Berlin: Sattelzug fährt in Weihnachtsmarkt − 12 Tote, 48 Verletzte

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Veröffentlicht: 16:22, 24. Dez. 2016 (CET)
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Blick von der Hardenberg­straße auf den Breitscheidplatz: Einsatz von Rettungs­kräften nach dem Vorfall

Berlin (Deutschland), 23.12.2016 – Ein Sattelzug raste am Montag, den 19. Dezember um 20:14 Uhr in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz bei der Berliner Gedächtniskirche. Ein Terrorist (siehe unten) fuhr einer schwarzen Scania-Sattelzugmaschine samt Planensattelauflieger von der Kantstraße kommend mit etwa 65 km/h in den Weihnachtsmarkt ein. Das Fahrzeug erfasste zahlreiche Personen und zerstörte mehrere Buden. Bei dem Anschlag wurden 11 Besucher des Weihnachtsmarktes getötet und 48 weitere verletzt, 18 davon schwer. Hinzu kommt der offenbar durch Erschießen getötete, vermutliche Fahrer des Sattelzuges, ein polnischer Staatsbürger, der auf dem Beifahrersitz gefunden wurde.

Die Person, welche den Sattelzug zum Zeitpunkt des Vorfalls gefahren sein soll, flüchtete. Wenig später wurde aufgrund von Aussagen einiger Augenzeugen ein pakistanischer (nach anderen Quellen afghanischer) Asylbewerber von der Berliner Polizei an der Siegessäule im Tiergarten festgenommen. Der Mann, der sich bei der Registrierung am 31. Dezember 2015 in Passau als Naved B. vorgestellt hatte, bestreitet die Tat. An seiner Täterschaft äußerte die Berliner Kripo in der Pressekonferenz am 20.12.2016 gegen 13:00 Zweifel, zumal auf der Kleidung des Verdächtigen keine Blutspritzer oder Schmauchspuren festgestellt wurden. Ebenso nicht gefunden wurde die Tatwaffe, mit welcher der Beifahrer getötet wurde. Der zuständige Haftrichter ordnete deswegen seine Freilassung wegen Beweismangels an.

Zwischenzeitlich wurden Duldungspapiere und Fingerabdrücke einer bisher nicht mit dem Anschlag in Beziehung gebrachten Person im Führerhaus der Zugmaschine gefunden. Am 21.12.2016 erhob die Berliner Kripo dringenden Tatverdacht gegen den Tunesier Anis Amri, geboren am 22.12.1992, und leitete via Bundeskriminalamt und Generalbundesanwalt eine internationale Öffentlichkeitsfahndung nach ihm ein. Der Verdächtige hatte in Deutschland Asyl beantragt, sein Asylantrag war aber abgewiesen worden. Einer Abschiebung standen bis zuletzt fehlende Reisedokumente entgegen, weswegen er aus der Abschiebehaft entlassen und vorläufig geduldet wurde. Sein letzter bekannter Aufenthaltsort war Emmerich am Niederrhein. Überdies fiel er durch Kontakte zu einem Islamisten mit dem Pseudonym Abu Walaa auf, soll sich als Selbstmordattentäter angeboten haben und wurde monatelang vom Bundesamt für Verfassungsschutz beschattet. Für seine Ergreifung wurde mittlerweile eine Belohnung von € 100'000 ausgesetzt.

Wegen dringenden Verdachts auf einen terroristischen Hintergrund ermittelt der Generalbundesanwalt. Die Amaq (die Propagandaabteilung des Islamischen Staates) veröffentlichte mittlerweile ein Bekennerschreiben.

Anis Amri flüchtete per Zug über Chambéry (Auvergne-Rhône-Alpes, Frankreich) und Turin nach Mailand und von dort aus weiter nach Sesto San Giovanni, wo er kurz nach 03:00 nachts an eine Polizeistreife geriet, die seinen Ausweis sehen und seinen Rucksack durchsuchen wollte. Dabei zog er seine Schusswaffe, und schoss auf einen der Polizisten. Der andere Beamte (der erst seit neun Monaten im Polizeidienst tätig war) erwiderte mit seiner Dienstwaffe und traf Anis Amri tödlich.

Der 40-Tonner-Sattelzug mit der Zugmaschine vom Typ Scania R-450 mit dem polnischen Kennzeichen GDA-08J5 (Landkreis Danzig) und dem Planensattelauflieger der Baureihe Schwarzmüller RH125P gehört einem Spediteur namens Ariel Żurawski aus Frankenberg (Pommern) (poln. Sobiemyśl) bei Greifenhagen (poln. Gryfino) südlich von Stettin und hätte 25 Tonnen Stahl-Halbzeuge aus Turin nach Berlin transportieren sollen. Der Inhaber dieses Unternehmens dementiert, dass sein Mitarbeiter Łukasz Urban (zum Tatzeitpunkt 37 Jahre alt, verheiratet, ein Kind) den Lkw zum Zeitpunkt des Vorfalls gesteuert habe. Der Kontakt zum Mitarbeiter war um 12:00 des gleichen Tages abgebrochen. Laut den mittlerweile ausgelesenen GPS-Daten war der Motor des Lkws am Tattag zwischen 15:44 und 17:37 mehrfach gestartet worden, obwohl die Ladung erst am nächsten Tag zugestellt hätte werden sollen. Um 19:34 hatte sich der Sattelzug dann in Bewegung gesetzt. Offenbar war es im Führerhaus zu einem Kampf zwischen Urban und Anis Amri gekommen, bei dem Amri auf Urban eingestochen hatte, ihn aber erst unmittelbar nach dem Anschlag mit einem Schuss aus seiner Kleinkaliberwaffe ermordete.


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