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Kerosin über bewohntem Gebiet: Behörden geben Entwarnung

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Artikelstatus: Fertig 10:24, 23. Dez. 2005 (CET)
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Ulm (Deutschland), 22.12.2005 – Am Sonntag hatte ein Airbus 340-300 der Deutschen Lufthansa über dem Großraum Ulm / Neu-Ulm 30 Tonnen Kerosin abgelassen. Umweltschützer sorgten sich daraufhin um die Gesundheit der Anwohner.

Demnach befand sich der Airbus, der um 15:10 Uhr in München gestartet war und nach Washington fliegen sollte, in einer Notlage. Eines von vier Triebwerken war aufgrund eines technischen Defekts ausgefallen. Dies sei bei einem Flugzeug mit vier Triebwerken jedoch nicht kritisch. Trotzdem sei der Notfallplan in Aktion getreten, der eine vorzeitige Landung vorsieht. Für diese Landung darf der Flieger ein bestimmtes Gewicht nicht überschreiten. Einen Flug über den Atlantik wollte der Pilot nicht wagen und kehrte nach München zurück. Zuvor war er in einer Höhe von 14.000 Fuß über dem Großraum Ulm etwa 30 Minuten lang Schleifen geflogen, um das Kerosin abzulassen. Die Landung in München erfolgte gegen 16:30 Uhr. Um 19:08 Uhr wurden die Fluggäste mit einer anderen Maschine nach Washington transportiert.

Nun haben sich aufgrund der Einwände von Umweltschützern die zuständigen Behörden zu Wort gemeldet. Das Ablassen von Kerosin im Flug sei ein äußerst seltener Vorgang. Sie sehen jedoch keine Gefahr für Mensch und Tier in der Umgebung. Auch der Bund Naturschutz (BUND) gab Entwarnung. Der Geschäftsführer des Bundes, Bernd Kurus-Nägele, sagte: „30.000 Liter Kerosin sind eine besorgniserregende Menge, zumal Flugbenzin zu den ringförmigen, aromatischen Kohlenwasserstoffen zählt und daher grundsätzlich krebserregend ist.“ Kurus-Nägele regte Untersuchungen an und möchte Bodenproben nehmen lassen. Er meinte jedoch, eine große Umweltverschmutzung sei unwahrscheinlich. Der Bund für Naturschutz möchte nun die genaue Flugroute des Airbus rekonstruieren lassen.

Die Behörden meinten zu dem Vorfall, es habe zu keinem Zeitpunkt Gefahr für die Bewohner und die Natur gegeben. Das Kerosin würde nicht bis zur Erde gelangen. Vielmehr würde es bedingt durch die Turbulenzen hinter dem Flugzeug fein zerstäubt und in einem feinen Nebel enden. Von der Gesamtmenge Kerosin würden nur rund acht Prozent den Boden erreichen. Diese Menge entspricht auf 1.000 Quadratmetern dem Inhalt eines Schnapsglases. Das Kerosin verdunstet durch seine chemischen und physikalischen Eigenschaften in der Luft nahezu vollständig.

Die Deutsche Lufthansa gab auch die Anzahl ähnlicher Vorfälle im Jahr 2004 bekannt: 2004 starteten weltweit 13.000 Lufthansa-Maschinen. Davon mussten nur 19 Maschinen vorzeitig Kerosin ablassen. Vierzehn Vorfälle traten wegen technischer Probleme, fünf Fälle wegen plötzlicher Erkrankung von Passagieren auf.

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Quellen