Klima: Immer weniger Schnee in den Alpen

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Artikelstatus: Fertig 21:00, 8. Dez. 2006 (CET)
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Der Schlatenkees Gletscher im Jahr 2005

Wien (Österreich), 08.12.2006 – „Wir erleben gerade die wärmste Periode in den vergangenen 1.300 Jahren.“ Diese Bilanz zog der österreichische Klimatologe Reinhard Böhm vom ZAMG, der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik mit Sitz in Wien. Mit dem Wintertourismus in den Alpen in der gegenwärtigen Form werde es irgendwann vorbei sein. Einschränkend fügt Böhm hinzu: „Es wird auch weiterhin Schnee in den Bergen geben, auch die Gletscher werden nicht verschwinden – es wird nur von allem weniger da sein. Für die kommenden 20 Jahre braucht man aber gar nichts [zu] planen, da wird nämlich alles so bleiben, wie es ist.“

Die genannten Aussagen basieren auf einer der umfassendsten Klimastudien, die je durchgeführt wurden. Die Studie lief von März 2003 bis August 2006: 30 Wissenschaftler aus sieben europäischen Ländern werteten akribisch Aufzeichnungen von Klimadaten aus dem Großraum um die Alpen herum von Nürnberg bis nach Budapest und dem Rhône-Tal aus. Sie gingen in die Archive, untersuchten Baumringe und Eisbohrkerne und trugen die Daten über Gletscher zusammen. Ziel der Klimastudie „Alp-Imp“ war die Erforschung der Klimageschichte der Alpen im Detail.

So gelang es den Klimaforschern, die Jahresdurchschnittstemperaturen bis zum 8. Jahrhundert zurückzuverfolgen. Interessant ist insbesondere die jüngere Klimageschichte. Bis 1890 herrschte in Europa eine als „kleine Eiszeit“ bezeichnete Kälteperiode. Danach erwärmte sich das Klima im Wesentlichen durch nicht vom Menschen beeinflusste Faktoren bis etwa zum Jahr 1950. Die oft in diesem Zusammenhang bemühten Alpengletscher befinden sich bereits seit hundert Jahren auf dem Rückzug. Im Jahr 1850 hatten sie ihre größte Ausdehnung seit 8.200 Jahren erreicht. Alles, was sich in der Klimaentwicklung nach 1950 tat, ist nach Ansicht Böhmers auf menschliches Wirtschaften zurückzuführen. Zunächst führte die Verschmutzung der Atmosphäre in der Folge der Verbrennung fossiler Brennstoffe zu einer gewissen Abkühlung der Luft. Böhm: „Es konnten nicht mehr so viele Sonnenstrahlen auf die Erde gelangen, die Temperaturen purzelten.“ Seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts steigen die Temperaturen weltweit an. Ursache seien die von Menschen verursachten Emissionen von Treibhausgasen (Kohlendioxid, Methan und andere). Die Verminderung der Luftverschmutzung durch die geringeren Verschmutzungswerte der Atmosphäre beschleunigte diesen Prozess noch.

Böhm geht von insgesamt weiter steigenden Temperaturen in diesem Jahrhundert aus, auch von steigenden Wasserständen. Zur Panikmache bestehe jedoch kein Anlass. Von Prognosen, die ein Steigen der Meerespegel um mehrere Meter voraussagen, hält er nichts. „Absoluter Blödsinn. Steigen wird er aber auf jeden Fall – so um 40 bis 60 Zentimeter. Das ist mehr als genug.“

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Quellen