Gewerkschaften enttäuscht über Tarifangebot

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Veröffentlicht: 22:41, 28. Jan. 2008 (CET)
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Eine Demonstration der Gewerkschaft in Berlin

Potsdam (Deutschland), 28.01.2008 – Die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes ver.di und dbb tarifunion haben das Tarifangebot der öffentlichen Arbeitgeber von Bund und Kommunen vom Donnerstagabend zurückgewiesen. Die Arbeitgeber hatten eine Einkommenssteigerung um fünf Prozent in drei Stufen angeboten. Gleichzeitig sollte die Arbeitszeit im Tarifgebiet West von 38,5 Wochenstunden auf 40,0 Wochenstunden erhöht werden.

Frank Bsirske, Vorsitzender der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, bezeichnete das Angebot als „Rosstäuscherei“. Die Arbeitgeber wollten einen „Ackergaul als Rennpferd verkaufen“. Das Angebot bringe nur eine Einkommenssteigerung von 2,5 Prozent in 2008.

Der Vorsitzende der dbb tarifunion, Frank Stöhr, meinte, das Angebot sei weniger als nichts und für die Beschäftigten eine Provokation. Durch die Arbeitszeitverlängerung auf 40 Wochenstunden ergebe sich schon ein Einkommensminus von 3,75 Prozent. „Für einen Busfahrer bedeutete diese Arbeitgeberforderung knapp 40 Euro netto mehr im Monat, aber wöchentlich auch eineinhalb Stunden mehr Arbeit.“ Stöhr droht den Arbeitgebern: „Wenn die Arbeitgeber ihr Angebot in der nächsten Runde nicht massiv verbessern, wird sich der Frust schon bald bundesweit entladen.“

Die Stimmung für die Tarifforderung von acht Prozent, mindestens 200 Euro monatlich, war zunächst gut: Hohe Tarifabschlüsse in der privaten Wirtschaft, gutes Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent, positive Stimmung in der Bevölkerung.

Aber gut zwei Wochen nach Beginn der Tarifverhandlungen hat sich die Ausgangslage deutlich verschlechtert: Die Turbulenzen an den Börsen und die Angst vor einer Weltwirtschaftskrise. Die Bundesregierung musste ihre Wachstumsprognose schon auf 1,7 Prozent korrigieren. Auch die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, so im Nokia-Werk in Bochum, trübt die Stimmung.

Konrad Freiberg von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) hält das Angebot der Arbeitgeber für eine Frechheit, die sich die Polizisten nicht gefallen lassen würden. Es gebe konkrete Planungen zu Warnstreiks. Auch Frank Stöhr von der dbb tarifunion hält erste Warnstreiks für wahrscheinlich.

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Quellen