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Neue Rekordtemperaturen in Deutschland und Österreich

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Veröffentlicht: 01:05, 4. Jul. 2019 (CEST)
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Potsdam (Deutschland) / Wien (Österreich), 04.07.2019 – Innerhalb weniger Tage brachte die Hitzewelle erneut neue Juni-Rekordwerte. Am Sonntagnachmittag wurden Werte jenseits von 39 °C gemeldet. Zunächst meldete das rheinland-pfälzische Bad Kreuznach gegen 15:30 Uhr 39,3 °C, eine Stunde später wurden in Bernburg an der Saale 39,6 °C erreicht. Die vorherige Juni-Bestmarke war erst am Mittwoch, dem 26. Juni, aufgestellt worden, als im brandenburgischen Coschen und im sächsischen Bad Muskau jeweils 38,6 °C gemessen wurden.

Auch in Österreich wurden am Wochenende an mehr als 100 Messstellen am Alpennordrand bisherige Junihöchstwerte übertroffen, etwa mit 38 °C in Innsbruck und Jenbach, und neue Landesrekorde für Salzburg und die Steiermark aufgestellt, so etwa in Lofer mit 36,8 °C und in Mooslandl in der Steiermark mit 37,3 °C, teilte die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien mit.

In Frankreich und Spanien kämpfen Feuerwehrleute gegen Waldbrände. Unweit von Gallargues-le-Montueux, wo am Freitag, den 28.Juni, 45,9 °C gemessen wurden, waren zwischen den Ortschaften Garons und Saint-Gilles rund 700 Feuerwehrleute im Einsatz, um einen Waldbrand zu löschen. Bei dem Brand wurden 250 Hektar Land vernichtet. Bei Almorox westlich von Madrid in Zentralspanien hat ein Brand mindestens 1600 Hektar Land zerstört.

Auch in Deutschland besteht erhöhte Waldbrandgefahr. In den meisten Bundesländern liegt inzwischen Warnstufe 4 von 5 vor. Ein Brand im Frankfurter Stadtwald konnte von der Feuerwehr gelöscht werden. Derweil müssen wegen eines Waldbrandes auf einem von Restmunition verseuchten Truppenübungsplatz in Volzrade bei Lübtheen mehrere Dörfer evakuiert werden. Der Landrat des Landkreises Ludwigslust-Parchim hat Katastrophenalarm ausgerufen, weil der Feuerrand nur noch 400 Meter von Alt Jabel und 800 Meter von Hohen Woos entfernt war.

Von der Evakuierung sind mehrere hundert Einwohner betroffen, außerdem rund 100 Kinder in einem Ferienlager. Als Brandursache vermuten die Behörden Brandstiftung. An der Stelle hatte es vor einigen Tagen schon einmal gebrannt. Dieser Brand war am Freitag gelöscht.

Inzwischen ist die Hitzewelle zu Ende, denn mit der Nacht zum 1. Juli ging ein Temperatursturz einher, der teilweise mehr als zehn Grad Celsius ausmachte.

In Rom forderte der Papst dazu auf, sich bei der Hitze um die besonders anfälligen Bevölkerungsschichten zu kümmern. „Ich bete für diejenigen, die in diesen Tagen am meisten unter den Folgen der Hitze gelitten haben“, sagte Franziskus am Sonntag auf dem in praller Sonne liegenden Petersplatz. „Kranke, Alte, Menschen, die draußen arbeiten müssen, auf den Baustellen.“

Mehrere Teilnehmer am Hamburger Halbmarathon brachen bei Temperaturen um 33 °C zusammen und mussten notärztlich behandelt werden. Die Feuerwehr der Hansestadt musste mit 18 Rettungswagen und mehreren Notärzten dem Arbeiter-Samariter-Bund zu Hilfe kommen, der mit dem Sanitätsdienst bei der Veranstaltung betraut war. Von den 141 durch die Sanitäter versorgten Personen wurden 57 in ein Krankenhaus gebracht. An manchen Trinkstationen sei das Wasser ausgegangen. Die Feuerwehr setzte einige Löschfahrzeuge ein, um die Läufer mit einem Sprühstrahl abzukühlen.

Bei den Männern gewann den über eine Distanz von 21 km führenden Wettbewerb Stephen Kiprotich aus Uganda mit einer Zeit von 01:04:11 Stunden vor dem Kenianer Geoffrey Ronoh, der rund eine halbe Minute nach Kiprotich eintraf. Die Siegerin bei den Frauen, Melat Kejeta|, eine gebürtige Äthiopierin, die seit März einen deutschen Pass hat, brauchte 1:11:29 Stunden bis ins Ziel.

Doch auch andere Sportveranstaltungen im Bundesgebiet waren betroffen. Beim Ironman in Frankfurt am Main brach 1000 Meter vor dem Ziel die bis dahin mit rund sechs Minuten Vorsprung auf die spätere Siegerin führende Sarah True aus den Vereinigten Staaten entkräftet zusammen. Skye Moench gewann den Wettbewerb aus 3,8 Kilometer Schwimmen, 185 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen in 9:15:31 Stunden.

In Hannover durften die Teilnehmer des Schützenausmarsches am Sonntag auf Sakko und Uniformjacken verzichten. Für die 12.000 Teilnehmer und die Pferde wurden Trinkstationen eingerichtet.

Im hessischen Raunheim kam es zu Ausschreitungen wütender Besucher, weil ihnen wegen Überfüllung der Zugang zu einem Badesee verwehrt wurde. Anderswo kam es aufgrund der hohen Temperaturunterschiede zwischen Luft und Wasser zu Badeunfällen. Im Landkreis Regensburg starb ein 39-Jähriger, in Mecklenburg-Vorpommern eine 83-jährige Frau und ein 28-jähriger Mann.

Hitzetote gab es auch in Frankreich. Ein Radfahrer erlitt bei einer Bergtour im Département Vaucluse in Südfrankreich einen Hitzschlag. Er starb im Krankenhaus. In Ille-et-Vilaine starb ein Dachdecker.

Im Düsseldorfer Rheinbad kam es bereits am Samstag zu einer brenzligen Situation. Zunächst habe sich ein 53-jähriger Mann von einigen Jugendlichen belästigt gefühlt. Daraus entwickelte sich ein Streit. Schließlich sollen sich bis zu 400 Personen mit den Jugendlichen solidarisch erklärt haben. Die inzwischen herbeigerufene Polizei habe den Mann und seine Familie unverletzt aus dem Freibad gebracht.

Die Polizei war mit mehreren Dutzend Beamten im Einsatz. Sie wurde von der aufgebrachten Menge beschimpft. Der Schwimmbadbetreiber habe entschieden, das Schwimmbad vorzeitig zu schließen.

Laut Peter Harzheim, dem Vorsitzenden des Bundesverbandes deutscher Schwimmbäder, komme es seit mehreren Jahren jedes Jahr zu mehr Aggressivität gegenüber Bademeistern. „Die Stimmung in den Freibädern wird immer aggressiver“, hatte Harzheim der Rheinischen Post gesagt. „Das ist eine erschreckende Entwicklung. Wir müssen da knallhart durchgreifen.“


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Quellen

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