Sozialbericht: Ausstieg aus Armut wird schwerer und Arme sind häufiger krank

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Veröffentlicht: 10:56, 14. Okt. 2011 (CEST)
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Berlin (Deutschland), 14.10.2011 – Der am Dienstag vorgestellte Sozialbericht der Bundeszentrale für politische Bildung, des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung und des Statistischen Bundesamtes stellt fest, dass der Ausstieg aus der Armut tendenziell schwieriger wird und sozial Schwache häufiger krank sind.

Statistik zur Dynamik und Stabilität der Einkommenssituation
Die Statistik schichtet fünf Einkommensklassen – mit jeweils einem Fünftel der Bevölkerung – übereinander. Der Sozialbericht gibt an, dass 57,3 Prozent der Personen, die 1985 der untersten Einkommensklasse angehört hatten, auch drei Jahre später dieser Einkommensklasse angehörten. 2009 gehörten 65,2 Prozent der Personen, die 2006 der untersten Einkommensklasse angehört hatten, derselben Einkommensklasse an. Die Chancen (innerhalb von drei Jahren) aus der untersten in eine der beiden obersten Einkommensklassen aufzusteigen sanken besonders stark: Die Chancen von einem der ärmsten 12 Millionen Menschen zu einem der reichsten 24 Millionen aufzusteigen lagen 1985 bei 9,4 Prozent (Etwa 1,1 Millionen Menschen gelang dies.) 2006 lagen die Chancen von einem der ärmsten 16 Millionen Menschen zu einem der reichsten 32 Millionen aufzusteigen bei nur noch 5,1 Prozent (etwa 0,8 Millionen Menschen).


Zur Grundlage der Statistik erklärt der Bericht unter anderem: „Um die Einkommenssituation von Haushalten unterschiedlicher Größe und Zusammensetzung vergleichbar zu machen, werden alle Haushaltseinkommen entsprechend dem inzwischen EU-weit standardisierten Vorgehen unter Verwendung der neuen (revidierten) OECD-Skala in so genannte »Äquivalenzeinkommen« – das sind unter Bedarfsgesichtspunkten modifizierte Pro-Kopf-Einkommen – umgerechnet. Alle Einkommensangaben werden in Euro ausgewiesen. Die Analysen erfolgen auf Personenebene und repräsentieren die in privaten Haushalten lebende gesamte Bevölkerung in Deutschland. Die Anstaltsbevölkerung (z. B. in Altersheimen) bleibt unberücksichtigt.“

Roland Habich vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung bemerkte, dass weniger Menschen als noch in den 80er Jahren aus der Armut ihre Einkommenssituation verbessern können. Der Sozialbericht gibt an, dass die Zahl der Betroffenen von 57 Prozent in den 80er Jahren auf heute 65 Prozent gestiegen ist. „Die soziale Mobilität in Deutschland nimmt ab“, umschrieb die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Jutta Allmendinger, bei der Präsentation des Berichts die Situation. Wachstum und Wohlstand hingen nur bedingt zusammen; je höher das Wachstum desto zufriedener, gesünder oder gebildeter wären die Leute, könnte man so nicht folgern.

Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, forderte mehr Investitionen in die Bildung; mit 6,8 Prozent Anteil am Bruttoinlandsprodukt in 2009 seien die Ausgaben für die Bildung „ganz nüchtern betrachtet“ zu gering, um der wirtschaftlichen Relevanz von Bildung gerecht zu werden. Laut OECD-Bericht läge Deutschland auf einem der unteren Plätze, was die Qualität der Abschlüsse beträfe. Als Armutsgefährdet gelten nach dem Bericht 23,2 Prozent der Menschen mit Hauptschulabschluss oder ohne jeden Schulabschluss; häufig betroffen sind auch Alleinerziehende mit 37,5 Prozent. Der Bericht zeigt auch einen Zusammenhang zwischen Bildung und Lebenserwartung: Vermögende und gebildete Menschen wären nicht nur seltener krank sondern lebten auch länger.

Zu der gesundheitlichen Situation der sozial Schwächeren stellt der Sozialbericht fest, dass in der Altersgruppe ab 45 Jahre Herzinfarkte, Schlaganfälle, Hypertonie, Diabetes und Depressionen, bedingt durch höheren Tabak- und Alkoholkonsum, mangelnde Bewegung und Fehlernährung, die zu Adipositas führt, häufiger auftreten.

Der Anteil der erwerbstätigen Frauen ist in Deutschland und auch in Ostdeutschland von 2000 bis 2010 um vier Prozent gewachsen; im Westen sind damit jetzt 42 Prozent der Frauen erwerbstätig und in Ostdeutschland 45 Prozent. Auch die Einstellung gegenüber der traditionellen Rollenteilung zwischen Mann und Frau hat sich weiter verändert, so lehnen mittlerweile 69 Prozent der Deutschen die traditionelle Rollenteilung ab und 66 Prozent der Westdeutschen sahen die Konsequenzen durch die Erwerbstätigkeit von Frauen eher positiv, in Ostdeutschland waren es sogar 92 Prozent. 2009 waren bereits über die Hälfte (51 Prozent) der erfolgreichen Hochschulabsolventen Frauen. Gleichzeitig sieht aber die Mehrheit der Bevölkerung (70 bis 80 Prozent) die Familie als notwendig für Lebenszufriedenheit; der Bericht belegt eine höhere Lebenszufriedenheit der Menschen mit Familienbindung.

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Quellen