Atomkatastrophe nach schwerem Störfall nur knapp verhindert

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Veröffentlicht: 15:55, 7. Oktober 2013
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Marinebasis Devonport
HMS Turbulent (S87), nuklear betriebenes U-Boot der Trafalgar-Klasse

Devonport (England), 07.10.2013 – Wie erst am Sonntag (6. Oktober) bekannt wurde, ist Europa 2012 nur knapp einer Atomkatastrophe vom Ausmaß des Reaktorunglücks bei Fukushima entgangen.

Am 29. Juli 2012 um 19 Uhr kam es zu einem 90-minütigen Stromausfall auf der Marinebasis von Devonport bei Plymouth im Süden Englands. Devonport ist ein Heimathafen der nuklear betriebenen U-Boote der britischen Marine. U-Boote, die den Hafen anlaufen, werden an besondere Liegeplätze gebracht und dort von Land aus mit Strom versorgt, der die Kühlung ihrer Atomreaktoren sicherstellt. Im Juli 2012 kam es zu einem Stromausfall, bei dem zuerst die Versorgung aus dem Hauptstromnetz zusammenbrach und anschließend auch für Notfall bereitgehaltene Dieselgeneratoren keinen Strom lieferten. Als Folge waren die Reaktoren der U-Boote ohne eine wirkungsvolle Kühlung und es hätte dementsprechend zu einer unkontrollierbaren Atomreaktion in den Reaktoren kommen können, deren mögliche Folgen von Experten mit denen der Katastrophe in den Reaktoren des Atomkraftwerkes Daiichi bei Fukushima in Japan verglichen wurden. Anti-Atomkraftaktivisten genauso wie Politiker nannten den Vorgang furchteinflößend und besorgniserregend. Der Abgeordnete des britischen Unterhauses Oliver Colville, in dessen Wahlkreis die Marinebasis liegt, will den Vorfall gegenüber dem Verantwortlichen des Hafens sowie dem Verteidigungsministerium zur Sprache bringen. Glücklicherweise hatte aber wohl kein U-Boot erst kurz vor dem Zwischenfall den Hafen angelaufen und dementsprechend waren die Reaktoren bei Beginn des Stromausfalls nach entsprechenden Ruhephasen nicht besonders heiß.

Das britische Verteidigungsministerium hat den Vorfall, den Experten auf der zweithöchsten Gefahrenstufe einordnen, in einem sehr stark zensierten Bericht bestätigt. Die britische Atomaufsichtsbehörde (ONR) hat dem privaten Unternehmen Babcock Marine, das im Auftrage des Verteidigungsministeriums die Marinebasis betreibt, bereits im Juli 2013 eine offizielle Anordnung zur Verbesserung der Notfallpläne erteilt, wie diese am 27. September in einer kurzen Meldung mitteilte. Babcock Marine hat nun bis 31. März 2014 Zeit, dieser Anordnung entsprechende Veränderungen vorzunehmen. Wie die Zeitung Independent on Sunday dabei in Erfahrung gebracht hat, war dies nicht der erste Stromausfall auf der Marinebasis, sondern auch zwei weitere Vorfälle dieser Art sind Gegenstand einer offiziellen Untersuchung.


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Quellen[Bearbeiten]