Bremer Sozialsenatorin Röpke zurückgetreten

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Artikelstatus: Fertig 19:21, 11. Okt. 2006 (CEST)
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Bremen (Deutschland), 11.10.2006 – Nach dem Fund einer Kinderleiche im Bremer Stadtteil Gröpelingen am Dienstag hat Bremens Sozialsenatorin Karin Röpke (SPD) die politische Verantwortung für das Versagen ihrer Behörde in diesem Fall übernommen und ist von ihrem Amt zurückgetreten.

Beamte waren am Dienstag gewaltsam in die Wohnung des drogensüchtigen Vaters eingedrungen, um das Kind aus der väterlichen Wohnung zu holen und hatten dann im Kühlschrank die Leiche des zweieinhalbjährigen Kevin gefunden. Gegen den Vater ist heute Haftbefehl erlassen worden. Er befindet sich wegen des Verdachts auf Totschlag und „Misshandlung von Schutzbefohlenen“ in Untersuchungshaft. Das Kind soll bereits mehrere Tage tot gewesen sein und wies nach Polizeiangaben Mangelerscheinungen auf. Die genaue Todesursache des Kindes wird noch untersucht, das Ergebnis der Obduktion liegt noch nicht vor. In Deutschland sind in den letzten Jahren wiederholt ähnliche Fälle von Kindestötungen beziehungsweise von Tod durch Mangelernährung bekannt geworden.

Die Sozialsenatorin hat nach eigenen Worten bereits Anfang des Jahres von dem Fall Kenntnis erhalten. Gegen den Vater wurde bereits wegen des Todes der Mutter ermittelt. Davon will die Senatsverwaltung jedoch nichts gewusst haben. Kevin stand unter der Vormundschaft des Jugendamtes, wohnte jedoch weiterhin bei dem Vater. Roepke übernahm die politische Verantwortung für das zögerliche Handeln ihrer Behörde: „Daraufhin wurde auf mein Betreiben hin diesem Fall besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Dennoch ist es nicht gelungen, den Tod des Jungen zu verhindern.“ Jens Crueger von der Fraktion der Grünen in der Bremischen Bürgerschaft kritisierte das Verhalten der Behörde gestern scharf: „Ich bin fassungslos, dass erst heute, viel zu spät, versucht wurde, das Kind aus der väterlichen Wohnung zu holen.“ Jens Böhrnsen (SPD), Senatspräsident und Bürgermeister der Freien Hansestadt Bremen, hielt den Rücktritt für unvermeidlich: „Kinder müssen sich darauf verlassen können, dass der Staat sie schützt.“

Der Tod der Mutter liegt bereits ein Jahr zurück. Danach lebte Kevin bei seinem Vater, der an einem Methadon-Programm teilnahm. Mit dem Jugendamt kam keine Zusammenarbeit zustande: Gerichtstermine nahm er nicht wahr und Aufforderungen des Jugendamtes beachtete er nicht. Die Entscheidung für den Zugriff in der Wohnung des Mannes fiel am 18. September 2006. Am 2. Oktober 2006 entschied dann das Jugendgericht, dem Vater das Sorgerecht für das Kind zu entziehen. Am gestrigen Dienstag, 10. Oktober, wurde das Kind dann tot aufgefunden.

Petra Stern vom Bremer Kinderschutzzentrum kritisierte die gegenwärtige Praxis des Bremer Senats, Kinder in der Regel in der Obhut ihrer drogenabhängigen Eltern zu lassen: „Ich sehe die derzeitige Praxis mit großer Skepsis. Wenn die Eltern nicht entgiftet und clean sind, sollten die Kinder nicht bei ihnen leben.“

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Quellen