7. Oktober 2021: Fliegerbombe in Göttingen gefunden

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Veröffentlicht: 04:21, 8. Okt. 2021 (CEST)
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Platz vor dem Göttinger Auditorium

Göttingen (Deutschland), 08.10.2021 – Bei Bauarbeiten am Weender Tor wurde am Morgen des Donnerstag, 7. Oktober 2021 in Göttingen eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Die Fundstelle lag ungünstig am nördlichen Ende der durch den Wall begrenzten historischen Innenstadt an einem Verkehrsknotenpunkt. Als genauerer Fundort wurde das Auditorium der Göttinger Universität angegeben. Zunächst wurde die Stadt im Umkreis von 300 Metern, dann im weiteren Kreis von 1000 Metern um die Fundstelle durch die Polizei evakuiert. Es handelte sich um eine Fünf-Zentner-Bombe (250 kg) mit Aufschlagzünder. Gegen 18 Uhr waren 550 Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr vor Ort, nach 21 Uhr wurde deren Zahl mit 817 angegeben.

Nicht nur Geschäfte und Wohnungen, sondern auch ein Altenheim und die rund 130 Patienten sowie das komplette Personal der Krankenhäuser Neu Bethlehem und Neu-Mariahilf mussten in einem Großeinsatz des Rettungsdienstes evakuiert werden, womit gegen 13 Uhr begonnen wurde und was sich bis kurz vor 19 Uhr hinzog. Die Patienten wurden in die Universitätsklinik Göttingen verlegt, einige direkt nach Hause entlassen. Auch Wohnhochhäuser, Büros, Arztpraxen, Schulen und ein Campus der Göttinger Universität lagen in dem betroffenen Gebiet. Bis zu 20.000 Einwohner mussten ihre Wohnungen verlassen; nur etwa 300 Menschen konnten über Nacht in zwei provisorischen Evakuierungszentren aufgenommen werden. Der Unterricht für Freitag wurde an zwei Schulen abgesagt.

Die Stadt richtete, auch über Nacht, ein Bürgertelefon ein. Hotels waren schnell ausgebucht. Der öffentliche Personennahverkehr und Teile des Bahnverkehrs mussten eingestellt werden, was Auswirkungen bis auf den S-Bahn-Verkehr in Hannover hatte. Kontrollteams prüften den Erfolg der Evakuierung und bestreiften die Straßen. Sie wurden durch Drohnen und einen Polizeihubschrauber unterstützt. Um 22 Uhr 30 war das Sperrgebiet fast vollständig evakuiert, letzte Drohnen stiegen auf. Gegen 19 Uhr hatte die Begutachtung des Fundes durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst begonnen. Der Beginn der Entschärfung war für 22 Uhr durch vier Kampfmittelräumer geplant, aber verschoben worden. „Bomben mit Aufschlagzünder können in der Regel entschärft werden und müssen nicht gesprengt werden”, erläuterte Christian Schmetz, Erster Stadtrat Göttingens und Dezernent für Finanzen, Ordnung und Feuerwehr. Gegen Mitternacht begannen die Sprengmeister mit der Entschärfung. Eine Stunde später konnte die Polizei bekanntgeben, dass sie erfolgreich durchgeführt wurde. Der sogenannte Detonator war so stark beschädigt, dass er um 0.30 Uhr kontrolliert gesprengt werden musste. Der Sprengmeister Thorsten Lüdecke hatte bereits früher ähnliche Einsätze erfolgreich durchgeführt.

Shuttle-Busse begannen, die Evakuierten wieder nach Hause zu bringen, der Bahnverkehr wurde wieder aufgenommen und die Göttinger Verkehrsbetriebe kündigten die Wiederaufnahme des Busverkehrs ab 4.30 Uhr an.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde Göttingen zwar nicht so stark bombardiert, wie etwa Würzburg, Nürnberg oder gar Berlin und Dresden, trotzdem werden immer wieder Fliegerbomben gefunden. 2010 kamen drei Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes beim Versuch der Entschärfung eines Blindgängers ums Leben. Es gibt 80 weitere Orte in Göttingen, an denen Blindgänger vermutet werden. Erst im Januar 2021 mussten in der Nähe des Schützenplatzes Bomben entschärft werden, was die Evakuierung von 8.500 Menschen nach sich zog. Der Bereich um den Schützenplatz war das Ziel von Bombenangriffen gewesen, weil hier die Lokhalle stand und sich im Westen der Stadt ein Fliegerhorst befand.

  • Foto von der Einsatzstelle, urheberrechtlich geschützt, unter [1]
  • Foto von Sprengmeister Thorsten Lüdeke neben der entschärften Bombe, urheberrechtlich geschützt, unter [2]

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Quellen[Bearbeiten]