Erdogan ruft Türken zu Geburten-Dschihad auf

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Veröffentlicht: 13:59, 16. Okt. 2017 (CEST)
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Karte der Verbreitungsgebiete der kurdischen Sprache (2007)

Ankara (Türkei), 16.10.2017 – Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan rief im März diesen Jahres seine Landsleute auf: „Macht nicht drei, sondern fünf Kinder, denn Ihr seid die Zukunft Europas!“ Türkische Medien begründeten diese Ausssage, die in einigen westlichen Publikationen als Aufruf zu einem Geburten-Dschihad bezeichnet wurde, mit der historisch niedrigen Geburtenrate bei den Türken. Diese war tatsächlich bis 2009 gefallen und hatte sich westeuropäischen Verhältnissen genähert, obwohl die Gesamtbevölkerung des Staates seit 1951 kontinuierlich gewachsen ist und sich seitdem verdreifacht hat. 2016 wurde die 80-Millionen-Grenze überschritten, und wahrscheinlich werden demnächst in der Türkei mehr Menschen leben als in Deutschland. Sorgen bereitet der türkischen Regierung aber die kurdische Bevölkerung, zumal nach dem Referendum im Irak von dort ein neues Problem für Erdogan auftaucht: im Nachbarland hatten über 90 Prozent für ein unabhängiges Kurdistan gestimmt - das könnte die Türkei auch destabilisieren.

Und so tritt - wie in vielen dikatorischen Staaten üblich - der Regierungschef verstärkt in die Außenpolitik. Erdogan richtet massive Angriffe gegen Europa und insbesondere Deutschland. Außenminister Gabriel musste sich sogar die Einmischung der Türkei in die Bundestagswahl am 24. September verbitten. Was Erdogan selbst betreibt, wirft er auch den anderen vor und hofft so Verbündete gegen Westeuropa zu finden. Die Türkei und der Irak veranstalteten nach dem Referendum der Kurden ein gemeinsames Militärmanöver. Erdogan erklärte, dass er das Ergebnis des kurdischen Referendum nicht anerkennen will. Doch damit sind seine innenpolitischen Probleme nicht vom Tisch - im Gegenteil: Die Kurden sind mit 10-15% die größte ethnische Minderheit in der Türkei - hier leben schätzungsweise ein Drittel aller Kurden, genaue Zahlen sind jedoch nicht bekannt.

Der jahrzehntelange Versuch, die Existenz der Kurden als eigenständige Bevölkerungsgruppe zu bestreiten ist gescheitert. Diese Gruppe ist mit ihren Angehörigen in den benachbarten Staaten Irak und Iran stärker denn je und bekommt internationale Unterstützung. Erdogans Aufruf an die türkischen Frauen, mehr Kinder zu bekommen, ist Teil seiner wohlüberlegten Strategie zur Selbsterhaltung des eigenen Volkes.


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Quellen[Bearbeiten]