Massenproteste in Nepal gegen die Herrschaft des Königs gehen weiter

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Artikelstatus: Fertig 09:32, 21. Apr. 2006 (CEST)
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Kathmandu (Nepal), 21.04.2006 – Die seit 15 Tagen anhaltenden Massenproteste auf den Straßen Kathmandus gingen auch gestern weiter. Die Zeitung „Die Welt“ berichtet unter Berufung auf Krankenhausangaben von drei getöteten Demonstranten in der nepalesischen Hauptstadt, die trotz einer verhängten Ausgangssperre Schauplatz von Massendemonstrationen eines in Nepal bisher unbekannten Ausmaßes ist. Die Krankenhausärzte berichten von etwa 40 verletzten Personen, die sich in kritischem Zustand befänden.

Die Behörden hatten eine 18-stündige Ausgangssperre verhängt, um zu verhindern, dass Demonstranten ihren angekündigten Marsch auf die verbotene Zone der Hauptstadt in die Tat umsetzten. Die Missachtung der Anordnung wurde mit der Drohung verbunden, jeden zu erschießen, der sich nicht an das Verbot halte.

Zu den Zusammenstößen mit der Polizei kam es, als sich etwa 30.000 Menschen auf dem Weg von den Vororten der Hauptstadt in Richtung auf das Zentrum bewegten. In dem Vorort Kalanki versuchten Polizisten, die Straße zu blockieren, um die Demonstranten am weiteren Vormarsch zu hindern. Dabei wurden auch Tränengas und Gummigeschosse eingesetzt. Augenzeugen berichteten auch von der Verwendung von scharfer Munition.

Diplomaten, Journalisten und Vertretern von Menschenrechtsorganisationen war es nicht erlaubt, sich frei zu bewegen. So konnten die Vorgänge von ausländischen Bürgern nur in geringerem Umfange als in den vergangenen Tagen beobachtet werden.

Die Demonstranten einer Allparteienkoalition gegen die autokratische Machtausübung des Königs Gyanendra, der vor 14 Monaten die absolute politische Macht an sich gezogen und die gewählte Regierung kurzerhand abgesetzt hatte, fordern den Rücktritt des Königs und die Übergabe der politischen Macht an eine Übergangsregierung.

Inzwischen wächst auch der internationale Druck auf den Himalayastaat. Ein Abgesandter Indiens traf in der nepalesischen Hauptstadt ein, um die Besorgnis des eng verbündeten Nachbarlandes über die Situation in Nepal zum Ausdruck zu bringen. Vertreter der Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ prangerten die Brutalität der Polizei bei ihrem Vorgehen gegen die Demonstranten an, die dabei auch nicht vor Gewaltanwendung gegenüber Kindern zurückschrecke.

Neun Menschen sollen von Polizeikräften getötet und über 2.000 Menschen im Zuge der Demonstrationen bisher verletzt worden sein. Von etwa 1.000 Verhaftungen ist die Rede.

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Quellen