Sterbliche Überreste von Englands König Richard III. nach 500 Jahren gefunden

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Veröffentlicht: 12:23, 5. Feb. 2013 (CET)
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König Richard III., Ausschnitt aus dem Gemälde eines unbekannten Künstlers, Ende 15. Jahrhundert
Erhaltene Burgmauer von Schloss Fotheringhay

Leicester (England), 05.02.2013 – Ein Skelett mit einem gespaltenen Schädel und einer gekrümmten Wirbelsäule, die im September vergangenen Jahres unter einem Parkplatz gefunden worden waren, konnten jetzt nach über 500 Jahren von Wissenschaftlern als sterbliche Überreste von Englands König Richard III. identifiziert werden. Richard III. wurde 1452 auf Schloss Fotheringhay als jüngster von acht Söhnen des 3. Duke of York geboren und gehörte zu der seit 300 Jahren regierenden Dynastie Plantagenet. Zu jener Zeit herrschte jedoch König Heinrich VI. aus dem Haus Lancaster. In den folgenden 30 Jahren kam es zu erbitterten Auseinandersetzungen zwischen den beiden Herrscherhäusern. Diese Machtkämpfe sind als Rosenkriege in die Geschichte eingegangen. Richard III. war von 1483 bis zu seinem Tod König von England. In der Schlacht von Bosworth am 22. August 1485 siegte das Haus Lancaster über das Haus York, König Richard wurde getötet, sein Leichnam geschändet.

Im Rahmen von Ausgrabungen eines mittelalterlichen Klosters unter einem Parkplatz in Leicester, die im Herbst 2012 begannen, handelte es sich um einen der bedeutendsten archäologischen Funde der jüngsten englischen Geschichte, sagte ein Team von der University of Leicester. Für die Identifikation der Knochen wurden DNA-Sequenzen aus dem Skelett mit DNA-Proben von Michael Ibsen, einem aus Kanada stammenden Möbelhersteller in London verglichen, der nach den Ergebnissen der Familienforschung ein direkter Nachkomme von Richards Schwester, Anne of York, sein soll. Weitere Indizien für die Identität sind die schweren Verletzungen an den Knochen, die sich nur durch Einwirkungen von damaligen Waffen wie Schwertern oder Dolchen erklären lassen.

Der historische Stoff um Richard III. wurde – wenn auch mit Veränderungen – immer wieder zu Dramen verarbeitet. Am bekanntesten ist Shakespeares „Tragödie von König Richard III.“, die um 1593 entstand und den König als skrupellosen Machtmenschen zeigt, der von einem Verbrechen zum nächsten getrieben wird, um zur Herrschaft zu gelangen und diese dann zu sichern. Heutige Historiker allerdings sehen den zweifelhaften Ruf, den Richard seit seinem Tod genießt, eher als Folge der unklaren historischen Überlieferung während der Tudor-Epoche, die seiner Herrschaft folgte. Die Herrscher aus dem Haus Tudor, auch Elisabeth I., zu deren Zeit Shakespeare sein Drama schrieb, hatten alles Interesse daran, den Gegenspieler des Gründers ihrer Dynastie in ungünstigem Licht erscheinen zu lassen.

Ob Richard III. seinen 12jährigen Neffen Eduard V., der ursprünglich als Thronfolger vorgesehen war, und dessen jüngeren Bruder Richard of Shrewsbury, ermorden ließ, ist bis heute ungeklärt. 1484 wurde vom englischen Parlament eine Erklärung in lateinischer Sprache veröffentlicht, in der dargestellt wurde, dass die Ehe zwischen Eduard IV. und Elizabeth Woodville, den Eltern Eduards V., ungültig und die englische Königskrone 1483 rechtmäßig auf Richard III. übertragen worden war.

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Quellen[Bearbeiten]