Der österreichische Neusiedlersee wird ab 2010 austrocknen

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Artikelstatus: Fertig 13:19, 2. Nov. 2005 (CET)
Bitte keine weiteren inhaltlichen Veränderungen vornehmen, sondern einen Folgeartikel schreiben.

Neusiedl am See (Österreich), 19.08.2005 – Eine Expertenrunde präsentierte die Ergebnisse zweier Studien der Universität für Bodenkultur Wien. Diese prognostizieren eine weitestgehende Austrocknung des Neusiedlersees ab 2010 bis 2050. Damit kämen Tourismus und Landwirtschaft der Region zum erliegen.

Die Studien wurden im Jahr 2003 aufgrund der herrschenden Trockenheit von der burgenländischen Landesregierung in Auftrag gegeben und sollten Prognosen und Lösungsvorschläge liefern. Dabei wurde von einer durchschnittlichen Temperaturerhöhung durch Globale Erwärmung von 2,5 Grad Celsius bis zum Jahr 2050 ausgegangen, was eine Steigerung der Verdunstung um 23,3 Prozent bedeuten würde. Heute sinkt der Wasserstand des seichten Steppensees in den Sommermonaten um 60 bis 80 Zentimeter durch Verdunstung auf etwa 100 Zentimeter Wassertiefe. Daneben konnte ein Zusammenhang zwischen Sonnenaktivität und Niederschlagsmenge in der Region festgestellt werden. Demnach ist die nächste Trockenperiode in der Region bereits ab 2010/2012 zu erwarten, was in Kombination mit der steigenden Temperatur eine sukzessive Austrocknung des Sees in den kommenden Jahrzehnten zur Folge haben kann. Was an sich nicht aussergewöhnlich wäre, der Neusiedlersee ist in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder ausgetrocknet.

Die Auswirkungen auf Tourismus und Landwirtschaft im nördlichen Burgenland wären katastrophal, dem Großteil der Bevölkerung rund um den Neusiedlersee wäre die Existenzgrundlage entzogen. In einer Umfrage sprachen sich deshalb auch zwei Drittel der Betroffenen für ein künstliches Befüllen des Sees aus.

Derzeit wird untersucht, ob die Schwellwerte der Flutschleusen erhöht werden können, ohne Überflutungen auszulösen. Damit könnte der See mit Hochwasser längere Trockenphasen besser überstehen. Langfristig ist aber eine Zuleitung von Donauwasser erforderlich. Durch den slowakischen Stausee von Gabčíkovo ist flußaufwärts der Grundwasserspiegel in den letzten Jahren stark angestiegen. Ein Druckrohrsystem von einem Meter Durchmesser und 50 Kilometer Länge soll von Wolfsthal und Kittsee Brunnenwasser vom Donauufer in den Norden des Neusiedlersees einleiten. Mit einem Durchsatz von einem Kubikmeter pro Sekunde soll der Wasserstand pro Jahr um zehn Zentimeter angehoben werden können.

Obwohl Ökologen grundsätzlich einen hohen Wasserstand für die einzigartige Fauna und Flora des Nationalparks Neusiedlersee-Seewinkel begrüssen würden, besteht doch die Gefahr der Ausdünnung des Salzssees wenn durch sommerliche Regenfälle die Schleusen geöffnet werden müssen. Auch Nitrate, Phosphate und bakterielle Verunreinigungen werden als Risikofaktor gesehen. Der See würde vom Schilf zugewachsen werden. Darum wird im Hinblick auf die Natura 2000 Übereinkommen eine künstliche Dotation des Sees über ein Minimum hinaus abgelehnt. Als Lösung des Problems der Verunreinigungen wird eine Zuleitung in den Schilfgürtel untersucht, dieser könnte als natürlicher Filter funktionieren. Und um die Gefahr der Ausdünnung zu reduzieren wird eine dynamische angepasste Wasserstandsregulierung erforderlich werden.

Frühstens ab 2010 kann das 50 bis 70 Millionen Euro teure Projekt fertiggestellt werden. Nach Abschluss der laufenden Untersuchungen will die in Koalition regierende ÖVP einen entsprechenden Antrag im burgenländischen Landtag einbringen.

Dabei haben österreichische und ungarische Experten eine weitaus günstigere Variante empfohlen. Die Umleitung der Raab über Rabnitz und ein bestehendes Kanalsystem würde nur 13 bis 24 Millionen Euro kosten. Diese Lösungvariante wurde aber nach Bürgerprotesten der flussabwärts gelegenen Gemeinden in Ungarn aufgegeben. Die von der oppositionellen FPÖ vorgeschlagene Einleitung von Wasser aus der Leitha wurde wegen der zu geringen Wassermengen des Flusses verworfen.

Quellen


  • Hinweis nach Veröffentlichung: Der Artikeltext der oben angegebenen Quelle NATURSCHUTZBUND Österreich wurde inzwischen unter web.archive.org archiviert[1]

Fußnote

  1. web.archive.org