Mexiko: Debatte über Legalisierung von Drogen

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Veröffentlicht: 10:27, 11. Aug. 2010 (CEST)
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Grafik über die Intensität von Drogenkonflikten in Mexiko (rot: heftige Konflikte)

Mexiko-Stadt (Mexiko), 11.08.2010 – Der Ex-Präsident Vicente Fox forderte auf seinem Blog die Legalisierung von Produktion, Verkauf und Verteilung von Drogen in Mexiko. Damit soll die mit dem Drogenhandel einhergehende Kriminalität eingedämmt werden. Seit Amtsantritt des derzeitigen Präsidenten Felipe Calderón im Jahre 2006 sind 28.000 Menschen im Zusammenhang mit dem Drogenhandel ermordet worden.

Vicente Fox sieht in der Legalisierung von Drogen die einzige Möglichkeit, die Macht der Drogenkartelle zu brechen und der Gewalt im Land ein Ende zu bereiten. Fox, der ebenso der konservativen Partei PAN angehört wie der amtierende Präsident Calderón, hat während seiner Amtszeit von 2000 bis 2006 ebenfalls eine restriktive Drogenpolitik verfolgt. Heute hingegen ist er der Meinung, dass der Preis für eine solche Politik zu hoch sei. Zwar war ein Großteil der 28.000 Opfer der letzten dreieinhalb Jahre selbst am Drogenhandel beteiligt, doch sind auch Unschuldige, Polizisten und Beamte umgekommen. Fox betont weiter, dass auch das Ansehen Mexikos im Ausland auf dem Spiel stehe, der Tourismus bereits unter der Situation im Land leide, Auslandsinvestitionen zurückgingen und die Kosten für die Bekämpfung des Drogenhandels enorm seien. Stattdessen solle der Staat die Drogen legalisieren und besteuern. Die zusätzlichen Einnahmen sollen wiederum in Programme für Drogensüchtige investiert werden.

Präsident Calderón hingegen lehnt die Legalisierung von Drogen strikt ab. Seiner Meinung nach würde das Millionen von Menschen in die Abhängigkeit treiben. Calderóns Vorbild ist Kolumbien, das den Kampf gegen den Drogenhandel durch entschiedenes Handeln gewonnen habe. Er bestätigt aber auch, dass in Mexiko der Verdacht auf Mittäterschaft und Korruption seitens der Polizei besteht. Er habe auch schon über eine Reform der Polizei nachgedacht.

Wouter Jan Lok von der holländischen Botschaft in Mexiko teilte mit, dass die Situation in Holland nicht mit den Gegebenheiten in Mexiko oder einem anderen Land verglichen werden könne. In seinem Heimatland sei seit der Legalisierung von Haschisch und Marihuana der Drogenkonsum der Inländer zurückgegangen, jedoch das neue Phänomen eines „Drogentourismus“ entstanden.

Quellen