Gestiegene Tortillapreise beschäftigen die mexikanische Politik

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Artikelstatus: Fertig 16:16, 13. Jan. 2007 (CET)
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Mexiko-Stadt (Mexiko), 13.01.2007 – Nachdem der Preis für Tortillas im letzten Jahr um zehn bis 14 Prozent gestiegen ist, hat das Thema nun die Tagesordnung der mexikanischen Politik erreicht. Die Mehl-Fladen gelten vor allem unter der armen mexikanischen Bevölkerung als Hauptnahrungsmittel. Aufgebrachte Hausfrauen haben Medienberichten zufolge in den letzten Tagen bei öffentlichen Auftritten des mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón, der erst seit Anfang Dezember letzten Jahres im Amt ist, durch Zwischenrufe Aufmerksamkeit auf das Problem der hohen Tortillapreise gelenkt. Die Preissteigerung wird von Guillermo Ortiz Martínez, dem Vorsitzenden der mexikanischen Zentralbank, als „ungerechtfertigt“ bezeichnet, da die Inflation im Land lediglich rund vier Prozent betrage. Er beschuldigte Spekulanten für die Preiserhöhung mitverantwortlich zu sein. Nach Angaben der Zentralbank sind auch andere Lebensmittel, wie Weißbrot, Obst und Gemüse von ungewöhnlich hohen Preissteigerungen betroffen.

Tortillas

In ihren Zwischenrufen forderten die Frauen Felipe Calderón dazu auf, etwas gegen die Preissteigerung zu unternehmen. Eine Frau sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) in Mexiko-Stadt, dass man auf Fleisch verzichten könne, wenn man nicht genügend Geld dafür aufbringen könne; auf Tortillas jedoch nicht. Die gleiche Frau gab an, 25 Pesos für genügend Tortillas zur Versorgung ihrer sechsköpfigen Familie ausgegeben zu haben, was etwa einem sechstel des Tageseinkommens entspricht. Präsident Felipe Calderón (PAN) kündigte an, dass die Regierung sich strikter gegenüber Spekulanten verhalten werde und nach günstigeren Maislieferanten suchen werde. Laut „news.bbc.co.uk“ lehnt der Präsident es aber ab, Subventionen oder Mechanismen zur Preiskontrolle einzuführen, die im Jahr 1999 aufgehoben worden waren. Parlamentsabgeordnete hatten gefordert, diese Maßnahmen wiedereinzuführen.

Um einem weiteren Preisanstieg entgegenzuwirken, hat der Präsident seinen Landwirtschaftsminister beauftragt, mehr Mais zu importieren. „Mir ist es egal, ob er [der Mais] aus einer Entfernung von tausenden von Kilometern hergebracht wird, das wichtigste ist, dass die Knappheit nicht als Entschuldigung für Preiserhöhungen benutzt wird“, sagte Felipe Calderón am Donnerstag. Oppositionelle Kräfte zeigten sich mit den vom Präsidenten angekündigten Maßnahmen unzufrieden und kündigten laut der Tageszeitung „El Universal“ eine landesweite Mobilisierung an, um weiter auf das Problem aufmerksam zu machen. Ihrer Meinung nach stellt die Kombination aus steigenden Nahrungsmittelpreisen und stagnierenden Löhnen ein Problem der nationalen Sicherheit dar. Unter anderem hat sich die linksgerichtete PRD einem Bündnis von Gewerkschaften, anderen Parteien und sozialen Bewegungen angeschlossen, das die Regierung in dieser Frage unter Druck setzen will. In einer Pressekonferenz forderten Vertreter dieses Bündnisses unter anderem deutliche Lohnerhöhungen.

Ebenfalls am Donnerstag gab die staatliche Wettbewerbskommission bekannt, dass sie Behauptungen untersucht, wonach Tortillahersteller Preise manipulierten und durch eine künstliche Verknappung des Produkts ihre Gewinne steigerten. In einer Stellungnahme sagte der Kommissionsdirektor Eduardo Perez Motta, dass Strafen in Höhe von bis zu 70 Millionen Pesos (ungefähr fünf Millionen Euro) verhängt werden könnten, wenn die Behörde monopolistische Praktiken aufdecke. Auch der Vorsitzende der mexikanischen Zentralbank sprach von einem Markt mit einem blockierten Wettbewerb. In einem Artikel der Nachrichtenagentur AP heißt es, die Konfrontation mit mächtigen Monopolen bringe die wirtschaftsfreundliche mexikanische Regierung in eine unbequeme Situation.

Ein weiterer Faktor, der bei der Preissteigerung eine Rolle spielt, sind – neben der hohen internationalen Nachfrage nach Mais – schwindende Maisimporte aus den USA, die der mexikanische Wirtschaftsminister Eduardo Sojo darauf zurückführt, dass in den USA mehr Mais für die Ethanolherstellung verwendet werde. Die seit 1994 bestehende nordamerikanische Freihandelszone North American Free Trade Agreement ermöglichte es Mexiko verstärkt, günstigen Mais aus den USA einzuführen. David Barkin, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universidad Autónoma Metropolitana, ordnet das aktuelle Problem laut AP mit folgenden Worten in einen größeren Zusammenhang ein: „Das ist ein direkter Belegt dafür, wie die Globalisierung das Leben in Mexiko und überall auf der Welt beeinflusst.“

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Quellen