Astronomen entdeckten bislang jüngsten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems

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Veröffentlicht: 20:52, 4. Apr. 2008 (CEST)
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Belfast (Vereinigtes Königreich), 04.04.2008 – Astronomen haben etwa 520 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild des Stiers einen neuen Protoplaneten entdeckt, den sie HL Tau b nennen. Der neu entdeckte, gerade entstehende Planet umkreist den Stern HL Tau, bei dem man davon ausgeht, dass er selbst vor weniger als 100.000 Jahren entstanden ist. Unsere Sonne dagegen ist schon 4,5 Milliarden Jahre alt.

Der Protoplanet ist ungefähr 14-mal so schwer wie Jupiter und befindet sich in einer Entfernung von HL Tau, die doppelt so groß ist wie die des Neptuns von der Sonne, erklärte Jane Greaves von der University of St. Andrews, Schottland. Sie und ihre Kollegen entdeckten HL Tau b, als sie mit Hilfe von Radioastronomie eine Scheibe aus Gas und Steinbrocken um den Stern HL Tau untersuchten. Die Untersuchungen fanden mit dem Very Large Array (VLA) in New Mexico und am Jodrell-Bank-Radioobservatorium in England statt. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass es sich bei dem besonders hellen Materialklumpen, den sie entdeckt hatten, nicht um Gasemissionen, sondern um Stein handelte. Bereits vor ein paar Jahren hatte ein Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Jack Welch vom Berkeley-Illinois-Maryland Array in den Vereinigten Staaten an einer ähnlichen Stelle etwas gesehen, was sie jedoch nicht genauer identifizieren konnten.

Jane Greaves geht davon aus, dass der Planet erst dadurch entstehen konnte, dass ein weiterer jüngerer Stern vor 1.600 Jahren an HL Tau vorbeigeflogen ist. Der nächstjüngste Planet, den die Wissenschaftler zuvor entdeckt hatten, ist bereits 10 Millionen Jahre alt.

Ken Rice vom Institut für Astronomie in Edinburgh erklärte, die Entdeckung werfe ein neues Licht auf die Theorie der Entstehung von Planeten. Bislang gingen die Wissenschaftler davon aus, dass Steinmaterial kollidieren und so ein immer größeres Objekt formen würde. Der neu entdeckte Protoplanet dagegen habe sich so schnell entwickelt, dass sie nun von einer anderen Theorie ausgingen. In diesem Fall habe sich der neue Planet vermutlich infolge von Instabilitäten des Schwerkraftfeldes selbst innerhalb dieser Scheibe aus Gas und Steinen gebildet. Mit Hilfe seiner Computersimulationen habe er nachweisen können, dass solch ein Mechanismus tatsächlich in der Natur vorkommen könne. Vermutlich sei ein jüngerer Stern an der Scheibe um HL Tau vorbeigeflogen, habe ihr einen „Ruck“ verpasst und so das Entstehen des Protoplaneten in Gang gesetzt, sagte Jane Greaves. Wie der Focus in seiner Onlineausgabe berichtet, ist HL Tau b aufgrund seiner Entstehungsgeschichte möglicherweise gar kein Planet, sondern ein Brauner Zwerg. Braune Zwerge sind Himmelskörper, die weder Stern noch Planet sind. Ihre Masse übersteigt die von Planeten, reicht aber nicht aus, um Kernfusions-Reaktionen, wie sie in normalen Sternen vorkommen, auszulösen.

Die Details wurden am Mittwoch im Rahmen eines Treffens der britischen Astronomen bekanntgegeben, das bis heute in Belfast stattfindet.

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Quellen