FIFA vergibt Fußball-Weltmeisterschaften nach Deutschland und Brasilien

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Veröffentlicht: 21:17, 30. Okt. 2007 (CET)
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Zürich (Schweiz), 30.10.2007 – Am heutigen Nachmittag hat die „Fédération Internationale de Football Association“, kurz FIFA, die Vergabe zweier Fußball-Weltmeisterschaften bekannt gegeben. Demnach wird Deutschland die Weltmeisterschaft der Frauen im Jahr 2011 austragen, Brasilien tritt als Gastgeber der Herren-WM im Jahr 2014 auf. Deutschland setzte sich gegen Kanada durch, Brasilien musste sich keinem Gegenkandidaten stellen. Brasilien hatte zuletzt im Jahr 1950 eine Weltmeisterschaft im Fußball ausgetragen, für Deutschland handelt es sich im Frauenfußball um eine Premiere.

Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011

Ausgangssituation

Zu Beginn hatten bis zum von der FIFA festgelegten Bewerbungstermin sechs Länder kandidiert. Dabei handelte es sich um die Schweiz, Frankreich, Peru, Australien, Kanada und Deutschland. Im Laufe des Jahres waren bis Mitte Oktober die ersten vier Länder aus dem Wettbewerb ausgestiegen.

Die Schweiz hatte ihre Aufgabe damit begründetet, dass mit Frankreich und Deutschland ein dritter europäischer Kandidat keine Chance habe. Zu Gunsten von Deutschland stieg später auch Frankreich aus, dafür soll Deutschland seinerseits das Nachbarland bei der Bewerbung zur Europameisterschaft der Frauen 2013 unterstützen. Zum Stichtag der Bekanntgabe waren damit nur noch Kanada und Deutschland im Rennen um die Vergabe.

Chancen von Deutschland im Vorfeld

FIFA-Chef Sepp Blatter

Im Vorfeld hatte Deutschland als Favorit gegolten. Dazu hatten mehrere Gründe beigetragen, als einer der wichtigsten galt die Tatsache, dass bereits 1999 und 2003 die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen auf nordamerikanischem Boden ausgetragen worden war, in Europa jedoch zuletzt 1995. Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball Verbands (DFB) nannte die Bewerbung von Kanada „sehr respektabel“ stellte aber gleichzeitig fest, dass „Europa dran ist.“

„Wenn sich Deutschland bewirbt und auch noch den 'Kaiser' [Franz Beckenbauer] - wie schon vor der Männer-WM - in der ganzen Welt herumschickt, würde ich sagen, dass sie in die Favoritenrolle gekommen sind“, sagte der FIFA-Chef Sepp Blatter bereits im September, als noch die Bewerbungen von vier Ländern vorlagen.

Ein weiterer Punkt, der für Deutschland als Austragungsort sprach, war die Möglichkeit, die Spiele in zwölf Stadien auszutragen. Ausgehend von den Zuschauerquoten der Fernsehübertragungen der dieses Jahr in China ausgetragenen Weltmeisterschaft kann in Deutschland zudem mit einer großen Resonanz von Seiten der Bevölkerung ausgegangen werden. Das Finale zwischen Brasilien und Deutschland brachte der berichtenden Sendeanstalt teilweise bis zu 50 Prozent an Marktanteil ein. Laut einer Umfrage würden sich 94 Prozent der sportlich Interessierten in Deutschland eine Weltmeisterschaft im eigenen Land wünschen.

Engagement Deutschlands

Bereits im Dezember 2005 hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Rede verkündet: „Weil der deutsche Frauenfußball immer mehr im Kommen ist, würde es ihm, wie ich meine, gut zu Gesicht stehen, wenn wir uns um die Austragung der Weltmeisterschaft 2011 bewerben würden. Ich sage jedenfalls: Sollte sich der DFB zu einer solchen Bewerbung entschließen, werde ich dieses Vorhaben gerne unterstützen.“

Ende Januar 2006 verkündete der „Deutscher Fußball-Bund“, kurz „DFB“, dann offiziell, dass man sich bewerben werde. Theo Zwanziger hatte dies auf einer Mittelstandsvereinigung der CDU bekannt gegeben. Ursprünglich wollte er „ein Konzept mit sechs bis acht Stadien vorlegen“, schlussendlich waren es dann zwölf. Insgesamt legte der DFB eine 1212 Seiten starke Bewerbungsmappe vor.

Bei der Vergabe am heutigen Dienstag wurde zudem Angela Merkel mit einer Videobotschaft live der Vergabe in Zürich zugeschaltet. Vor Ort waren zudem die Nationalspielerinnen Birgit Prinz und Fatmire Bajramaj. Wie bereits zur Fußball-Weltmeisterschaft der Herren im Jahr 2006 hatte sich auch Franz Beckenbauer wieder engagiert.

Fußball-Weltmeisterschaft der Herren 2014

Nach dem Rotationssystem der FIFA sollte die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft der Herren im Jahr 2014 in Südamerika stattfinden. Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe des Gewinners hatten bis auf Brasilien alle Kandidaten ihre Bewerbungen zurückgezogen, so dass bereits im Vorfeld klar war, wer von der FIFA bestimmt werden würde. Lediglich formale Hürdern hätten Brasilien noch die Rechte an der Austragung nehmen können.

„Für uns besteht kein Zweifel, dass Brasilien seinen Zusagen im Bewerbungsdossier nachkommen wird“, sagte Hugo Salcedo, Kopf einer Gruppe von Inspektoren, die Brasilien Ende August 2007 auf seine „WM-Tauglichkeit“ hin überprüft hatten. Im Bericht der FIFA-Beauftragten war aber gleichzeitig festgestellt worden, dass keines der Stadien ausreichend war, um den Ansprüchen des Verbandes zu genügen.

Weitere unsichere Punkte bildeten die angestrebte Finanzierung, die zu 90 Prozent aus privaten Geldern bestehen soll, eine zum jetzigen Zeitpunkt wesentlich zu niedrige Anzahl von Hotelbetten und die vom brasilianischen Fußballverband „Confederação Brasileira de Futebol“, kurz „CBF“ angesetzte Summe zur Aufrüstung und zum Neubau von Stadien. Diese liegt bei 765 Millionen Euro und sei „mit Vorsicht zu genießen“, da ähnliche Arbeiten zur WM 2006 in Deutschland in etwa das doppelte gekostet hätten, so die FIFA.

Die diesjährige Vergabe wird auch die letzte sein, die nach dem von der FIFA beschlossenen Rotationsprinzip ausgetragen wird, wie der Verband am Montag bekannt gab. Dieses war eingeführt worden, um eine gerechterere Verteilung der Turniere auf die einzelnen Kontinente zu gewährleisten. Demnach wäre nach der WM in Deutschland im vergangenen Jahr frühestens 2030 mit einer erneuten Weltmeisterschaft auf europäischem Boden zu rechnen gewesen.

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Quellen

Frauen-WM

Herren-WM

Sonstige