzende, Heinrich von Pierer, hat ebenfalls einen Rechtsanwalt aus dem Mannesmann-Prozess mit der Vertretung seiner Interessen beauftragt: den Anwalt Sven Thomas, der den ehemaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser verteidigt hatte.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München gehen von dem Verdacht aus, eine Gruppe von Siemensangestellten habe 200 Millionen Euro veruntreut und damit schwarze Kassen gefüllt, die dazu dienen sollten, durch Schmiergeldzahlungen Aufträge zu beschaffen. Insgesamt geht es um Zahlungen von 420 Millionen Euro in einem Zeitraum von sieben Jahren, die genauer untersucht werden.

Durch den Stand der Ermittlungen gerät Aufsichtsratschef von Pierer ebenfalls unter Druck. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) forderte am Mittwoch den Rücktritt von Pierers, weil er zur Zeit der untersuchten Vorfälle die Geschicke des Konzerns in der Funktion des Vorstandsvorsitzenden führte. Aufgrund dieser Funktion stehe er einer umfassenden Aufklärung der Schmiergeldaffäre im Wege.

Trotz dieser Nachrichten blieb der Aktienkurs des Konzerns heute stabil. Kapitalanleger und Analysten nähmen die Vorwürfe relativ unaufgeregt zur Kenntnis, erläuterte das Handelsblatt die Situation auf dem Börsenparkett. Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck sagte dazu: „Solche Zahlungen hat es auch in vielen anderen Unternehmen gegeben. Man muss das nicht verniedlichen – aber das ist kein Bilanzskandal oder ähnliches, der das Geschäft von Siemens nachhaltig beeinflussen würde.“

Hansjörg Elshorst, Vorstandsvorsitzender von Transparency International, äußerte sich in einem Interview mit dem Deutschlandfunk zu dem Vorfall. Elshorst wies darauf hin, dass Siemens bei der Organisation Mitglied sei. Jedoch ruhe die Mitgliedschaft der Siemens AG gegenwärtig bei Transparency wegen eines anderen Korruptionsskandals.

Zu dem gegenwärtigen Korruptionsskandal führte Elshorst aus, dass ein System von Schmiergeldzahlungen „Ende der 90er Jahre in der gesamten Wirtschaft üblich“ gewesen sei. Er hält es jedoch für möglich, dass der damalige Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer über diese Praxis nicht informiert worden war. Auch diese mögliche Uninformiertheit habe möglicherweise Methode, so Elshorst weiter: „Das ist im Übrigen auch in anderen Firmen üblich, dass die nach außen agierende Spitze keine Ahnung hat, was läuft, und auf diese Weise umso überzeugender nach außen wirkt.“

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Quellen