Gazastreifen: Dreistündige Feuerpause nährt Hoffnungen auf Waffenstillstand

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Veröffentlicht: 21:04, 7. Jan. 2009 (CET)
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Gaza-Stadt (Gazastreifen) / Tel Aviv (Israel), 07.01.2009 – Israel verkündete am heutigen Mittwoch eine dreistündige Feuerpause im Gazastreifen. Den Bewohnern von Gaza-Stadt solle Gelegenheit gegeben werden, sich um die Versorgung mit Lebensmitteln zu kümmern. Außerdem wurden Hilfslieferungen über einen von Israel definierten Korridor in den Gazastreifen zugelassen. 80 Lastwagenladungen an Hilfsgütern sollen so in den Gazastreifen gelangt sein. Die israelische Regierung erklärte außerdem, am Morgen sei wieder Gas in den Gazastreifen geliefert worden. Korrespondenten von Nachrichtenmedien bestätigten, dass die Feuerpause im Wesentlichen eingehalten wurde. Auch die Hamas schoss in den drei Stunden keine Raketen auf israelisches Territorium. Eine israelische Militärsprecherin bestätigte, dass seit 13 Uhr Ortszeit keine Raketen mehr auf Israel abgeschossen wurden. Hunderte Palästinenser waren auf den Straßen zu sehen, um sich mit Waren des täglichen Lebens zu versorgen und Verwandte zu besuchen. Im nördlichen Gazastreifen wurde jedoch weiter gekämpft. Israel kündigte an, man werde auch in den nächsten Tagen jeweils zwischen 13 und 16 Uhr nachmittags eine Feuerpause einhalten. So soll die Versorgung von Gaza-Stadt über einen sicheren Korridor gewährleistet werden. Auch die Hamas will sich dem Vernehmen nach an eine solche Feuerpause halten.

Ein Sprecher der UN-Hilfsorganisation UNRWA erklärte, die Feuerpause sei völlig unzureichend. Für die Zivilbevölkerung sei das Leben im Gazastreifen zur „Hölle auf Erden“ geworden. Ein Hamas-Sprecher bezeichnete die Hilfslieferungen in den Gazastreifen als „keine große Sache“. Israel tue das, „weil sie nun das internationale Entsetzen über die Bombardierung der UN-Schule registrieren.“

Die kurzfristige Waffenruhe nährte Hoffnungen, es könnte gelingen einen dauerhaften Waffenstillstand im Gazastreifen zu erreichen. Ein ägyptischer Vorschlag, der von dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy am Dienstag vorgestellt wurde und auch von der Regierung der Vereinigten Staaten unterstützt wird, wurde von Israel wohlwollend aufgenommen. Eine voreilige Erklärung der französischen Regierung, Israel habe dem Vorschlag bereits zugestimmt, wurde von israelischer Seite zwar dementiert, aber – so hieß es aus Tel Aviv – man diskutiere den Vorschlag. Einzelheiten über den ägyptisch-französischen Vorschlag wurden zunächst nicht offiziell bekannt gegeben. Aus Diplomatenkreisen verlautete jedoch, es könnten Regelungen Bestandteil eines solchen Waffenstillstandsabkommens sein, wonach weitere Waffenlieferungen in den Gazastreifen über die ägyptische Grenze unterbunden werden sollen. Zurückhaltend äußerten sich Vertreter der Hamas zu der diplomatischen Initiative. Gegenüber dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira erklärte ein ranghoher Hamas-Vertreter aus Beirut, Osama Hamdan, die Hamas diskutiere ihre Haltung zu dem Vorschlag noch. Ein Sprecher des Hamasführers Ismail Haniyya machte das Ende der Besetzung des Gazastreifens durch die israelische Armee zur Bedingung eines Waffenstillstandes und fügte hinzu: „Wenn die israelische Aggression beendet wird, dann werden auch die Raketenangriffe auf Israel gestoppt“. Aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete, selbst wenn die politische Führung der Hamas einem Waffenstillstand zustimmen sollte, wäre es durchaus möglich, dass der militärische Arm sich dem nicht anschließen wird.

Nach dem Ende der erklärten Frist für die Feuerpause flammten die Kämpfe im Gazastreifen erneut auf. Israel griff erneut mit einer geballten Militärmacht von Panzern, Infanterietruppen, der Luftwaffe und dem Beschuss des Gazastreifens von See her Ziele im Gazastreifen an, darunter erneut Schmuggeltunnel, Abschussrampen und andere Infrastruktureinrichtungen der Hamas. Der israelischen Armee ist es nach eigenen Angaben inzwischen gelungen, die Kontrolle der Gebiete um Gaza-Stadt zu erreichen. Die Stadt ist von der israelischen Armee eingekesselt.

Die Zahl der toten Palästinenser, die seit dem Beginn der israelischen Militäroffensive zu verzeichnen ist, beträgt nach Angaben von Al-Dschasira mindestens 683. Der gleichen Quelle zufolge sollen bisher 3.085 Menschen verletzt worden sein. Israelische Sicherheitskreise gaben an, von den Getöteten seien bisher 290 identifiziert worden, darunter seien 200 Angehörige der Hamas. Reuters gibt die Zahl der bisher getöteten Palästinenser mit 650 an.

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Quellen