Wikinews:Ethik/Soziale Kompetenz

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Anlässlich des Wochenthemas „Soziale Kompetenz“ erschien der folgende Artikel: „Soziale Kompetenz wird bei Personalentscheidungen immer wichtiger“ (07.06.2006). Die dort enthaltenen Bezüge zu diesem Thema („Die sieben Dimensionen der Sozialkompetenz“ nach Ruben) brachte einige Benutzer auf die Idee, die hier angesprochenen Merkmale auf das Projekt Wikinews selbst zu beziehen. Eingeflossen sind dabei verschiedene Erfahrungen bei der Arbeit an diesem Projekt. Hier einige Ideen dazu. Jeder ist eingeladen, weitere Ideen einzubringen, zu korrigieren und so weiter, wie es hier eben üblich ist.

  1. Respekthaltung (Wertschätzung empfinden und ausdrücken können): Jeder Wikinews-Benutzer verdient zunächst einmal (sozusagen als Vertrauensvorschuss) unseren Respekt als Mensch mit eigenen Erfahrungen und persönlichen Werten. Unabhängig davon, wie viel jemand zu dem Wikinews-Projekt beiträgt, zählen zunächst einmal seine Argumente. Ein weiterer Aspekt ist in diesem Zusammenhang: Jeder Benutzer bringt sich hier entsprechend seinen zeitlichen Möglichkeiten, seinen Fähigkeiten und Vorlieben entsprechend ein. Dies respektieren wir. Jeden Beitrag, den ein Benutzer hier leistet, schätzen wir - soweit möglich - als einen Beitrag zu einer gemeinsamen Sache. Beurteilungskriterium ist dabei allein: Bringt dieser Beitrag das Projekt voran oder nicht? Positive Beiträge würdigen wir im Sinne eines Feedbacks, wenn wir innerlich und inhaltlich dazu stehen können. Beiträge, die auf einem fehlenden oder falschen Verständnis von Wikinews beruhen, weisen wir höflich und in nicht verletzender Weise zurück.
  2. Interaktionshaltung (darunter wird die Fähigkeit verstanden, auf andere Personen in nicht-bewertender, sondern deskriptiver Weise einzugehen): In Artikeldiskussionen und besonders bei Äußerungen auf den Benutzerdiskussionsseiten bleibe ich sachlich und enthalte mich herablassender und oberlehrerhafter Kommentare, sondern weise sachlich auf die Konsequenzen eines möglicherweise nicht regelkonformen Verhaltens hin. Kann ich in einer Situation nicht sachlich reagieren, halte ich mich zurück und sage erst einmal vielleicht gar nichts, gehe offline usw.
  3. die kritische Selbsteinschätzung des eigenen Wissens als auf anderen Erfahrungen beruhendes Wissen: Jedes erworbene Wissen sowie erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten beruhen auf bestimmten Lebens- und Berufserfahrungen. Darüber hinaus in Bezug auf dieses Projekt auf bestimmten Erfahrungen, die man hier in der Arbeit gesammelt hat. Andere haben andere Erfahrungen. Ihr Wissen und ihre Kenntnisse sind anders strukturiert. Deshalb kann mein Gegenüber vielleicht nicht verstehen, warum ich die Dinge anders sehe. Diese Unterschiedlichkeit ist immer in Rechnung zu stellen. Durch Nachfragen versuche ich, den Standpunkt des anderen kennen zu lernen und die Gründe für seine Argumentation zunächst einmal nachzuvollziehen, bevor ich mich damit auseinandersetze. Einfache Nachfragen der Art: „Du meinst also …“ können Missverständnisse vermeiden helfen.
  4. Empathie (die Welt mit den Augen des Anderen sehen können; „Einfühlungsvermögen“): Mit dem letzten Punkt ist bereits das Stichwort Empathie angeschnitten. Ich versetze mich zunächst einmal in die Position des Anderen und versuche seinen Standpunkt nachzuvollziehen, erst dann reagiere ich entsprechend den eigenen Vorstellungen – immer in dem Wissen, dass jede Sicht der Dinge bestimmte Einseitigkeiten einschließt und die andere Position auch eine gewisse Berechtigung haben könnte.
  5. Rollenflexibilität: Wenn ich angesprochen werde, überlege ich zunächst in welcher Rolle ich hier angesprochen werde. Da gibt es verschiedene Rollen: als Neuling, als erfahrener Benutzer, als Administrator, als Experte auf einem bestimmten Gebiet, einfach als jemand, um dessen Meinung gefragt wird usw. Entsprechend reagiere ich.
  6. Interaktionsmanagement (umfasst die Fähigkeit, auf der Grundlage einer realitätsgerechten Einschätzung von Fähigkeiten und Interessen des Kommunikationspartners zu interagieren und zu kommunizieren): Dieser Punkt hängt wiederum vom vorangegangenen Punkt ab. Ich stelle mir Fragen wie: Überfordere ich meinen Gesprächspartner oder spiele ich mich als Oberlehrer auf? Ich versuche mich in meinen Äußerungen so auszudrücken, dass ich innerhalb der gleichen Ebene bleibe, auf der ich angesprochen wurde. Beispiel: Mit Ironie halte ich mich zurück, wenn ich nicht davon ausgehen kann, dass der Diskussionspartner diese Ironie auch nachvollziehen kann.
  7. Ambiguitätstoleranz ( etwas verkürzt: sich an neue oft unsichere Bedingungen anpassen können): Wir müssen davon ausgehen, dass dieser Punkt leicht überfordern kann. Insbesondere wenn es darum geht, neue Regelungen nachzuvollziehen und anwenden zu können. In diesem Projekt überfordern wir systematisch einen gewissen Prozentsatz der Benutzer mit unserem „Verbesserungswahn“. Vieles was wir für sinnvoll halten (und es meistens auch ist), ist für neue Benutzer nicht immer leicht nachzuvollziehen. Darauf sollten wir Rücksicht nehmen und eine gewisse Toleranz und, noch besser: Hilfsbereitschaft an den Tag legen, wenn wir zu den erfahreneren Benutzern gehören.

