Relegationsspiel im Chaos – Düsseldorf steigt auf

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Veröffentlicht: 21:53, 16. Mai 2012 (CEST)
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Vor dem Spiel werden letzte Vorbereitungen getroffen; noch ahnt niemand, dass es während und nach dem Spiel zu Krawallen kommt, die Fußball-Deutschland so noch nicht gesehen hat.

Düsseldorf (Deutschland), 16.05.2012 – Ein 2:2 beim Rückspiel im Fußballbundesliga-Relegationsduell zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC besiegelte den Abstieg der Berliner in die zweite Bundesliga. Fortuna Düsseldorf ist damit nach 15 Jahren wieder in die oberste deutsche Herrenspielklasse aufgestiegen. Das Hinspiel in Berlin hatten die Düsseldorfer mit 2:1 gewonnen. Überschattet wurde das Spiel von zwei Spielunterbrechungen in der zweiten Halbzeit, zum ersten Mal, nachdem Berliner Fans Bengalisches Feuer entzündet und auf das Spielfeld geworfen hatten und zum zweiten Mal in der Nachspielzeit, nachdem Düsseldorfer Anhänger einen Pfiff des Schiedsrichters als Schlusspfiff interpretiert und das Spielfeld gestürmt hatten.

Die Fortuna war vor 51.000 Zuschauern mit einem frühen Tor in das Spiel gestartet. In der ersten Minute hatte Maximilian Beister nach 25 Sekunden den Führungstreffer erzielt. Änis Ben-Hatira erzielte in der 25. Minute den verdienten Ausgleich der Berliner, die trotz des frühen Rückstandes offensiv nach vorne spielten. Ben-Hatira sah jedoch nach wiederholtem Faulspiel Gelb-Rot. Die Fortuna nutzte die Situation aus und ging in der 59. Minute durch Ranisav Jovanović erneut in Führung.

Kurz darauf flogen aus dem Berliner Fanblock Feuerwerkskörper auf das Spielfeld. Polizisten gingen in Stellung. Schiedsrichter Wolfgang Stark unterbrach daraufhin die Partie für mehrere Minuten. Die Düsseldorfer waren, nachdem das Spiel fortgesetzt worden war, nun weniger aktiv und beschränkten sich auf Konter. In der 81. Minute verpasste der Düsseldorfer Adam Matuschyk die Gelegenheit, seine Mannschaft deutlicher in Führung zu bringen. Vier Minuten später erzielte Raffael den erneuten Ausgleichstreffer.

Aufgrund der Spielunterbrechung wollte Schiedsrichter Stark sieben Minuten nachspielen lassen. In der fünften Minute der Nachspielzeit interpretierten hunderte von Zuschauern einen Pfiff von Schiedsrichter Stark falsch und liefen feiernd aufs Spielfeld. Schiedsrichter und Spieler flüchteten in die Kabinen des Stadions. Nach der Räumung des Spielfelds kamen zunächst das Schiedsrichtergespann und die Düsseldorfer Spieler zurück, die Berliner verblieben zunächst in den Kabinen. Sie hätten Todesangst gehabt, wird Christoph Schickhardt, der Anwalt von Hertha BSC am nächsten Tag im ZDF-Morgenmagazin sagen. Als die Berliner nach etwa 20 Minuten auf den Platz zurückkehrten, ließ Schiedsrichter Stark noch etwa 90 Sekunden spielen, dann fiel, rund eine halbe Stunde nach dem Ende der regulären Spielzeit wirklich der Schlusspfiff.

„Die Begleitumstände dieses Spiels waren eine Katastrophe. Ich habe so etwas noch nicht erlebt und konnte mir überhaupt nicht vorstellen, dass so etwas in Düsseldorf möglich ist. Es kann nicht sein, dass Zuschauer meinen, da Einfluss nehmen zu müssen. Da ist es ein Gebot der Medien, mal nicht nur zu berichten, sondern auch diese Leute mal härter anzufassen“, sagte Hertha-Trainer Otto Rehhagel nach dem Spiel in der Pressekonferenz. „Ich bin erschüttert, was abgelaufen ist“, äußerte sich Düsseldorfs Manager Wolf Werner. „Ich weiß nicht, ob ich nach diesen Bildern froh sein soll. Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas bei uns möglich wäre“, sagte Fortuna-Vorstandsvorsitzender Peter Frymuth.

Am Mittwochnachmittag hat Hertha BSC beim Deutschen Fußballbund Protest gegen die „irregulär zustande gekommene Spielwertung“ eingelegt. Das sei man den Fans schuldig, sagte Manager Michael Preetz. „Der Schiedsrichter hat die Mannschaft nicht wegen des Fußballs auf den Platz zurückgeführt, sondern nur auf Bitten der Polizei, um eine Eskalation – man hat von einem Blutbad gesprochen – zu verhindern… Gestern ging es nur darum, Schlimmeres für den deutschen Fußball zu verhindern“, sagte Hertha-Anwalt Schickhardt: „Die Spieler saßen leichenblass mit Todesangst in der Kabine.“


Fortuna Düsseldorf 2 : 2 Hertha BSC

Tore: 1:0 Maximilian Beister (1.), 1:1 Änis Ben-Hatira (22.), 2:1 Ranisav Jovanovic (59.), 2:2 Raffael (85.)
Gelbe Karten: Andreas Lambertz (39.), Ranisav Jovanovic (60.), Johannes van den Bergh (85.) / Christoph Janker (24.), Ronny (25.), Änis Ben-Hatira (40.), Patrick Ebert (76.), Andre Mijatovic (88.), Levan Kobiashvili (94.)
Gelb-Rote Karten: Ben-Hatira (54.)

Aufstellungen:

Fortuna Düsseldorf: Tor: Michael RatajczakAbwehr: Tobias Levels, Assani Lukimya, Jens Langeneke, Johannes van den BerghMittelfeld: Adam Bodzek, Oliver Fink, Thomas Bröker, Ken Ilsö (45. Ranisav Jovanovic), Andreas Lambertz (90. Juanan)Angriff: Maximilian Beister (77. Adam Matuschyk)

Hertha BSC: Tor: Thomas KraftAbwehr: Christoph Janker (72. Christian Lell), Roman Hubnik, Andre Mijatovic, Levan KobiashviliMittelfeld: Peter Niemeyer, Ronny (94. Felix Bastians), Nikita Rukavytsya (72. Patrick Ebert), Raffael, Änis Ben-HatiraAngriff: Adrián Ramos

Schiedsrichter: Wolfgang Stark

Zuschauer: 51.000

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Quellen[Bearbeiten]