Castortransport rollte durch Deutschland – 16.000 Polizisten im Einsatz

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Artikelstatus: Fertig 21:19, 12. Nov. 2006 (CET)
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Fulda / Oftersheim / Dannenberg (Elbe) / Gorleben (Deutschland), 12.11.2006 – Seit dem 11. November ist der zehnte Castortransport mit hochradioaktivem Atommüll unterwegs – von der Wiederaufbereitungsanlage La Hague zum Zwischenlager nach Gorleben im niedersächsischen Wendland. Gestern um 16:40 Uhr überquerte der Transport die deutsch-französische Grenze und kam heute Nachmittag im niedersächsischen Verladebahnhof Dannenberg an. Rund 16.000 Polizisten schützen den Atommülltransport vor Behinderungen durch Atomkraftgegner, die schwerpunktmäßig im Wendland Protestaktionen angekündigt haben.

Castortransport rollte durch Deutschland – 16.000 Polizisten im Einsatz auf der Karte von Deutschland
Castortransport rollte durch Deutschland – 16.000 Polizisten im Einsatz
Lage von Oftersheim

Informationen von Atomkraftgegnern zufolge kam es in Baden-Württemberg zu Behinderungen des Castorzuges. In der Nähe von Oftersheim (kurz vor der hessischen Landesgrenze) wurde der Zug gestern gegen 20:20 Uhr durch Anti-Atom-Aktivisten für etwa eine Stunde aufgehalten. Sie wurden von der Polizei kurzzeitig in Gewahrsam genommen.

Die zwölf Castoren passierten in der Nacht den Bahnhof Fulda ohne Verzögerung. Um 21:45 Uhr gestern Abend war der Zug in Südhessen eingetroffen. Ab 22:38 Uhr musste der Zug bei Darmstadt-Kranichstein nach Angaben von Atomkraftgegnern für 25 Minuten anhalten, weil sich zwei Personen auf den Gleisanlagen aufhielten. Die Polizei hegte den Verdacht, dass die beiden Personen eine Gleisblockade vorbereiten wollten. Es handelte sich um zwei Männer im Alter von 51 und 52 Jahren. Sie wurden von der Polizei festgenommen, inzwischen aber wieder freigelassen. Um 3:45 Uhr traf der Zug in Nordrhein-Westfalen ein.

Castortransport rollte durch Deutschland – 16.000 Polizisten im Einsatz auf der Karte von Deutschland
Castortransport rollte durch Deutschland – 16.000 Polizisten im Einsatz
Gorleben im Wendland

Seit dem Morgen war der Castortransport auf dem Weg durch Niedersachsen. Sein Ziel, den Verladebahnhof Dannenberg, wo die Castoren mit dem radioaktiven Müll auf Tieflader umgeladen werden sollen, erreichte er heute gegen 15:30 Uhr. Das Zwischenlager Gorleben ist von hier aus noch etwa 20 Kilometer entfernt. Am Sonntagmittag begannen Castorgegner mit der Blockade der Verbindungsstraße zwischen dem Verladebahnhof Dannenberg und dem Zwischenlager Gorleben. Nach Angaben der Initiative „X-tausendmal quer“ beteiligten sich daran rund 1.000 Menschen. Um 10:09 Uhr war der Transport bei der niedersächsischen Stadt Lüneburg gesichtet worden. Bei Harlingen (in der Nähe von Hitzacker) wurde der Transport durch etwa 100 Anti-Atomkraft-Aktivisten blockiert. (Laut dieneueepoche.com waren hieran 200 Demonstranten beteiligt.) Die Aktion, die von den Demonstranten als „Stuhlprobe“ deklariert und polizeilich angemeldet war, fand in der Nähe des Verladekrans am Bahnhof Dannenberg statt. Die Polizei löste die Sitzblockade jedoch inzwischen wieder auf. Auf dem Weg nach Dannenberg war der Castortransport zeitweilig zum Halten gezwungen worden. In der Nähe von Leitstade, zehn Kilometer von Dannenberg entfernt, hatten sich Aktivisten von ROBIN WOOD an Seilen zwischen zwei Bäumen in einer Höhe von zehn Metern angekettet. Die zwei Mitglieder von Robin Wood sowie zwei weitere Helfer wurden von der Polizei festgenommen.

Der Straßentransport des Atommülls vom Verladebahnhof Dannenberg nach Gorleben wird erst am Montagmorgen stattfinden.

Castortransporte zum atomaren Zwischenlager in Gorleben finden bereits seit 1995 statt. Jedesmal mussten tausende Polizisten aufgeboten werden, um den Widerstand von Atomkraftgegnern zu brechen, die versuchten, durch Sitzblockaden und andere Aktionen den Transport des hochradioaktiven Atommülls nach Gorleben zu verhindern. Die vorhergehenden Castortransporte fanden in den Jahren 1995, 1996, 1997, 2001 (zwei Transporte), 2003, 2004 und 2005 statt. Gegenwärtig sollen im Zwischenlager Gorleben bereits 68 Castorbehälter lagern.

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Quellen