Tunesien: Tote bei Protesten gegen die Polizei

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Veröffentlicht: 20:56, 6. Feb. 2011 (CET)
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El Kef (Tunesien), 06.02.2011 – In der Stadt El Kef im Norden Tunesiens kam es nach massiven Protesten gegen den örtlichen Polizeichef zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten. Nach Medienberichten sollen hunderte Demonstranten eine Polizeistation angegriffen haben. Die Polizisten setzten Tränengas ein und schossen in die Menge. Mindestens vier Menschen starben. Das Innenministerium sprach von zwei Todesopfern. Außerdem wurde eine Zahl von 17 Verletzten angegeben.

Laut der tunesischen Nachrichtenagentur TAP gingen etwa 1.000 Menschen auf die Straße und forderten die Entlassung des Polizeichefs Khaled Ghazouani. Laut Augenzeugen war eine Ohrfeige des Polizeipräsidenten Auslöser der gewalttätigen Ausschreitungen. Der Polizeipräsident soll eine Frau geschlagen haben. Schließlich warfen die Demonstranten mit Steinen und Molotowcocktails. Daraufhin eröffneten die Polizisten das Feuer. Sie gaben zunächst Warnschüsse in die Luft ab und schossen schließlich auf die Demonstranten. Der Polizeichef wurde nach Gewerkschaftsangaben festgenommen.

Zu einer ähnlichen Situation war es zuvor in der Stadt Sidi Bouzid gekommen, wo Demonstranten ebenfalls vor einer Polizeistation demonstriert hatten. Hier waren zwei Polizisten festgenommen worden. Sie stehen unter dem Verdacht, zwei Gefangene des örtlichen Gefängnisses getötet zu haben. Augenzeugen berichteten, in dem Ort seien nach dem Vorfall drei Polizeiautos in Flammen aufgegangen. In Sidi Bouzid hatte die Revolte gegen den Staatspräsidenten im Januar ihren Ausgang genommen. Ein Mann hatte sich hier selbst verbrannt.

Seit den Tumulten in Tunesien im Januar ist die Tourismusbranche des Landes schwer angeschlagen. Die Buchungen gingen im Januar um 40 Prozent zurück. Die Übergangsregierung unter Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi hatte vor einigen Tagen die Bevölkerung dazu aufgerufen, ihre Arbeit wieder aufzunehmen, damit die Wirtschaft des Landes keinen weiteren Schaden erleide. Der Tourismussektor hat einen Anteil von sechs Prozent an der Wirtschaftsleistung des Landes. Das Ausgangsverbot war vor kurzem erst wieder gelockert worden. Es ist jetzt auf den Zeitraum von Mitternacht bis vier Uhr morgens begrenzt.

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Quellen