Viele Tote durch Erdrutsche auf den Philippinen

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Veröffentlicht: 11:22, 12. Okt. 2009 (CEST)
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Das Satellitenbild zeigt links Taifun „Parma“ und rechts Taifun „Melor“. Am unteren Bildrand ist im wolkenfreien Bereich ein Teil der Insel Luzon sichtbar.
Foto: NASA

Manila (Philippinen), 12.10.2009 – Auch zwei Wochen nach dem Durchzug des tropischen Sturms „Ketsana“ kommt die philippinische Insel Luzon nicht zur Ruhe. In der Provinz Benguet und in der Mountain Province, etwa 200 Kilometer nördlich von Manila, kamen insgesamt 143 Menschen um, 25 weitere starben in verschiedenen Erdrutschen in Baguio City. Etliche werden noch vermisst. Schuld an den Erdrutschen ist der dreitägige Dauerregen durch den Taifun „Parma“, der das Erdreich durchweicht hat. Dieser tropische Wirbelsturm war am 4. und 5. Oktober von Osten nach Westen über den Norden Luzons hinweggezogen, wobei die Insel noch einigermaßen glimpflich davonkam. Dennoch waren dabei mindestens 16 Personen durch Erdrutsche getötet worden. Seitdem hat der Taifun die Insel noch zweimal überquert, weil der durch einen weiteren Taifun ausgelöste Fujiwhara-Effekt eine Richtungsänderung um 180 Grad bewirkte. Zunächst lag „Parma“ stationär vor der Nordwestküste Luzons, wanderte dann jedoch von Westen nach Osten erneut über die Insel, drehte jedoch beim Erreichen der Philippinensee wieder auf eine westliche Richtung. „Das ist der erste Taifun in unserer Geschichte, der sich auf diese ungewöhnliche Weise verhalten hat“, erklärte Nathaniel Cruz von der philippinischen Meteorologiebehörde.

Insgesamt wurden im Regierungsbezirk Cordillera etwa 100 Erdrutsche gezählt. Die nationale Katstrophenschutzkommission gab bekannt, dass in 17 Provinzen Straßen durch Hochwasser und Erdrutsche unterbrochen sind. Rund eine Million Einwohner sind von der Katastrophe direkt betroffen. Die Rettung und humanitäre Hilfe gestalteten sich zunächst schwierig, weil Nebel und Regen den Einsatz von Hubschraubern verhinderte, doch eine Wetterbesserung durch das Abziehen des Wirbelsturms ermöglichte es der philippinischen Küstenwache und der US-Navy, die vor Hochwasser auf Häuserdächer geflüchtete Menschen zu retten. Durch den Dauerregen waren etliche Stauseen so stark angeschwollen, dass die Behörden enorme Wassermengen ablassen mussten, sodass zahlreiche Gemeinden überflutet wurden, insbesondere an der San-Roque-Talsperre, die sonst den Agno River aufstaut. Auf diese Weise wurde der größte Teil der Provinz Pangasinán geflutet. Der Gouverneur der Provinz, Amado T. Espino Jr., teilte mit, dass 30 der 48 Kommunen in der Provinz völlig unter Wasser stehen.

Die USS Harpers Ferry, ein US-amerikanisches Docklandungsschiff und ein weiteres US-Kriegsschiff eilten am 9. Oktober zum Golf von Lingayén, um humanitäre Hilfe zu leisten. Amerikanische Truppen waren auch in Marikina im Großraum Manila im Einsatz, um Trümmer und Schwemmgut von den Straßen zu beseitigen, und beteiligten sich an der Versorgung der Insel Talim in der Laguna de Bay.

Etliche weitere Staaten, darunter die Schweiz, China, Japan, Australien, Indonesien, Kanada, Südkorea und Italien sowie internationale Organisationen haben Hilfsgüter und Finanzhilfen bereitgestellt, darunter die Europäische Union und die ASEAN. Mit 74 Millionen US-Dollar haben die Vereinten Nationen am 7. Oktober die höchste Einzelsumme zur Verfügung gestellt, die jemals als Soforthilfe für die Philippinen durch die Weltgesundheitsorganisation und das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen freigegeben wurde. Hinzu kommen Leistungen von gemeinnützigen Hilfsorganisationen wie etwa Oxfam und World Vision.

Taifun „Parma“ zog inzwischen auf das Südchinesische Meer hinaus und wurde zu einem tropischen Tiefdruckgebiet abgestuft.

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Quellen