Der Abelpreis des Jahres 2020 geht an Hillel Fürstenberg und Grigori Margulis

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Veröffentlicht: 22:14, 18. Mär. 2020 (CET)
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Hillel Fürstenberg (1992)
Grigori Margulis (2004)

Oslo (Norwegen), 18.03.2020 – Die Abelpreis-Träger des Jahres 2020 stehen fest: Am heutigen Tag kündigte die Norwegische Akademie der Wissenschaften an, dass der Abelpreis des Jahres 2020 an die beiden Mathematiker Hillel Fürstenberg und Grigori Margulis geht. Die beiden bekommen den Preis „für ihre Vorreiterrolle bei der Verwendung von Methoden aus Wahrscheinlichkeitstheorie und den Dynamischen Systemen in Gruppentheorie, Zahlentheorie und Kombinatorik“.

Der Vorsitzende des Abelpreis-Komitees, Hans Munthe-Kaas, sagte, dass die beiden die Wirksamkeit der Grenzüberschreitung zwischen unterschiedlichen mathematischen Disziplinen gezeigt haben und die traditionelle Mauer zwischen reiner und angewandter Mathematik eingerissen haben. Aufgrund ihrer Arbeiten sei ein Reichtum mathematischer Resultate und Anwendungen erzielt worden.

Die beiden Mathematiker sind in einer breiten Gemeinschaft von Mathematikern anerkannt, die in einem breiten Spektrum der Mathematik arbeiten: von der Lie-Theorie, diskreten Gruppen und Zufallsmatrizen bis hin zur Informatik und zur Graphentheorie. Sie haben die Allgegenwart wahrscheinlichkeitstheoretischer Methoden und die Wirksamkeit der Grenzüberschreitung zwischen getrennten mathematischen Disziplinen gezeigt.

Hillel Fürstenberg wurde 1935 in Berlin geboren. Da seine Familie jüdisch war, floh sie 1939 in die Vereinigten Staaten. Sein Vater überlebte die Flucht jedoch nicht. Hillel Fürstenberg wuchs in New York auf und studierte in den Vereinigten Staaten Mathematik. Nach seinem Bachelor- und seinem Masterabschluss an der Yeshiva University in New York ging er zur Promotion nach Princeton, wo er 1958 seinen Doktortitel für seine Dissertation über die „Vorhersagetheorie“ erhielt. Bereits während seines Studiums veröffentlichte er einige mathematische Arbeiten. Nach weiterer Zeit in Princeton und am MIT (Massachusetts Institute of Technology) kam er an die Universität von Minnesota, die er 1965 verließ, um an die Hebräische Universität von Jerusalem zu gehen, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2003 blieb. Fürstenberg bekam u.a. auch den Israel-Preis und den Wolf-Preis.

Grigori Margulis wurde 1946 in Moskau geboren. Er studierte Mathematik an der Staatlichen Universität in Moskau, wo er 1970 promoviert wurde. 1978 bekam er im Alter von 32 Jahren die Fields-Medaille zugesprochen. Er konnte diese jedoch nicht in Empfang nehmen, da ihm von den sowjetischen Behörden die Ausreise nach Helsinki (Finnland) verweigert wurde. Erst ein Jahr später durfte er ins Ausland reisen. In den 1980er Jahren besuchte er diverse akademische Einrichtungen in der Schweiz, in Frankreich und in den Vereinigten Staaten. Seit 1991 wohnt er in Yale und ist an der dortigen Universität tätig. Zu Beginn seiner Karriere wurde Margulis wegen seiner jüdischen Herkunft diskriminiert. Er bekam keine Arbeit an der Universität in Moskau, fand aber eine Stelle am Institut für Probleme der Informationsübertragung. Margulis ist u.a. auch Träger des Lobatschewski- und des Wolf-Preises.

Der diesjährige Abelpreis wird wegen der Corona-Pandemie nicht, wie eigentlich geplant, am 19. Mai dieses Jahres in einer Zeremonie vergeben, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt.


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Quellen[Bearbeiten]