Kachelmann: Freispruch wasserdicht, berufliche Aussichten unklar

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Veröffentlicht: --08:27, 21. Okt. 2011 (CEST)
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Mannheim (Deutschland), 21.10.2011 – Seit zwei Wochen muss Jörg Kachelmann nicht mehr befürchten, wegen Vergewaltigung belangt zu werden. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Nebenklägerin zogen ihre Revision gegen den Freispruch vom Mai dieses Jahres zurück. Nach dem Studium der ausführlichen Urteilsbegründung befand die Mannheimer Anklagebehörde nun, dass sich dort keine Rechtsfehler fänden, die vor dem Bundesgerichtshof Erfolgsaussichten bieten würden, und spricht sogar von „nachvollziehbaren Argumenten“. Von Seiten der Nebenklägerin wurde keine Begründung bekannt.

Kachelmann in gesprächsbereiter Pose. Nur auf der Anklagebank blieb er stumm.

Kachelmanns berufliche Zukunft scheint derweil noch unbestimmt. Ein Comeback als Wetteransager bei der ARD scheint möglich, aber fraglich. Die Programmchefs der ARD hatten nach dem Urteil zunächst darauf verwiesen, dass dieses noch nicht rechtskräftig sei. Nachdem dies nun der Fall ist, kommen immer noch keine klaren Signale vom Sender. Allerdings läuft der Vertrag mit Kachelmanns Firma Meteomedia zum Jahresende aus und soll nächstes Jahr neu verhandelt werden. Bei der Entscheidung über die Personalie Kachelmann dürfte nicht nur die mögliche Publikumsakzeptanz eine Rolle spielen; bei den vergangenen Rundumschlägen von Kachelmannverteidiger Johann Schwenn gegen grosse Teile der Presse bekamen auch die Chefs des MDR ihr Fett weg. Dass sie von dem Starverteidiger einer Art Verschwörung gegen Kachelmann bezichtigt wurden, dürfte kein Indiz für ein zukünftig unproblematisches Verhältnis sein.

Kachelmann selbst hatte Ambitionen auf eine Rückkehr ins Fernsehen mehrfach widersprochen. So hatte er bereits vor seiner Verhaftung Anfang 2010 geäußert, keine Talksshow mehr leiten zu wollen und auf psychische Probleme verwiesen. Dennoch ist es fraglich, ob Kachelmann ein Angebot als TV-Wettermoderator ausschlagen würde. Der 53-Jährige meteorologische Autodidakt moderierte schon während der Verhandlung gegen ihn für einen Privatradiosender das Wetter. Seit seinem Freispruch betätigt er sich darüberhinaus im Internet als Wetterblogger. Mit regelmäßigen, freihändig aufgenommenen Videoclips demonstriert er dort via Youtube sein ungebrochen hohes Talent zur Livemoderation. Er erklärt dem geneigten Zuschauer dabei nicht nur wissenswerte Tatsachen, wie die dass Regentropfen ganz anders geformt sind als man so denkt, sondern wettert auch gegen unwissenschaftliche Theorien. Dabei scheut er sich auch nicht vor gewöhnungsbedürftigen Thesen, wie dass es sich bei den Anhängern sogenannter „Chemtrails“ überwiegend um Nazis handeln würde.

Seit kurzem kooperiert er zudem mit einem Solarhersteller, wobei er sich als Verfechter der Sonnenenergie gibt und auf Erderwärmung und Treibhauseffekt verweist.

Moralischen Beistand erhält Kachelmann unterdessen von einer ehemaligen Kollegin und Exfreundin. In der Gießener „Mitmach-Zeitung“ verteidigt sie Jörg Kachelmann durchgehend. Schon im Juli letzten Jahres hatte sie in einem Bildinterview erklärt, dass sie Gewalttätigkeiten bei Kachelmann ausschließe. Die 49-jährige Heike Nocker-Bayer ist selbst im Mediengeschäft zu Hause. Als ARD-Wetterfee war sie für Kachelmanns Firma tätig, auch bei der Ziehung der Lottozahlen war sie zu sehen. 2004 erhielt sie in Hessen für ihr Lokalprogramm eine der ersten digitalen TV-Lizenzen, scheiterte jedoch nach kurzer Zeit offenbar mangels reellem Konzept. Unter der Überschrift „Offener Brief an eine verrohende Medienwelt“ spart sie nicht mit eindrucksvollen Metaphern, um zu beschreiben, wie Kachelmann in seinem für Januar angekündigten Buch seine Gegner angehen wird. „Er wird mit der Machete das Netz der Falschaussagen zerschlagen und gnadenlos abrechnen“, ist sie sich sicher.

(itu)


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