Jahresbilanz 2008 von „Reporter ohne Grenzen“: Journalisten leben weiter gefährlich

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Veröffentlicht: 20:09, 30. Dez. 2008 (CET)
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Berlin (Deutschland), 30.12.2008 – 60 getötete Journalisten im Jahr 2008 – das Internet gerät stärker ins Visier der Gegner von Presse- und Meinungsfreiheit in aller Welt. Das sind zwei Kernaussagen des Jahresberichts 2008 der Journalisten-Hilfsorganisation und -interessenvertretung „Reporter ohne Grenzen“ (ROG). Im Laufe des Jahres 2008 wurden 673 Journalisten festgenommen, weitere 929 erlitten Gewalt und 29 waren Opfer von Entführungen. Das für Journalisten gefährlichste Land war wie schon in den letzten sechs Jahren der Irak mit 15 getöteten Journalisten. Es folgen die Länder Pakistan mit sieben und die Philippinen mit sechs getöteten Journalisten.

Als besonders schwierig erwies sich eine offene und kritische Berichterstattung für Mitarbeiter von Medien in Afrika, wo die Quote der Festnahme von Journalisten besonders hoch ist. 263 Journalisten wurden im ablaufenden Jahr in Afrika auf Veranlassung von staatlichen Behörden festgenommen. Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ weist darauf hin, dass die Berichterstattung aus besonders gefährlichen Regionen der Welt immer schwieriger werde und dass deshalb die Zahl der „weißen Flecken“ einer kritischen journalistischen Berichterstattung immer größer werde, weil viele Journalisten sich andere, weniger gefährliche Betätigungsfelder suchten oder ihr Land verließen.

Außerdem gerät das Internet immer stärker ins Visier der Zensurbehörden. In China wurde laut ROG erstmals ein Mann getötet, der sich als „Bürgerjournalist“ engagierte. Der Unternehmer Wei Wenhua wurde von regionalen Polizeibeamten erschlagen, als er am 7. Januar 2008 eine Demonstration filmte. Außer in China ist besonders auch in Syrien die Zensierung von Onlinemedien an der Tagesordnung. In Syrien wurden 162 Webseiten zensiert, in China waren es 93 Seiten. Den Unmut der Zensurbehörden rufen dabei besonders interaktive Medien hervor. Der ROG-Jahresbericht nennt „Twitter“ in Syrien oder „Facebook“ in Syrien, Tunesien, in der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Gefährlich leben auch Blogger, insbesondere in der arabischen Welt und in China. Weltweit sitzen 59 Blogger im Gefängnis. Besonders rigoros geht das von einer Militärclique regierte Myanmar gegen die Meinungsfreiheit im Internet vor. Laut ROG wurden der Blogger Zarganar zu 59 Jahren Haft und der Internetdissident Nay Phone Latt zu 20 Jahren Haft verurteilt. Auch der chinesische Menschenrechtsaktivist und Träger des „Sacharow-Preises für geistige Freiheit“ Hu Jia sitzt trotz einer schweren Erkrankung immer noch im Gefängnis (Wikinews berichtete).

Trotz gesunkener Zahlen getöteter Journalisten gegenüber dem Vorjahr gibt ROG keine Entwarnung. Die Situation sei weltweit – zum Teil auch in westlichen Demokratien – durch eine Zunahme von Repressalien gegen Journalisten und 353 dokumentierte Vorfälle von Pressezensur gekennzeichnet. Regierungen folgender Länder gehen mit Pressezensur gegen eine kritische Berichterstattung vor (in Klammern die jeweils von ROG genannte Fallzahlen von Zensur): China (132 Fälle von Zensur), Myanmar (85), Iran (27), Malaysia (25), Bolivien (20), Pakistan (19), Weißrussland (18), Russland (15), Brasilien (14), Türkei (13), Syrien (11), Ägypten (10), Mexiko (10), Venezuela (7), Guinea (5), Somalia (5), Sudan (4).

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Quellen