Umstrittene Spielregeln bei Fernsehsender 9Live

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Veröffentlicht: 01:15, 4. Nov. 2007 (CET)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.
Logo des Senders 9Live seit 2007

München (Deutschland), 04.11.2007 – Die Moderatorinnen und Moderatoren von Gewinnspielsendungen beim Fernsehsender 9Live erläutern den Zuschauern in ihren Sendungen, dass sie mit dem „Hot Button“ live in die Sendung geschaltet werden. Das Prinzip des „Hot Buttons“: Ein Zufallsgenerator sucht die Anrufer aus.

Es wurden aber Vorwürfe laut, dass dieses reine Zufallsprinzip gar nicht existiere, da der Computer auch die Anzahl der Anrufer berücksichtige. Das ist insofern wichtig für den Sender, da er sich dadurch finanziert. Je mehr Anrufer, desto besser für 9Live. Die Vorwürfe kamen auf, als nach einer technischen Panne per Zufall ein Dialog zwischen der Moderatorin und der Regie über den Sender ausgestrahlt wurde. Aus den Gesprächsfetzen ziehen einige nun den Schluss, dass beim „Hot-Button-Prinzip“ in dem Sinne manipuliert wird, dass das Gewinnspiel erst aufgelöst wird, wenn die Anzahl der Anrufer aus Sicht des Senders ausreichend erscheint.

Umstritten sind auch die Spielregeln bei 9Live. Der Sender hat bei einem dieser Spiele angeblich 200 Anrufe mit falschen Lösungen bekommen. Ein Zuschauer namens „Trost“ hat nach eigenen Angaben mehrmals angerufen, um seine Lösung durchzugeben. Aber er kam nicht durch und landete immer wieder bei einer automatischen Ansage. Trotzdem galt die Verbindung als hergestellt, so dass er 49 Cent bezahlen musste. Als um 2:00 Uhr, also nach über vier Stunden Spieldauer, die Lösung vom Moderator bekannt gegeben wurde, wunderte sich Herr Trost, denn sie lag weit von seiner Berechnung. Es galten römische Zahlen, rückwärts zu lesende andersprachige Ziffern im Text sogar über Zeilenumbrüche hinweg.

Auch Zuschauer Ulrich Geiger aus Berlin scheiterte an einem Spiel. Seither nimmt er den Mitmachsender genau unter die Lupe. Er machte Bildschirmfotos von allen Spielen und verglich die Ergebnisse mit der Aufgabenstellung. Dabei stellte er fest, dass 9Live den Lösungsweg nicht bekannt gibt, die Spielregeln von Spiel zu Spiel verändert. Die ARD-Sendung „plusminus“ wollte wissen, warum die Spiele so intransparent seien und wieso die Lösungswege geheim gehalten würden. Das Magazin erhielt aber keine Stellungnahme eines Vertreters des Senders vor der Kamera; die Stellungnahme erfolgte nur schriftlich. Demnach sollen die Spiele anspruchsvoll und knifflig sein; schließlich sei man ein Quizsender. Die Aufsicht über die Spiele übernimmt die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM). BLM ist der Meinung, dass es bei 9Live mit rechten Dingen zugeht, und wer lange genug zuschaue, verstehe irgendwann die Regeln.

Alle Moderatoren behaupten, dass die Lösung fast immer leicht ist, dem ist nicht so. Das Video zeigt, dass die Lösung schwer ist.

Einer Ex-Mitarbeiterin von „9Live“ wird vorgeworfen, fünfmal an eine bestimmte Person einen Gewinn vergeben und so den Sender um 39.000 Euro betrogen zu haben. Die ehemalige 9Live-Mitarbeiterin sagte vor Gericht aus, dass der mitangeklagte Strohmann nicht angerufen, aber trotzdem gewonnen habe.

Der Insider sagte vor der Kamera, als er die Frage gestellt bekam „Wenn ich bei 9Live während eines Hot-Button Spiels anrufe, wovon hängt es ab, wann er zuschlägt?“, folgendes: „Der Redakteur entscheidet, wann der Hot-Button zuschlägt.“

Quellen