Neue Hinweise auf Hitlers Atombombe?

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München / Hamburg (Deutschland), 04.03.2005 – In den beiden letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs sollen bei „nuklearen Versuchsexplosionen“ in Thüringen und auf Rügen mehrere hundert Kriegsgefangene und Häftlinge ums Leben gekommen sein. In seinem Buch „Hitlers Bombe“, das in diesem Monat erscheint, beruft sich der Berliner Historiker Rainer Karlsch, Co-Autor eines Buches über den Uranabbau im Erzgebirge, auf bisher unbekannte Quellen in russischen Archiven und auf Ergebnisse von DDR-Amateurforschern.

Der US-amerikanische Historiker Mark Walker, ein Experte für Nuklearwaffenentwicklung in der Zeit des Nationalsozialismus, dem das Buch vorgelegt wurde, bemerkt dazu allerdings einschränkend, es habe sich um eine „schmutzige Bombe“ gehandelt, um eine konventionelle Waffe, die radioaktive Stoffe freisetzt, ohne dass es zur nuklearen Kettenreaktion kommt. Dagegen spricht der Kommentator der „Welt“ von einer „taktischen Atomwaffe“. Nach Karlschs Unterlagen soll sie von einer kleinen Gruppe von Wissenschaftlern im Heeresamt entwickelt worden sein. An die Sprengwirkung der Hiroshima-Bombe habe diese Waffe aber bei weitem nicht heranreichen können.

Bisher gab es im Wesentlichen zwei Ansätze, um die relative Rückständigkeit der deutschen Atombombenforschung bei Kriegsende zu erklären. Werner Heisenberg und seine Mitarbeiter am deutschen Uranprojekt erklärten, sie hätten der nationalsozialistischen Regierung gegenüber bestritten, dass es möglich sei, eine einsatzfähige Atombombe im Verlaufe des Kriegs zu entwickeln. Emigrierte Atomforscher wie Hans Bethe, der am US-amerikanischen Atombombenprojekt führend mitgearbeitet hat, wiesen dagegen auf organisatorische Mängel der deutschen Forschung und Fehler der deutschen Wissenschaftler bei der Bestimmung der für eine Kettenreaktion notwendigen Mindestmenge an spaltbarem Material hin.

Ob das Buch in der Frage der deutschen Atombombe neue Erkenntnisse liefert, bleibt auch nach den ersten Kommentaren fraglich. Zur Beurteilung fehlen vorläufig entscheidende Angaben zu Menge und Zusammensetzung des verwendeten nuklearen Sprengstoffs und zum Zündmechanismus.

Im Forum der Wiener Tageszeitung Der Standard wird die Buchankündigung so kommentiert: „Die „Dirty Bomb“ als Atomwaffe zu bezeichnen ist eine grobe Irreführung. Unter Atomwaffe kann man doch nur eine Waffe verstehen, bei deren Einsatz eine Kettenreaktion abläuft. Dies ist bei der „Dirty Bomb“ nicht der Fall. Ein drittklassiger Historiker, der gerne einen zweitklassigen Bestseller schreiben möchte.“

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