Lesben und Schwulen aus Russland Flugtickets nach Kalifornien geschenkt

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Veröffentlicht: 09:18, 2. Jul. 2017 (CEST)
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Moskau (Russland) / Sacramento (Vereinigte Staaten), 01.07.2017 – Eine Sendung des ultrakonservativen orthodoxen Fernsehsender aus der russischen Hauptstadt Moskau beginnt mit einem Vorwurf: „Wir werden oft angeklagt, die USA nicht zu mögen und uns aggressiv gegenüber Päderasten zu verhalten“, wie Moderator Andrej Afanasjew sagt. Der junge Mann beteuert, dass sei aber nicht so. Neulich habe der US-Bundesstaat Kalifornien, „übrigens der liberalste überhaupt“, den „russischen Perversen“ angeboten, eine Greencard zu erhalten, um den Verfolgungen in Russland zu entgehen. Dies unterstützte der Fernsehsender.

Deshalb schlug der Sender vor, jedem der ernsthaft ausreisewilligen Mitglied der LGBT-Gemeinde ein Oneway-Ticket in die Vereinigten Staaten zu spendieren. Als Bedingung müsse ein Attest vorliegen, welches „die Liebe zu Männern oder andere Perversionen“ beweise, „also für alle, die krank sind“. Wer interessiert sei, solle ihn via des sozialen Netzwerkes Facebook kontaktieren, wie Afanasjew treuherzig hinzufügt. Der kurze, vor Herabwürdigung und Zynismus strotzende Clip des Senders macht aktuell die Runde in den Medien Russlands und den sozialen Netzwerken. Was auf den ersten Blick wie dümmliche Propaganda wirkt, ist vor dem Hintergrund der massiven gewalttätigen Übergriffe auf Lesben, Homosexuelle und Transgender in Russland recht unverkennbar dazu angetan, Diskriminierung zu fördern und das gesellschaftliche Klima weiter zu verschärfen. Da werden munter Begriffe wie „Päderasten“, „Perversion“ und „Sodomiten“ benutzt. „Ein Attest vom Arzt ist eine unerfüllbare Bedingung, weil „Päderastie“ als Krankheit nicht anerkannt ist, schreibt denn auch eine Userin auf Facebook. „Das Problem dieser Marketing-Aktion ist, dass, wenn sich niemand um ein Oneway-Flugticket bewirbt, der Fernsehsender Tsargrad offiziell anerkennen muss: Päderasten, Sodomiten und Perverse wählen Russland.“ Der günstige Nebeneffekt der Sache ist, dass die PR-Aktion nichts kosten würde.

Während der zumindest offiziell religiös motivierte Sender bei seinen homophoben Anhängern auf Zustimmung stieß, reagierte die LGBT-Gemeinde erwartungsgemäß verärgert. „Lieber sogenannter Fernsehsender, kauft mir doch bitte ein Ticket, das mich möglichst weit von euch wegbringt“, wie ein ein User auf Facebook schreibt. Des Weiteren versichern andere gegenüber den Homosexuellen im Land ihre Solidarität. Nach Berichten des TV-Senders wurden bereits einige homophobe Seiten auf Facebook gelöscht. Dies scheine den Moderatoren der Sendung jedoch nur weiter anzuspornen. Auch hat er eine klare Meinung zur Einführung der „Ehe für alle“ in Deutschland: „Was ich zur Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen in Deutschland sage? Das Land ist im Arsch“, heißt es auf Facebook.

Die Lage für Homosexuelle und Menschen, die anders lieben, in Russland ist desolat, und erst vor kurzem sorgten zahlreiche Festnahmen von LGBT-Aktivisten in Tschetschenien für Empörung. Die russische Regierung zeigt sich regelmäßig unbeeindruckt von Protesten nationaler und internationaler Menschenrechtler. Auch die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, wonach Russland mit dem Verbot der sogenannten „Homosexuellen-Propaganda“ fundamentale Rechte der LGBT verletzt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit kaum Konsequenzen mit sich ziehen.

Tsargrad TV gehört dem Unternehmer Konstantin Malofejew, der sich laut eigenen Angaben bei der Gründung des Senders an „Fox News“ aus den Vereinigten Staaten orientierte. Wie der Sender Doschd berichtet, teilten sich Präsident Putin und Malofejew einen Beichtvater im Zentrum Moskaus: den Archimandriten Tichon aus dem Sretenskij-Kloster.


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Quellen[Bearbeiten]