Bildungsreport Deutschland - Ergebnisse beunruhigen die Politiker

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Veröffentlicht: 06:41, 27. Okt. 2017 (CEST)
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Sind Hochschulen in Deutschland - hier der Eingangsbereich der Universität Bremen - nicht attraktiv für Weiterbildungswillige?

Berlin (Deutschland), 27.10.2017 – Gegenwärtig laufen in Berlin die Verhandlungen zur Aufstellung einer neuen Regierungskoalition. Zugleich müssen sich die 16 Bundesländer mit den zum Teil niederschmetternden Ergebnissen der aktuellen Studien zur Situation der Bildung in Deutschland auseinandersetzen. Bildung ist in Deutschland Ländersache - aufgrund einer Bestimmung im Grundgesetz kann die Bundesregierung hier nicht eingreifen.

So stellt der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V. fest, dass nur ein sehr geringer Teil aller Studierenden in Deutschland an weiterbildenden Bachelor- und Masterstudiengängen teilnimmt, nämlich 3,8 Prozent. Dies stehe im Widerspruch zum Angebot: „Rund 80 Prozent der Hochschulen haben entsprechende Angebote. Viele dieser Angebote sind flexibel und parallel zu einer Berufstätigkeit zu absolvieren. Das Fächerspektrum ist groß. Hochschulen orientieren sich hier häufig an ihrem wirtschaftlichen Umfeld oder an der konkreten Nachfrage von Unternehmen und Studieninteressierten.“ Die Mehrheit der Berufstätigen nutzt dieses Angebot nicht. Damit verzichten die Hochschulen auf mögliche Einnahmen. 2015 hatten rund vier Millionen Erwerbstätige mit Hochschulabschluss an Weiterbildungsmaßnahmen teilgenommen, die Kosten beliefen sich auf durchschnittlich 2000 Euro pro Person. Eine Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen bietet seit 2005/2006 mit einem Wettbewerb flächendeckend die Möglichkeit einer zusätzlichen finanziellen Unterstützung. Am 27. und 28. September 2017 hatte das Expertengremium 88 Antragsskizzen für Exzellenzcluster ausgewählt, aber erst ein Jahr später soll entschieden werden, welche Universitäten und Hochschulen mit insgesamt jährlich rund 385 Millionen Euro gefördert werden sollen. Universitäten und Hochschulen in Deutschland brauchen also einen langen Atem dabei.

Es gab in Deutschland immer wieder Versuche, die Schulbildung zu verbessern: Ein Beispiel war der Schulkindergarten - hier ein früheres Gebäude in Berlin-Wedding

Im Bereich der allgemeinbildenden Schulen sieht die Lage anders aus. Hier gibt es keine unmittelbare Unterstützung vom Bund. Stadtstaaten wie Bremen und Berlin sind oft Schlusslicht in verschiedenen Bereichen. Für Aufsehen sorgte der krasse Gegensatz in Berlin, das laut dem INSM-Bildungsmonitor „in der Forschung Spitze“ ist, aber ansonsten in der deutschen Bildungslandschaft das Schlusslicht darstellt. Als Ursache wird teilweise der hohe Anteil von Schulkindern aus Migrantenfamilien gesehen. Diesen Umstand versuchen einige Studien zu berücksichtigen, indem der Geburtsort der Eltern in der Statistik erfasst wird: So gilt ein Kind nicht als Migrant, wenn beide Eltern in Deutschland geboren sind. Auffällig ist in Berlin das hohe Durchschnittsalter in allen Bildungsgängen: Erst mit durchschnittlich 27,6 Jahren machen Menschen dort ihren ersten Abschluss in einem Ausbildungsberuf. In Bremen wiederholen überdurchschnittlich viele Kinder in der Grundschule ein Jahr - dennoch erreichen viele nicht die geforderten Mindeststandards. Bereits in früheren Jahren hatte Bremen in vielen Bildungsstudien auf dem letzten Platz gelegen. Ob die Abschaffung der Zeugnisnoten in Bremen hier eine Rolle spielt, wird nicht nur in Fachkreisen diskutiert. Spätestens beim Schulabschluss müssen solche Noten erstellt werden - Bremen hält offenbar immer noch an der Ideologie aus der Reformpädagogik fest, man möge doch die Kinder möglichst lange damit verschonen. Anfang dieses Jahres sprach sich dort sogar eine „Bildungsexpertin“ - genau genommen die Vorsitzende der GEW - für die gänzliche Abschaffung der Schulnoten aus. Inzwischen werden solche Forderungen auch in maßgeblichen Kreisen von Bündnis 90/Die Grünen für unsinnig gehalten. Ministerpräsident Kretschmann hatte sich in dieser Frage bereits öffentlich positioniert.


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Quellen[Bearbeiten]