Bayern: Umweltminister Söder will Kernkraftwerk Isar I abschalten

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Veröffentlicht: 21:47, 14. Mär. 2011 (CET)
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KKW Isar I

München / Landshut (Deutschland), 14.03.2011 – Der bayerische Umweltminister Markus Söder will das Kernkraftwerk Isar I bei Landshut vom Netz nehmen. Dem Vorschlag des Umweltministers folgte die CSU heute auf einer Präsidiumssitzung.

Gegenüber dem Münchner Merkur erklärte der CSU-Politiker: „Wenn die Laufzeitverlängerung ausgesetzt wird, muss Isar 1 in diesem Jahr vom Netz. Ich glaube, es sollte dann abgeschaltet bleiben, weil nach Einschätzung von Experten eine bautechnische Nachrüstung gegen den Absturz eines Verkehrsflugzeugs kaum möglich ist.“ Als möglichen Zeitpunkt für die Abschaltung des Reaktors nannte Söder den Monat Mai, wenn die Bundesregierung bis dahin die nötigen gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen habe.

Wie es zu dieser für viele überraschenden Wendung des CSU-Politikers in der Einschätzung in dieser Frage gekommen ist, erklärte der Söder gegenüber der Süddeutschen Zeitung: „Japan verändert alles. Auch bei mir. Daher ist es ist in Ordnung, wenn man die eigenen Positionen hinterfragt.“

Darüber hinaus forderte der Minister „eine grundlegende Debatte über alle Risiken und Schutzmechanismen“ (zitiert laut Süddeutsche Zeitung).

Isar 1 ist einer der ältesten Atommeiler in Deutschland. An ihm entzündete sich besonders oft die Kritik von Atomkraftgegnern. Die Anlage ist seit 1979 in Betrieb. Es handelt sich um einen Siedewasserreaktor der Baulinie 69. Nach allgemeiner Auffassung erfüllt die Anlage nicht mehr die Sicherheitsstandards, die nach dem heutigen Stand der Technik möglich sind. In einem Gutachten stellte der österreichische Sicherheits- und Risikoforscher Wolfgang Kromp fest: „Das Design des Reaktordruckbehälters erfüllt nicht die Grundbedingungen der Basissicherheit.“ Mit einer Dicke der Außenwände der Reaktorkuppel zwischen 35 Zentimetern und 1,20 Meter wäre die Anlage ein leichtes Ziel eines terroristischen Angriffs, dem sie wahrscheinlich nicht standhalten könnte, wenn zum Beispiel ein Flugzeug gezielt gegen den Meiler gesteuert würde. Aber auch ohne ein solches Terrorszenario besteht ein Risiko durch die unmittelbare Nähe von Flugplätzen. Der Münchner Flughafen ist nur 50 Kilometer entfernt. Täglich passieren rund 120 Flugzeuge das Kernkraftwerk in einem Abstand von weniger als einem Kilometer. Weitere bautechnische Mängel kommen hinzu. So ist nur ein Kühlkreislauf vorhanden. Als Geburtsfehler des Baus gelten weiterhin die vielen Rissbildungen im Beton des Reaktorgebäudes, die nicht abgestellt werden konnten.

Die Liste der Störfälle des Reaktors ist lang. Das Bundesumweltministerium listet zwischen 1993 und 2008 insgesamt 44 sicherheitsrelevante Defekte in dem Kernkraftwerk Isar 1 auf. Zuletzt musste Isar 1 Anfang Februar 2010 heruntergefahren werden. Nach Angaben des Betreibers E.ON war es zu einem Leck an einem Brennelement gekommen. Nach dem Atomkompromiss der rot-grünen Bundesregierung sollte der Reaktor bereits 2011 vom Netz gehen.

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Quellen