Rücktritt ohne Reue: Bahnchef Mehdorn geht

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Veröffentlicht: 19:37, 30. Mär. 2009 (CEST)
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Hartmut Mehdorn (2008)

Berlin (Deutschland), 30.03.2009 – Der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Bahn AG, Hartmut Mehdorn, erklärte heute auf einer Bilanzpressekonferenz des Unternehmens seinen Rücktritt. In den vergangenen Tagen war die Kritik an der Führung der Deutschen Bahn immer lauter geworden, weil das Unternehmen in großem Stil E-Mails seiner Mitarbeiter ausspioniert hatte. Mehdorn weist indes jegliche Kritik an dem Vorgehen der Bahn zurück. In seiner Rücktrittserklärung hält Mehdorn an seiner Position fest, „dass nach dem Stand der Ermittlungen keine strafrechtlich relevanten Fehlhandlungen der DB AG oder einer ihrer Mitarbeiter festgestellt worden sind.“ Von einem „Datenskandal“ könne keine Rede sein, vielmehr habe es eine „Kampagne zur Veränderung der Unternehmensführung und der Unternehmenspolitik“ gegeben, als deren Opfer er sich selbst sieht. Das automatische Protokollieren von E-Mail-Adressen und Betreffzeilen von E-Mails, die Bahnmitarbeiter versandt haben, stehe in Einklang mit den rechtlichen Bestimmungen, auf deren Grundlage die Bahn die unternehmensinterne Korruption bekämpft habe.

Nach dem Rücktrittsangebot Mehdorns an den Aufsichtsrat der Deutschen Bahn erklärte Regierungssprecher Wilhelm: „Die Bundesregierung geht davon aus, dass der Aufsichtsrat zügig Gespräche aufnehmen und einen neuen Bahnchef präsentieren wird.“ Den angebotenen Rücktritt des Bahnchefs habe die Bundesregierung „mit Respekt zur Kenntnis“ genommen. Vertreter der Partei „Die Linke“ und der „Grünen“ bezeichneten den Rücktritt als „überfällig“. FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich forderte die Fortsetzung der Untersuchungen der Vorgänge bei der Deutschen Bahn um die Ausspähung ihrer Mitarbeiter auch nach dem Rücktritt des Bahnchefs. Es gebe „viele Beteiligte und Verantwortliche“ der Datenaffäre bei der Bahn. Am 12. Februar wurde gegen den Konzernchef und seine Mitarbeiter ein Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen das Bundesdatenschutzgesetz eingeleitet. Nach Ansicht der Grünen-Vorsitzenden Renate Künast sollte die Bahn nun auch die Börsenpläne zu den Akten legen: „Die Bahn sollte sich jetzt auf das Kerngeschäft konzentrierten und einen attraktiven Bahnverkehr anbieten.“

Wegen der Rücktrittserklärung ihres Chefs gerieten die auf der Bilanzpressekonferenz vorgelegten Zahlen zur Geschäftsentwicklung des Unternehmens etwas in den Hintergrund der Medienaufmerksamkeit. Im Jahr 2008 gelang der Bahn eine Steigerung ihres Umsatzes in Höhe 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 33,5 Milliarden Euro. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Fahrgäste um 84 Millionen auf 1,9 Milliarden. Mehdorn erklärte, das Geschäftsmodell der Deutschen Bahn habe sich bewährt. Für die Wirtschaftskrise sei das Unternehmen gut gerüstet.

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Quellen