Als Bestandteile der Sozialkompetenz werden weiterhin gerechnet:

  • „Teamkompetenz“: Wir sind ein Team, das erfordert Absprachen. Das Team trägt das Projekt, das Team schreibt die Artikel, das Team einigt sich auf Verfahrensweisen und Regeln, das Team kümmert sich um die Einhaltung der erarbeiteten Grundsätze. In einem Wiki ist jeder Einzelne in besonderer Weise in diesem Bereich gefordert. Die geschriebenen Artikel gehören nicht dem einzelnen Benutzer, sondern gehen nach der Speicherung in das gemeinsame Eigentum des Projekts entsprechend den vereinbarten Lizenzen über. Das erfordert Zurückhaltung, schafft aber auch Zusammenhalt und gibt mir als Benutzer Unterstützung bei Aufgaben, die mich allein überfordern. Wir vermeiden daher alles, was den Teamgedanken schwächt. Was nicht im Team geht (nicht durchsetzbar ist), geht gar nicht.
  • „Konfliktlösungsfähigkeit“: Treten Konflikte auf, vertrete ich meinen Standpunkt klar und deutlich. Gleichzeitig respektiere ich die andere Meinung und versuche Kompromissmöglichkeiten auszuloten. Ich verhalte mich dabei weder wie die berühmte „beleidigte Leberwurst“ noch wie der „Rächer der Enterbten“, wenn es mal nicht nach meiner Nase geht. Ich bin bereit, auf andere zuzugehen, wobei ich natürlich immer zwei Kriterien im Kopf behalte: Erstens, was nützt dem Projekt? Zweitens, wie kann ich das Team als Ganzes stärken? Das schließt die Frage ein: Wozu ist das Team schon bereit und wo muss ich mich noch in Geduld üben, beispielsweise wenn ich Neuerungen voranbringen will.
  • „Kooperationsbereitschaft“: Werde ich um Hilfe gebeten, helfe ich, so gut ich kann. Ich gebe es offen zu, wenn ich vielleicht nicht helfen kann. Bei Themen, die das Projekt als Ganzes betreffen, bringe ich mich entsprechend meinen Möglichkeiten ein. Nicht nur, wenn ich mich mit einer Aufgabe überfordert fühle, gehe ich auf andere zu und suche die Zusammenarbeit.