Streit mit Katar – eine diplomatische Krise

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Veröffentlicht: 07:14, 6. Jun. 2017 (CEST)
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Lage Katars auf der Arabischen Halbinsel

Doha (Katar), 05.06.2017 – Vor rund zwei Wochen reiste der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, nach Saudi-Arabien, um die Arabische Welt auf eine amerikanisch-arabische Allianz gegen den Iran einzuschwören. Doch diese Allianz brach am Montag auseinander. Die arabischen Staaten Saudi-Arabien, Bahrein, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Ägypten stellten die diplomatischen Beziehungen zum kleinen Staat Katar ein. Die Grenzen wurden geschlossen und die staatlichen Fluglinien wurden aufgefordert, die Hauptstadt Doha fortan nicht mehr anzufliegen. Schließungen der Grenzen sollen die Wirtschaft Katars, die überwiegend von Importen abhängig ist, zum Kollaps bringen. Kataris, die Bevölkerung des 2,5 Millionen Einwohner Staats, kauften massenweise auf Vorrat ein. Die saudi-arabische Armee schloss außerdem Katar aus der gemeinsamem Koalition in der Militärintervention im Jemen aus. Der herrschenden Al-Thani-Dynastie in Katar wurde in einem veröffentlichten Brief jede religiöse Legitimität abgesprochen. ʿAbd al-ʿAzīz Āl asch-Schaich, Großmufti Saudi-Arabiens, und die Religionsbehörde forderten die Absprechung der religiösen Legitimität. Dies kann als Aufruf zum Sturz der Regierung Katars interpretiert werden.

Tamim bin Hamid al Thani (2014)

Der Grund für die Schließung der Grenzen und die Einstellung der diplomatischen Beziehungen ist nach Angaben aus Riad, Manama, Abu Dhabi und Kairo die katarische Unterstützung des islamistischen Terrorismus, besonders des Islamischen Staates (IS). Hinzu kommt die Katar nachgesagte Unterstützung der palästinensischen Hamas, der Muslimbrüder, sowie ‚Terrorgruppen‘ im saudi-arabischen Osten und Bahrain. Der Emir Katars, Tamim bin Hamid al Thani, äußerte nach dem Gipfeltreffen mit Trump und den arabischen Politikern seinen Unmut über die zunehmend martialische antiiranische und antischiitische Rhetorik des saudischen Königshauses. Der Unmut über die antiiranische Rhetorik ist für Saudi-Arabien ein Affront, da al Thani dem wiedergewählten iranischen Präsidenten Hassan Rohani, der reformorientiert ist, zu seinem Sieg gratulierte.

Hassan Rohani (2010)

Mit Trump wähnt Saudi-Arabien einen US-Präsidenten an seiner Seite, der den Iran mit allen, im Notfall gar mit militärischen Mitteln, in die Knie zwingen will. Trumps Vorgänger Barack Obama rettete mit einem Nuklearabkommen Teheran aus der politischen und wirtschaftlichen Isolation. In Saudi-Arabien ist er dadurch verhasst. al Thani hält die sich anbahnende sunnitisch-schiitische Eskalation, die durch Waffenimporte aus den USA nach Saudi-Arabien gefüttert wird und auf dem gemeinsamen Gipfeltreffen Ende Mai beschlossen wurde, für hochgefährlich.

Es sind aber nicht nur nationale Interessen, die den Emir aus der Front gegen den Iran haben ausscheren lassen. Die geschickte und ebenso brutale iranische Expansionsstrategie in den Irak und nach Syrien verschärfte die regionale Sicherheitslage dramatisch. Nicht nur Katar, sondern auch Staaten wie der Oman und Pakistan, sowie hinter vorgehaltener Hand auch Kuwait, fürchten eine religiöse Eskalation im Machtkampf zwischen Riad und Tehreran, der immer mehr islamische Länder destabilisieren könnte.

Jedoch verbindet den saudischen Riesen und den katarischen Zwerg viel. Beide Staaten werden von einer antidemokratischen Familiendynastie regiert. Riesige Erdöl- und Erdgasvorkommen bestimmen die Wirtschaften beider Staaten. Sie katapultierten die tribale Bevölkerung innerhalb weniger Jahrzehnte in eine ‚westliche‘ Konsumwelt. Die Mehrheit der Menschen in den beiden Nachbarländern sind sunnitisch. Rund zehn Prozent der Bevölkerung gehört dem schiitischen Islam an. Der Wahabismus ist Staatsreligion, wobei ein folgenreicher Unterschied besteht: Anders als in Saudi-Arabien gibt es in Katar keinen mächtigen wahabitischen Klerus, der die Politik mitbestimmt. Obwohl der Wahabismus Schiiten als Abtrünnige denunziert, sind Minderheiten, beispielsweise Schiiten, integriert und leben unbehelligt in Katar. Saudi-Arabien grenzt und drangsaliert Minderheiten aus. Auch in Bahrain lässt das sunnitische Königshaus die schiitische Bevölkerungsmehrheit in einer Gewaltherrschaft leben und unterdrückte Protestbewegungen des Arabischen Frühlings 2011 mit saudischer militärischer Hilfe gewaltsam. Der Vorwurf, Katar unterstütze ‚Terrorgruppen‘ in Bahrain und im schiitischen Osten Saudi Arabiens dürfte also schlicht ein Ablenkungsmanöver sein. Hinter den besagten ‚Terroristen‘ verbergen sich schiitische Proteste gegen staatliche Repression.


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Quellen[Bearbeiten]