Apples „iPhone“ und die Reaktionen: Zwischen Enthusiasmus und nüchterner Kritik

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Artikelstatus: Fertig 01:10, 14. Jan. 2007 (CET)
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Cupertino (Vereinigte Staaten), 14.01.2007 – Menschen auf der ganzen Welt richteten am Dienstag ihr Augenmerk auf San Francisco. Im Rahmen der „Macworld“ stand zum elften Mal eine Keynote von Apple-CEO und Mitbegründer Steve Jobs auf dem Programm. In dieser von Fans auch Stevenote genannten Veranstaltung stellt Jobs traditionell neue Apple-Produkte vor, so 1998 den iMac, 1999 das iBook und 2001 den iPod. Dieses Jahr war von vielen Beobachtern eine Kombination aus iPod und Mobiltelefon namens „iPhone“ erwartet worden, obwohl Apple mit einem ähnlichen Produkt bereits einmal scheiterte. Das 2005 vorgestellte Motorola „ROKR“ floppte wegen einer Beschränkung auf nur 100 Lieder und einer halbherzigen Umsetzung. Von der US-Zeitschrift „PC Magazine“ wurde es gar zu einem der zehn schlimmsten Produkte des Jahres gekürt. So war sich die Fachwelt alles andere als einig über das zu erwartende Produkt, zumal Netzwerkspezialist Cisco im Dezember selber ein Produkt namens „iPhone“ präsentierte. Da Apple sich darauf versteht, möglichst keine Details vorab durchsickern zu lassen, beruhten die Erwartungen auch auf wenig mehr als einigen Gerüchten sowie anderen Anzeichen, wie zum Beispiel einem bekanntgewordenen neuen Patent von Apple auf ein für Funkwellen durchlässiges Handygehäuse.

Anfangs schien es, als lägen die Skeptiker richtig, denn Mr.Jobs präsentierte zunächst „Apple TV“. Das unter dem Codenamen „iTV“ bereits im September vorab gezeigte Gerät wird an den Fernseher angeschlossen und ermöglicht die Betrachtung von Videos aus dem Internet wie dem lokalen Netzwerk. Als nach der ersten halben Stunde noch keine Rede vom „iPhone“ war, sackte gar Apples Aktienkurs leicht ab. Doch kurz darauf bestätigten sich die Vermutungen – in etwa. Denn Jobs betonte, dass er gleich drei Geräte in einem zeigen würde: einen iPod, ein Mobiltelefon und ein mobiles Kommunikationsgerät. Tatsächlich präsentierte er ein Gerät, welches die Welt noch nicht gesehen hatte. Statt auf die laut Jobs unflexible Bedienung mit Tasten setzt Apple auf einen berührungsempfindlichen Bildschirm, der fast die gesamte Oberfläche des Telefons ausmacht. Zum Einsatz kommt eine neuartige Technologie namens „Multitouch“, die beispielsweise das Herein- und Herauszoomen mittels zwei Fingern ermöglicht. Auf der Vorderseite des "iPhone" befindet sich eine Taste namens „Home“ , durch ihre Bedienung soll der Benutzer stets zum Ausgangspunkt zurückfinden.

Bei der Präsentation zeigte sich, dass diesmal – anders als beim gefloppten „ROKR“ – die Integration der Funktionen ernst genommen wurde. So nutzte Jobs die enthaltene Kartenanwendung Google Maps, um sekundenschnell den nächsten „Starbucks“ zu finden, dort anzurufen und scherzhaft „4000 Latte to go“ zu bestellen. Weitere Neuerungen sind „Visual Voicemail“, welches das Abhören der Mobilbox in freier Reihenfolge erlaubt, und die Darstellung von SMS-Nachrichten und -Antworten als Verlauf in Chat-Form. Ein integrierter Näherungssensor schaltet das Display automatisch ab, wenn das Telefon ans Ohr geführt wird, und von Partner Yahoo soll jedem Besitzer ein kostenloser E-Mail-Account mit „Push“-Funktionalität angeboten werden. Verfügbar soll das Gerät zu einem Preis von 499 Dollar (mit 4 GB integriertem Speicher) oder von respektiven 599 Dollar (8 GB) in den USA im Juli, in Europa im 4. Quartal 2007 und in Asien gar erst 2008 sein. Jobs begründete die frühe Ankündigung mit den anstehenden Prüfungen seitens der amerikanischen Fernmeldebehörde FCC.

Die Ankündigung führte zu Reaktionen verschiedenster Art. Der Aktienkurs von Apple legte an der Börse um mehr als zehn Prozent zu, während die Kurse anderer Anbieter von Mobiltelefonen wie Nokia nachgaben. Nachdem die Bad Oeynhausener Balda AG als Displaylieferant bekannt wurde, legte auch deren Aktie um elf Prozent zu. Die Zeitschrift „Focus“ berichtete unter der Überschrift „Fast ein deutsches Display“ allerdings kurz darauf, dass das Display in Wirklichkeit durch eine chinesische Tochter, an der die Balda AG nicht die Mehrheit besäße, produziert werde. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte, dass Apple nur in Europa und den USA Altgeräte zurücknähme, und dies auch nur auf Grund gesetzlicher Vorgaben, während Cisco auf die Ankündigung des „iPhone“ mit einer Klage reagierte. Man sei zwar zuvor mit Apple in Gesprächen über eine Lizensierung der Cisco-Marke „iPhone“ gewesen, betrachte diese aber nun als gescheitert. Die Fachzeitschrift „Connect“ kritisierte verschiedene Punkte: So habe die eingebaute Kamera weder eine Videofunktion noch einen Blitz, und der Versand von MMS sei offenbar nicht möglich. Eine Synchronisation mit Windows-PCs sei bislang nicht realisiert, und Musik-Downloads über das Mobiltelefonnetz seien mangels UMTS-Fähigkeiten des „iPhone“ bislang gar nicht möglich.

Quellen