Prozess gegen Charles Taylor beginnt in Den Haag

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Artikelstatus: Fertig 21:44, 4. Jun. 2007 (CEST)
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Den Haag (Niederlande), 04.06.2007 – Vor dem Sondergerichtshof in Den Haag beginnt der Prozess gegen den liberianischen Ex-Präsidenten und -Kriegsherrn Charles Taylor wegen Kriegsverbrechen im sierra-leonischen Bürgerkrieg. Es handelt sich um das erste Mal, dass sich ein ehemaliger afrikanischer Staatschef vor einem internationalen Gericht verantworten muss.

Diamantensuche in Sierra Leone; die Diamantenvorkommen spielten im Bürgerkrieg 1991–2002 eine wesentliche Rolle

Taylor war ab 1989 als Warlord im liberianischen Bürgerkrieg aktiv gewesen. Ab 1991 unterstützte er die Rebellen der Revolutionary United Front (RUF), die im benachbarten Sierra Leone einen Bürgerkrieg begannen und für die Ermordung, Vergewaltigung und vor allem das Abhacken von Gliedmaßen von Zivilisten berüchtigt wurden. Er soll für die RUF „Blutdiamanten“ verkauft und Waffen beschafft haben.

1997 wurde Charles Taylor zum Präsidenten Liberias gewählt, wobei seine Wahl vor allem aus der Furcht heraus resultierte, er würde im Falle einer Nichtwahl den Bürgerkrieg wieder beginnen. Ab 1999 nahmen Rebellenbewegungen in Liberia den bewaffneten Kampf gegen Taylor auf und verdrängten ihn 2003 nach Nigeria ins Exil. Zugleich wurde er vor dem UN-Sondergerichtshof für Sierra Leone – der nach Ende des Bürgerkrieges 2002 in Sierra Leone eingerichtet worden war – wegen seiner Beteiligung an dem Krieg angeklagt, und die 2006 gewählte Präsidentin Liberias Ellen Johnson-Sirleaf drängte bei der nigerianischen Regierung auf seine Auslieferung. Daraufhin versuchte Taylor zu flüchten, wurde aber kurz darauf im nigerianisch-kamerunischen Grenzgebiet gefasst und dem Sondergerichtshof überstellt. Aus Sicherheitsgründen wurde der Prozess nach Den Haag verlegt und findet nun in den dortigen Räumlichkeiten des Internationalen Strafgerichtshofs statt.

Die Anklage gegen Taylor umfasst elf Punkte, darunter Mord, sexuelle Sklaverei und Gewalt, Versklavung, Rekrutierung von Kindersoldaten und weitere Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Diese Akte soll er angeordnet, unterstützt oder mitbegangen haben. Taylor hat sämtliche Punkte abgestritten und dem Gericht zudem die Legitimation abgesprochen. Er weigerte sich, dem Prozess beizuwohnen, da er keinen fairen Prozess erwarte und zu wenige Verteidiger habe. Er könne, wie er sich in einem Brief äußerte, „nicht an dieser Scharade teilnehmen, die den Menschen von Liberia und Sierra Leone Unrecht tut“.

Der Prozess wurde in der sierra-leonischen Hauptstadt Freetown auf vier Großbildschirmen live übertragen. Er wird voraussichtlich 18 Monate dauern.

Falls Charles Taylor für schuldig befunden wird, wird er seine Strafe voraussichtlich in Großbritannien verbüßen.

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Quellen